Polestar entwickelt sich weiter weg von der großen Schwester Volvo: Während Volvo mit EX90 und ES90 auch in der Oberklasse geräumige und familienorientierte Modelle anbietet, bringt Polestar mit dem 5 ein neues Spitzenmodell. Die Coupé-Limousine ist als Performance-GT positioniert und soll gegen Fahrzeuge wie den Porsche Taycan, den Audi e-tron GT und den Lucid Air antreten.
Dabei ist der Schöngeist aus Schweden zwar ebenfalls ein Blickfang, tritt aber lange nicht so exaltiert auf wie die deutsche Konkurrenz und erntet deshalb auch weniger schräge Blicke.
Der Polestar 5 Dual Motor kostet in Deutschland ab 118.600 Euro. Zum Vergleich: Den Taycan zum Beispiel gibt es ab 102.600 Euro. Aber der Einsteiger hat dann nur rund halb so viel Leistung und 20 Prozent weniger Akku.
Bei der Erstbegegnung fallen zwei Merkmale besonders auf. Das eine ist die fehlende Heckscheibe. Wie schon beim Polestar 4 verzichtet der Hersteller darauf und zieht das Panoramadach weit nach hinten. Polestar begründet die Konstruktion unter anderem mit der flachen Dachlinie und dem zusätzlichen Raumgefühl im Fond.
Für den Fahrer ersetzt ein digitaler Rückspiegel den Blick durch die Heckscheibe. Und für die Passagiere im Fond gibt es eine aufwendige Ambientebeleuchtung, die im Augenwinkel jenes Licht simuliert, das sonst durch die Heckscheibe fällt.
Die beiden äußeren Rücksitze sind individuell einstellbar; je nach Ausstattung stehen außerdem Sitzheizung, Belüftung und Massagefunktionen zur Verfügung. Bei einem Radstand von 3,05 Metern bietet der Polestar 5 im Fond vergleichsweise viel Beinfreiheit.
Die Rückbank ist allerdings nicht als vollwertige Dreiersitzanlage ausgelegt. Polestar positioniert das Auto grundsätzlich als Viersitzer mit einem zusätzlichen Sitzplatz in der Mitte. Dafür lässt sich die breite Mittelarmlehne hochklappen.
Die Karosserieform begrenzt den Stauraum. Der Kofferraum fasst 365 Liter und lässt sich bei umgeklappten Rücksitzen auf 1.128 Liter erweitern. Hinzu kommt ein vorderes Staufach mit 62 Litern Volumen, in dem sich neben dem Ladekabel auch weiteres Gepäck unterbringen lässt.
Die zweite Erkenntnis ergibt sich beim Fahren - und bleibt dafür umso fester hängen. Denn Polestar hat bei der Abstimmung des Performance GT einen ganz eigenen Weg gefunden. Dass elektrische Luxusliner stark motorisiert sind, ist mittlerweile gelernt, und hier ist das nicht anders.
Schon das Basismodell hat 550 kW/748 PS und die Performance-Version sogar 650 kW/884 PS. Das reicht für Sprintwerte aus dem Stillstand bis Tempo 100 in bestenfalls 3,2 Sekunden und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Auf zusätzliche digitale Schalt- oder Soundeffekte setzt der Polestar 5 nicht. Im Test vermittelt das Auto dadurch einen vergleichsweise ruhigen Fahreindruck. Die Lenkung lässt sich in mehreren Modi anpassen, ebenso wie die Fahrwerksabstimmung bei der Performance-Version.
Im Test reagiert der Polestar 5 präzise auf Lenkbewegungen und bleibt auch bei höherem Tempo stabil. Die Lenkung ist stramm, die Federung bestimmt, ja sogar der Sitz bietet mehr Halt und Stütze, damit Mensch und Maschine eins werden. Dabei nehmen die Schweden die Langstrecken-Idee eines Gran Turismo mit - und bieten zugleich Fahrprofile mit größerem Komfort-Faktor, mit denen sich auch große Fahrten wie kleine Hüpfer anfühlen.
Langstrecke - das ist beim Elektroauto natürlich immer auch eine Frage der Batterie: 112 kWh fasst der Akku. Das reicht laut WLTP für bis zu 678 Kilometer beim Dual Motor beziehungsweise 558 Kilometer bei der Performance-Version. Dank der 800-Volt-Architektur soll der Ladestopp unterwegs außerdem kurz ausfallen. Die maximale Ladeleistung von 350 kW lässt die Wartezeit für den Hub von 10 auf 80 Prozent auf 22 Minuten schrumpfen.
Der Polestar 5 verbindet hohe Leistung, eine eigenständige Karosserieform und eine auf Langstrecken ausgelegte Innenausstattung. Die fehlende Heckscheibe bleibt ein ungewöhnliches Konstruktionsmerkmal, fällt im Innenraum dank des großen Glasdachs und des digitalen Rückspiegels jedoch weniger stark auf als zunächst erwartet.
So wird der Fünfer zum perfekten Aushängeschild für Polestar. Nur massentauglich ist der Newcomer bei diesen Preisen nicht. Das wissen sie auch in Göteborg und planen deshalb schon die nächsten Premieren: Noch im Herbst kommt der 4 als SUV und 2028 soll der 7 als Kompakt-SUV am anderen Ende der Palette als Einstiegsmodell in den Markt starten.Datenblatt: Polestar 5 Dual Motor
© dpa-infocom, dpa:260818-930-544440/1