Sophia Göppel-Kraft will für die Grünen das Landratsamt in Ansbach erobern | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.02.2026 08:00

Sophia Göppel-Kraft will für die Grünen das Landratsamt in Ansbach erobern

Sophia Göppel-Kraft ist Landratskandidatin der Grünen. Beruflich kommt sie aus der Strombranche. (Foto: Robert Maurer)
Sophia Göppel-Kraft ist Landratskandidatin der Grünen. Beruflich kommt sie aus der Strombranche. (Foto: Robert Maurer)
Sophia Göppel-Kraft ist Landratskandidatin der Grünen. Beruflich kommt sie aus der Strombranche. (Foto: Robert Maurer)

Eine ökologisch und sozial ausgewogene Gesellschaft auf einer soliden wirtschaftlichen Basis. Das möchte Sophia Göppel-Kraft als Landrätin von Ansbach gerne realisieren. Das passt zu ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Werdegang. Die 37-Jährige ist die Landratskandidatin der Grünen.

Sie wohnt mit ihrem Mann und den beiden Kindern (fünf und elf Jahre alt) in Herrieden, in ihrem Elternhaus. Ihr Vater Josef Göppel, der frühere CSU-Landtags- und Bundestagsabgeordnete, der im April 2022 verstarb, ist allgegenwärtig. Neben der Eingangstür erinnert ein Marterl an ihn. Sophia Göppel-Kraft erwähnt im Gespräch häufig den Einfluss ihres Vaters auf sie selbst und auf ihre Sicht auf die Dinge. „Inhaltlich hatten wir keine Kontroversen”, sagt sie. Ihr Vater galt als das grüne Gewissen der CSU, sie ist nun die christlich geprägte Grüne.

Expertin aus der Energiebranche

Den Doppelnamen trägt sie allerdings nicht schon immer. Als Leipziger Grünen-Stadträtin hieß sie nur Sophia Kraft. So manch politischer Gegner unterstellt ihr, dass sie aus dem im Landkreis bekannten Namen ihres Vaters politisches Kapital schlagen will. Sie selbst sagt, sie habe mit ihrem Umzug zurück nach Herrieden beschlossen, den Doppelnamen anzunehmen, um den „familiären Anschluss” deutlich zu machen und den Namen Göppel „hier in Herrieden weiter zu tragen”.

Bündnis 90/Die Grünen hat die Liste für die Kreistagswahl am 8. März nächsten Jahres aufgestellt. 70 Bewerberinnen und Bewerber treten an. Bislang stellt die Partei elf Kreisrätinnen und Kreisräte. (Foto: B90/Grüne Kreisverband Ansbach)
Bündnis 90/Die Grünen hat die Liste für die Kreistagswahl am 8. März nächsten Jahres aufgestellt. 70 Bewerberinnen und Bewerber treten an. Bislang stellt die Partei elf Kreisrätinnen und Kreisräte. (Foto: B90/Grüne Kreisverband Ansbach)

Die Grünen im Landkreis Ansbach setzen Sophia Göppel-Kraft auf Platz 1

Ihr Vater war ein bekannter CSU-Abgeordneter. Jetzt will die Herriederin in den Kreistag. Die Ökopartei schickt 35 Frauen und 35 Männer ins Rennen.

In Herrieden aufgewachsen, ging sie nach dem Abitur fürs Studium nach Potsdam, Berlin und schließlich nach Leipzig. Den Master-Abschluss machte Sophia Göppel-Kraft in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement/Energiewirtschaft. Sie arbeitete an der Energiebörse in Leipzig und wechselte vor eineinhalb Jahren zum Stromnetzbetreiber Tennet in Bayreuth. Weil sie viel im Homeoffice arbeiten kann, funktioniert das trotz der Entfernung. Aktuell ist sie ohnehin freigestellt, um sich auf den Wahlkampf fokussieren zu können.

