Schalkhausen: Gedichte von Brecht treffen auf Lieder nach Mahler-Werfel | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.09.2024 20:00

Schalkhausen: Gedichte von Brecht treffen auf Lieder nach Mahler-Werfel

Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker gaben in Schalkhausen die Premiere von „Neu beginnen kannst du“. Dabei treffen Gedichte von Bertolt Brecht auf Musik nach Alma Mahler-Werfel.  (Foto: Anna Beigel)
Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker gaben in Schalkhausen die Premiere von „Neu beginnen kannst du“. Dabei treffen Gedichte von Bertolt Brecht auf Musik nach Alma Mahler-Werfel. (Foto: Anna Beigel)
Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker gaben in Schalkhausen die Premiere von „Neu beginnen kannst du“. Dabei treffen Gedichte von Bertolt Brecht auf Musik nach Alma Mahler-Werfel. (Foto: Anna Beigel)

Von fröhlich über tragisch bis hin zu hoffnungsvoll. Bei der Premiere von „Neu beginnen kannst du“ aus der Reihe „Beflügelte Poesie“ haben Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker ihr Publikum im Domizil der Hilterhaus-Stiftung in Schalkhausen mit auf eine Reise genommen.

Sie verweben in ihrem neuem Programm Gedichte von Bertolt Brecht mit Musik nach Alma Mahler-Werfel. Deren Liedern hat Hartmut Scheyhing den Text genommen, einige Passagen angepasst. Und das gelingt. Am Flügel begleitet er die Worte, die Claudia Dölker spricht.

Die Musik stiehlt nicht die Show

Die Musik stiehlt Brechts Gedichten jedoch nicht die Show. Sie betont manche Stellen, untermalt sie, lässt träumen. Einzelne Gedichte spricht Scheyhing, andere singen beide zusammen, legen Brechts Texte auf Mahler-Werfels Musik. Das passt gut.

Die Dramaturgie des Ganzen lässt sich schnell durchblicken. So wird es am Anfang mit „Onkel Ede hat einen Schnurrbart“ als Eigenvertonung auch mal humorvoll, gar kindlich. Später wird die Musik schneller, das Sprechen lauter.

Freiheit, Hoffnung, Sehnsucht

Schließt man die Augen, ist man dann auf einmal dort, wo Brecht in „Die Liebenden“ Kraniche fliegen lässt. Die Musik von Mahler-Werfel malt den Himmel, man spürt fast die Wolken an sich vorbeiziehen, den Wind um die Nase wehen. Freiheit, Hoffnung, Sehnsucht.

Bringen Gedichte von Erich Kästner mit Musik von Peter Tschaikowsky zusammen: Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker. (Foto: Elke Walter)
Bringen Gedichte von Erich Kästner mit Musik von Peter Tschaikowsky zusammen: Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker. (Foto: Elke Walter)

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Kopf einschalten, Phantasie zulassen: Claudia Dölker und Hartmut Scheyhing bringen Gedichte zum Schwingen. Um was geht es in ihrem neuen Programm?

Brechts Gedichte werden düsterer

Nach einer Generalpause werden Dölker und Scheyhing deutlich düsterer. Der Wendepunkt. Die Töne in Moll, die Worte schneidend. So, dass es im Raum auf einmal ganz leise wird. Als hätten alle die Luft angehalten. Als wäre die Temperatur gesunken. Auf einmal werden die Gedichte realer, sind nicht mehr aus einer Traumwelt, sondern aus einer, die so existiert hat.

Trauer einer Mutter um ihren Sohn

„Mein Sohn, ich hab dir die Stiefel/Und dies braune Hemd geschenkt:/Hätt ich gewußt, was ich heute weiß/Hätt ich lieber mich aufgehängt.“ Es sind Worte, die für sich stehen. Die im Kopf des Zuhörers einen Film abspielen lassen. Von Krieg, von Gewalt, von Tod. Und vor allem von der Trauer einer Mutter um ihren Sohn.

Schwarz und grau schweben die Töne des Klaviers durch die Luft, langsam und erdrückend. Buchstaben, Worte, Zeilen stehen finster im Raum. Claudia Dölker setzt sich auf einen Hocker.

Die Leichtigkeit ist schwerer geworden

Am Ende des Abends kommt die Leichtigkeit wieder zurück, sie wiegt aber mehr als am Anfang. In den letzten Liedern und Gedichten ist es nicht mehr fröhlich. Jetzt geht es eher um Hoffnung und Frieden. Der Wandel, um den es in der Vorführung gehen soll, wird klar.

„Alles wandelt sich./Neu beginnen/Kannst du mit dem letzten Atemzug./Aber was geschehen ist, ist geschehen. Und das Wasser/Das du in den Wein gossest, kannst du/Nicht mehr herausschütten.“

Schwere Kost

Ja, es ist schwere Kost. Aber vielleicht soll es uns mit dem neuen Programm von Claudia Dölker und Hartmut Scheyhing auch nicht leicht gemacht werden.

Weitere Vorstellungen von „Neu beginnen kannst du“ aus der Reihe „Beflügelte Poesie“ finden am 2., 10., 16. und 23. Oktober und am 13. und 21. November jeweils um 19.30 Uhr statt; außerdem am 10. November um 11 Uhr. Wegen der begrenzten Platzzahl in der Hilterhaus-Stiftung (Am Kirchplatz 17, Ansbach-Schalkhausen) ist eine telefonische Anmeldung erforderlich: 0981/48779626.


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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