Schalkhausen: Wo Kästner auf Tschaikowsky trifft | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.09.2023 11:30

Schalkhausen: Wo Kästner auf Tschaikowsky trifft

Bringen Gedichte von Erich Kästner mit Musik von Peter Tschaikowsky zusammen: Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker. (Foto: Elke Walter)
Bringen Gedichte von Erich Kästner mit Musik von Peter Tschaikowsky zusammen: Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker. (Foto: Elke Walter)
Bringen Gedichte von Erich Kästner mit Musik von Peter Tschaikowsky zusammen: Hartmut Scheyhing und Claudia Dölker. (Foto: Elke Walter)

Begegnungen ermöglichen, das möchte die Reihe „Beflügelte Poesie“ in der Hilterhaus-Stiftung. Claudia Dölker und Hartmut Scheyhing stellten ihr neues Programm „Der Zufall hat keinen Verstand“, mit Gedichten von Erich Kästner und Musik von Peter Tschaikowsky, vor. Am Mittwoch hatte es Premiere.

Ein kleines, feines Format, das das Künstlerehepaar immer wieder von Neuem mit unerwarteten Paarungen füllt. Erich Kästner und seine Gedichte, hatten offenbar schon länger auf ihren Auftritt gewartet, mit Auszügen aus Peter Tschaikowskys „Kinderalbum“ an der Seite, war es nun soweit.

Start mit einer „Weltreise durchs Zimmer”

„Warum werden aus Kindern solche Erwachsene“, etwa im „Brief an meinen Sohn“ oder „Der synthetische Mensch“, Gedanken, die sich in Kästners Texten immer wieder finden. „Lasst Euch die Kindheit nicht austreiben“ ein weiterer. Mensch bliebe nur, wer sich als Erwachsener ein Stück Kind zu bewahren vermag. So starteten die beiden mit einer „Weltreise durchs Zimmer“: Kopf einschalten, Phantasie zulassen.

Aus der Vielzahl an lyrischen Texten hatten Dölker und Scheyhing fünfzehn ausgewählt und daraus ein rundes, mitunter scharfzüngiges Paket geschnürt. Zu den fein formulierten, pointierten Gedanken Kästners, gesellten sie punktgenau die romantische Einfachheit der kleinen Musikstücke des russischen Komponisten über Kinderthemen. Allerdings, wie man das von Hartmut Scheyhing kennt, nicht einfach herunter gespielt, sondern passend zu Text und Vortrag interpretiert, bearbeitet oder nur angetippt.

Bei diesem Programm punktet das Künstlerpaar zudem mit eigenen Vertonungen einiger Kästner-Gedichte. „Kleine Rechenaufgabe“ oder „Bilanz per Zufall“ gehören dazu, nicht einfach nur irgendwie unterlegt, sondern kommentierend, kontrastierend, oft mit einem Augenzwinkern. Den Texten gab das Raum, sich zu entwickeln, ebenso eine sanfte Basis oder ließ gar die kritischen Beobachtungen des Dichters in ihren Konturen noch deutlicher hervortreten. So etwa bei dem „Spielzeuglied“ oder auch „Hunger ist heilbar“, bei dem fast ein wenig der Tonfall eines Georg Kreisler mitzuschwingen schien.

Kritischer Blick auf die Gesellschaft

Gesungen, gesprochen, allein oder im Duett gelang es Dölker und Scheyhing, Kästners Lyrik, die neben ihrer sprachlich federnden Leichtigkeit immer auch Kritisches transportiert, auf vielfältige Weise lebendig werden zu lassen.

Das Text-Musik-Paket war kompakt geschnürt. Es zeigte Kästners Gespür für Sprache, satirischen Witz und seine hintergründig, durchaus auch politischen Gesellschaftsbetrachtungen auf sehr unterhaltsame Weise. Die Musik Tschaikowskys oder zumindest das, was Scheyhing am Klavier daraus variiert hatte, gaben den Worten eine schillernd kommentierende Umhüllung mit auf den Weg. Sehr geschmeidig, stellenweise auch kantig kontrapunktisch.

Die nächsten Termine in der Hilterhaus-Stiftung Schalkhausen: am 4., 12., 19. und 25. Oktober sowie am 8. November jeweils um 19.30 Uhr, und am 15. Oktober um 11 Uhr. Weitere Information bei den Künstlern unter der Rufnummer 09 81/48 77 96 26. Wegen des beschränkten Platzangebots in der Hilterhaus-Stiftung ist eine telefonische Anmeldung erforderlich.


Von Elke Walter
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