Sophia Göppel-Kraft ist überzeugt, dass auch mit einem ökologischen Fundament wirtschaftlicher Erfolg möglich ist. „Ich stehe für regionale Wertschöpfung”, sagt die 37-Jährige. Als Beispiel nennt sie die neuen Windräder, die als Folge des Wind-an-Land-Gesetzes entstehen. Noch sei es möglich, die Anlagen in den Händen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu halten.

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Welche Möglichkeiten Energieprojekte vor Ort haben können, zeigt aus ihrer Sicht die NorA-Region bestens. Mit den Gewinnen aus erneuerbaren Energien wird im Raum Flachslanden ein Bürgerbus finanziert, der den ÖPNV ergänzt. Ein Vorzeigebeispiel, das Sophia Göppel-Kraft gerne auch auf andere Regionen im Landkreis ausdehnen möchte. „Das ist eine starke Lösung.” Denn in einem Flächenlandkreis wie Ansbach wird der ÖPNV immer schwieriger zu betreiben sein als in einem Ballungszentrum.

In der Kreispolitik für die Vogelperspektive

Querverbindungen von Wirtschaft und kommunalen Interessen hält die Kandidatin auch in anderen Bereichen für sinnvoll: Bei einem Supermarkt-Bauvorhaben könne man die Genehmigung mit der Forderung verknüpfen, sich finanziell an der Verkehrserschließung zu beteiligen, findet sie. „Wir müssen da mutiger sein und der Wirtschaft auch einmal die Stirn bieten.”

Insgesamt fehlt Sophia Göppel-Kraft in der Kreispolitik die Vogelperspektive, der Blick von oben auf die Gesamtsituation. Die Ausweisung von Gewerbeflächen sei zwar Sache der Städte und Gemeinden, doch könne man auch Hand in Hand arbeiten, um so gezielt Flächenfraß zu verhindern. Doch dafür brauche es die Moderation aus dem Landratsamt.

Braucht Ansbach mehr Ausnahmeregelungen?

Ähnliche Beispiele kann sie für viele Bereiche nennen: vom Insektenschutz bis zur Altkleidersammlung. Die Herriederin findet es bezeichnend, dass es Dr. Jürgen Ludwig als CSU-Landrat nicht gelingt, mehr Sonderkonditionen in München zu erwirken. Schließlich ist Ansbach der Landkreis mit der größten Fläche in Bayern. Da könne es nicht angehen, dass im Hebammenhilfevertrag nur Entfernungen von maximal 25 Kilometern vorgesehen sind. „Da brauchen wir eine Ausnahmeregelung.”

In Sachen medizinischer Versorgung kritisiert die Grünen-Politikerin den „Larifari-Kurs” von Ludwig als Vorsitzender des ANregiomed-Verwaltungsrates. „Das hat uns in der Gesundheitsversorgung nicht weitergebracht.” Die Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg sind aus ihrer Sicht auf Dauer erforderlich. Zum einen, um eine Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung gewährleisten zu können. Zum anderen, um weiterhin Ärztinnen und Ärzte für die Region auszubilden.

Interfranken ist „verbrannt”

Die geplante Verlagerung der Endoprothetik von Dinkelsbühl nach Ansbach stellt die Grüne infrage. Schließlich soll auch in Bad Windsheim ein Endoprothetik-Zentrum entstehen. Da wäre der Standort Dinkelsbühl allein aus geografischen Gründen sinnvoller, um ein anderes Einzugsgebiet abzudecken.

Das Interfranken-Projekt ist aus ihrer Sicht „verbrannt”. Anders ausgedrückt: „Es hat seine Leuchtkraft verloren” und würde dennoch viel Fläche verbrauchen. Aus Sicht der Energiefachfrau sind Projekte wie der Elektrolyseur der Stadtwerke Feuchtwangen viel sinnvoller. „Die sind sehr innovativ und das ist organisch gewachsen.”

Für sich selbst nimmt Sophia Göppel-Kraft in Anspruch, „den Familienblick” mitzubringen. Als Mutter von zwei Kindern wisse sie um die Probleme, wenn der Schulbus morgens überfüllt ist und die Eltern spontan den Transport in die Schule organisieren müssen. Sozial, ökologisch, wirtschaftlich.

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