Umfrage: Aggressivität im Straßenverkehr nimmt zu | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.08.2026 11:26, aktualisiert am 17.08.2026 15:07

Umfrage: Aggressivität im Straßenverkehr nimmt zu

Die Aggression im Straßenverkehr hat zugenommen. (Symbolbild) (Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)
Die Aggression im Straßenverkehr hat zugenommen. (Symbolbild) (Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)
Die Aggression im Straßenverkehr hat zugenommen. (Symbolbild) (Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Auf deutschen Straßen wird immer öfter gedrängelt, geschnitten und geschimpft. Das geht aus einer Umfrage der Unfallforschung der Versicherer (UDV) hervor. Der Anteil derjenigen, die mitunter drängeln, stieg demnach von 39 Prozent bei der vorigen Erhebung im Jahr 2023 auf 47 Prozent in diesem Jahr. Ein knappes Drittel schere nach dem Überholen schon mal so dicht ein, dass der andere bremsen müsse. 2023 war es noch ein knappes Viertel gewesen. 

Für die Umfrage wurden zwischen März und April 2026 mehr als 2.000 Personen ab 18 Jahren online befragt. 

Aggressives Verhalten nimmt zu

Fast jeder zehnte Autofahrer (acht Prozent) gab an, beim Überholen kaum Rücksicht auf Fahrradfahrer zu nehmen - ein doppelt so hoher Anteil wie bei der vorherigen Umfrage von vor drei Jahren. Zudem räumten demnach mehr Befragte ein, auf der Autobahn auch mal rechts zu überholen oder an einer Autoschlange vorbeizufahren, um sich vorn einzuordnen. 

„Der Trend ist klar: Die Gruppe derer, die aggressives Verhalten zeigt, nimmt zu“, sagte die Leiterin der UDV, Kirstin Zeidler. Das zeige sich nicht nur bei den Autofahrern. Auch Radfahrer gaben bei der Befragung in diesem Jahr häufiger aggressives Verhalten zu als noch 2023. Sie drängeln demnach öfter auf Radwegen, schummeln sich an roten Ampeln an den anderen wartenden Radfahrern vorbei oder schlängeln sich durch den Autoverkehr. 

Mehr Autofahrer mit Handy am Steuer

In der Umfrage wird eine weitere besorgniserregende Entwicklung deutlich: Die Nutzung von Smartphones am Steuer nimmt zu. Mehr als jeder fünfte befragte Autofahrer nutzt dem UDV zufolge etwa zumindest gelegentlich während der Fahrt soziale Medien. Bei der Umfrage von vor drei Jahren war es noch etwas mehr als jeder Zehnte. 

Fast jeder Vierte versende immer wieder mal Textnachrichten. Ebenso viele seien am Steuer im Internet unterwegs. Auch hier sind die Anteile jeweils gestiegen. Junge Leute nutzen das Handy demnach deutlich häufiger als ältere. 

Das Bewusstsein für das Risiko ist dabei durchaus vorhanden, nimmt laut der Umfrage allerdings spürbar ab. 74 Prozent der Befragten ordnen etwa das Schreiben von Textnachrichten während der Fahrt als „sehr risikoreich“ ein. Drei Jahre zuvor waren es noch 84 Prozent. 

Straßenverkehr ist Abbild der Gesellschaft

Für den Anstieg an aggressivem Verhalten im Straßenverkehr macht die UDV mehrere Gründe aus. Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen nehme die Aggressivität zu. Das zeige sich an der steigenden Zahl an Übergriffen etwa auf Rettungskräfte oder auf Bahnbeschäftigte. „Der Straßenverkehr ist ein Abbild der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung“, betonte Zeidler. 

Förderlich für aggressives Fahrverhalten sei aber auch die Verkehrsinfrastruktur. Immer mehr Radfahrerinnen und Radfahrer seien auf zu engen Radwegen unterwegs, sagte Zeidler. Konfliktsituationen mit Autos an Kreuzungen könnten etwa durch getrennte Grünphasen entschärft werden. Es brauche auch mehr ausschließlich für den Radverkehr ausgewiesene Parallelstraßen. 

Sicherheitsempfinden bleibt gleich

Interessant ist, dass sich trotz des zunehmend aggressiven Verhaltens eine deutliche Mehrheit (58 Prozent) im Straßenverkehr „sicher“ oder sogar „sehr sicher“ fühle. Das sind sogar zwei Prozentpunkte mehr als noch 2023. Dabei gelte: Je älter Verkehrsteilnehmer seien, umso sicherer fühlten sie sich - was Zeidler zufolge an ihrer längeren Erfahrung im Straßenverkehr liege. Und: Männer fühlten sich grundsätzlich sicherer als Frauen, heißt es in der Umfrage.

Was ist zu tun? Unter den Befragten finden sich Mehrheiten für verschiedene Maßnahmen. Mehr als 60 Prozent sprachen sich etwa für eine Tempobeschränkung von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen aus. Tempo 30 in Städten findet hingegen mit knapp 43 Prozent Zustimmung keine Mehrheit. Besonders viele Befürworter hat die Null-Promille-Grenze für Autofahrer. 

Mehr Kontrollen und höhere Strafen

Die UDV spricht sich unter anderem für schärfere Kontrollen und Sanktionen für Fehlverhalten im Straßenverkehr aus. Polizeikontrollen erlebten viele Verkehrsteilnehmer de facto selten. Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, noch nie von der Polizei kontrolliert worden zu sein oder dass die letzte Kontrolle schon Jahre zurückliege. Zeidler fordert etwa den häufigeren Einsatz von sogenannten Handyblitzern. 

„Aus UDV-Sicht sind Verkehrsplanende, Verkehrspsychologen und -psychologinnen gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln“, teilte der UDV mit.

© dpa-infocom, dpa:260817-930-541210/3


Von dpa
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