Viele Schmetterlinge sind dem Namen nach nicht bekannt, findet Richard Ittner aus Weigenheim. Der langjährige Naturschützer und -beobachter hat den Schmetterling des Jahres 2025 schon häufig gesehen. Dieser hat sogar verschiedene Namen: Russischer Bär, Spanische Flagge, Spanische Fahne.
Wissenschaftlich heißt er Euplagia quadripunctaria – der mit den vier Punkten. Wie es in einem Naturschutzforum heißt, sei der „dank EU-Bürokratie ,eingebürgerte' deutsche Name ,Spanische Fahne' oder ,Spanische Flagge' verwirrend, da er früher meist für eine andere Art, nämlich den Schönbär (Callimorpha dominula), verwendet wurde. Für Euplagia quadripunctaria war (und ist) der deutsche Name ,Russischer Bär' geläufig.“
Namensverwirrt oder nicht – Ittner hat ihm einen ganz eigenen Beinamen gegeben: „Ich nenne ihn die Concorde unter den Nachtfaltern, weil der Schmetterling diese dreieckige Form aufweist, wenn er seine rot-schwarzen Hinterflügel nicht zeigt.“ Das Rot hält übrigens Fressfeinde ganz gut ab. Erst voriges Jahr hat Ittner rund 25 Exemplare gesehen. Früher hatte er einmal 70 entdeckt. „Auch bei mir auf dem Hof waren schon einige“.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) und die Bund-NRW Naturschutzstiftung haben den Nachtfalter gemeinsam zum Schmetterling des Jahres gewählt. Doch warum fällt der Schmetterling unter die Nachtfalter, wenn er doch im August, wenn er hauptsächlich fliegt, zweifelsohne am Tage in Erscheinung tritt? Die Antwort: Die überwinternden, haarigen Raupen sind nachtaktiv. Letztere, weiß Ittner, mögen Brombeer-, Himbeer- und Staudenpflanzen.
Als Nektarpflanze bevorzugt die Spanische Flagge den Gewöhnlichen Wasserdost. Sie findet aber auch an vielen anderen Blüten Nahrung. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 58 Millimetern gehört sie zu den größeren Nachtfaltern Europas.
Der Russische Bär lebt vor allem in strukturreichen Landschaften mit Hecken, Waldrändern und blütenreichen Wiesen, die jedoch durch Flächenverbrauch und intensive Landwirtschaft bedroht sind. Die Schmetterlinge kommen auch in naturnahen Gärten vor.
Die Gesamtverbreitung reicht von Spanien über Mittel- und Südeuropa bis nach Vorderasien. Die Art kommt außer im Norden im größten Teil von Europa vor und ist besonders in den Weinbaulandschaften der alten Bundesländer – auch im westlichen Landkreis – noch häufig anzutreffen und zeigt vielerorts eine positive Bestandsentwicklung. Außerhalb dieser klimatisch begünstigten Gebiete gibt es jedoch auch Vorkommen, die durch die Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet sind.
Im Hochsommer sucht die Spanische Flagge schattige, kühle Plätze auf, kommt ansonsten aber auch an trockenen, warmen Stellen vor.
Die nachtaktiven Raupen leben tagsüber einzeln und versteckt. Nach der Überwinterung findet man sie noch bis Ende Mai, bevor sie sich in einem seidenen Kokon verpuppen und gut einen Monat später der Falter schlüpft. Raupe und Falter fressen beziehungsweise saugen an unterschiedlichsten Pflanzenarten.
Die Art kommt vielerorts in stabilen Populationen vor, weshalb häufig keine speziellen Schutzmaßnahmen empfohlen werden können. Allgemeine Maßnahmen zur Lebensraumsicherung können Teilentbuschung, Vernetzung besiedelbarer Geländestrukturen und Mahdverbot von wasserdostreichen Hochstaudenfluren im Hochsommer, Verzicht auf Aufforstung sein.
Durch die höheren Temperaturen aufgrund der Klimakrise breiten sich viele wärmeliebende Schmetterlingsarten nach Norden und in höhere Lagen aus. Callimorpha quadripunctaria ist charakteristisch für lichte, wechselfeuchte bis trockene Wälder mit blütenreichen Säumen (Disteln, Origanum vulgare, Eupatorium cannabinum) und besonders buschige, mit Magerrasen durchsetzte Felshänge, die an Laubwald grenzen.
Bekannt ist Callimorpha quadripunctaria auch durch das sogenannte Schmetterlingstal auf Rhodos in Griechenland, wo sich zahlreiche Falter zur Übersommerung treffen und das deshalb kurzerhand zur Touristenattraktion mit aller notwendigen Infrastruktur umfunktioniert wurde.
Die Spanische Flagge breitet sich seit einigen Jahren immer weiter nach Norden aus. Das haben Bürgerinnen und Bürger über online-Plattformen dokumentiert. Über Webseiten wie Observation.org und Apps wie ObsIdentify können Naturbegeisterte ihre Beobachtungen schnell per Handyfoto festhalten und liefern so viele Millionen wichtige wissenschaftliche Daten, heißt es in den Naturschutzforen des Weigenheimer Biologen Heinrich Beigel.