Neue Einrichtung für Intensivpflege in Ansbach steht in den Startlöchern | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.10.2024 12:27

Neue Einrichtung für Intensivpflege in Ansbach steht in den Startlöchern

Geschäftsleiter Joachim Nürnberger (links) und Standortleiter Muhamad Hot bieten ab sofort eine Intensivpflege-Einrichtung in Eyb an. (Foto: Stefan Neidl)
Geschäftsleiter Joachim Nürnberger (links) und Standortleiter Muhamad Hot bieten ab sofort eine Intensivpflege-Einrichtung in Eyb an. (Foto: Stefan Neidl)
Geschäftsleiter Joachim Nürnberger (links) und Standortleiter Muhamad Hot bieten ab sofort eine Intensivpflege-Einrichtung in Eyb an. (Foto: Stefan Neidl)

Was tun mit Angehörigen, die in einem kritischen Zustand sind und durchgehend Pflege brauchen? Gerade wenn sie auf spezielle Hilfe angewiesen sind, können Pflegeheime diese oft nicht anbieten. Für solche Fälle gibt es Intensivpflege-Einrichtungen. Ganz neu hat nun eine im Ansbacher Stadtteil Eyb eröffnet.

Eineinhalb Jahre ist es her, dass Joachim Nürnberger Anfragen aus Ansbach erhielt. Er ist gemeinsam mit Thomas Steigerwald Geschäftsführer der Gesellschaft für spezialisierte Pflege (GSP) und betrieb schon zwei Intensivpflege-Einrichtungen in Marktheidenfeld und Burgsinn. In Ansbach gebe es zu wenige solcher Pflegeplätze, ob sein Unternehmen nicht eine Einrichtung eröffnen möchte, lautete die Frage.

Ein passendes Gebäude hat ein Unternehmer aus Ansbach in der Windsbacher Straße 3a in Eyb speziell für Pflege gebaut. GSP mietete es an. Dort können ab sofort fünf, später einmal elf Intensivpflege-Patienten auf 400 Quadratmetern leben. Vom großen Gemeinschaftsraum mit Küche, Couchen, TV und Esstisch führt eine Tür auf den Balkon.

Nicht nur alte Menschen als Pflegefall

Die elf Wohnräume sind zwischen 23 und 30 Quadratmeter groß. Jeder hat ein Pflegebad und sanitäre Anlagen. Manche Zimmer verfügen sogar über eine eigene Kochzeile. Ansonsten sind die Räume unmöbliert und sollen von den Bewohnern selbst eingerichtet und gestaltet werden. Angehörige dürfen jederzeit zu Besuch kommen.

Intensivpflege heißt 24-Stunden-Betreuung und Überwachung. In Eyb geschieht dies in einer Wohngemeinschaft. Oft sind die Bewohner auf Beatmungsgeräte angewiesen, haben einen Schlaganfall erlitten oder leiden unter Krampfanfällen. Viele werden über eine Magensonde ernährt. „Nicht nur alte Menschen können zum Pflegefall werden. Es kann jeden treffen“, sagt Nürnberger. Auf 100.000 Einwohner kämen laut Statistik 20 bis 25 Intensivpflege-Patienten.

Hier kommt ein Betreuer auf drei Bewohner

In der Wohngemeinschaft werden die Bewohner beim Tagesablauf unterstützt. Wie in anderen medizinischen Einrichtungen werden sie gewaschen, das Bett gecheckt, Medikamente verabreicht und externe Spezialisten wie Physiotherapeuten oder Logopäden hinzugeholt. Der Unterschied zu einer Unterbringung in einem Krankenhaus oder gewöhnlichen Pflegeeinrichtung ist die Verteilung von Fachkraft auf Patient: Ein Betreuer ist für drei Bewohner zuständig.

Dies sei auch ein Grund, warum Nürnberger kaum Probleme hat, qualifiziertes Personal zu finden: „Unsere Leute können sich Zeit für die Arbeit nehmen.“ Zudem setzt GSP auf Weiterbildung und möchte in Eyb auch ausbilden. Zusätzlich zum Pflegepersonal sind noch Reinigungskräfte und Hauswirtschafter beschäftigt. Letztere erledigen Besorgungsdienste, reinigen die Wäsche und sorgen auch mal für Unterhaltung.

Eigenständiges Zusammenleben

Das Zusammenleben gestalten die Gepflegten so weit möglich selbst. Ein Bewohnergremium kann Geburtstags- und Weihnachtsfeiern organisieren oder bespricht Konflikte. „Sogar Haustiere sind in Absprache unter den Bewohnern möglich“, sagte Nürnberger. Das Gremium ist gesetzlich verankert und GPS als Betreiber darf sich nicht einmischen, es sei denn, die Bewohner suchen eine Expertise.

Das Ziel einer solchen Intensivpflege ist es, ein würdiges Leben trotz Krankheit zu ermöglichen oder, wenn möglich, Besserung zu verschaffen. Selbst in den dramatischsten Situationen kann noch Hoffnung bestehen, weiß Nürnberger. Die erste Patientin überhaupt nahmen sie 2019 auf: „Die Frau erlitt ein Multiorganversagen. Sie benötigte Dialyse, konnte nur mit Hilfe atmen und nicht reden oder gehen. Die Prognose war denkbar schlecht.“

Hoffnung auf Besserung

Durch intensive Betreuung und harte Arbeit verbesserte sich ihr Zustand: Langsam tippte sie erste Wörter auf dem Handy und teilte sich so mit. Später begann sie wieder zu sprechen. 2022 verließ sie mit 60 Jahren, zwar gestützt auf den Rollator, auf eigenen Füßen die Einrichtung und begab sich wieder nach Hause. „Sie hat uns zum Abschied sogar noch Plätzchen gebacken. Solche Momente machen einen stolz“, sagte Nürnberger.

Finanziert wird die Unterbringung durch die Krankenkassen und die Pflegeversicherung. Es bleibt ein Anteil für den Bewohner, abhängig von Pflegestufe, Zimmergröße und anderen Faktoren. Zuschüsse durch die Sozialämter sind möglich.

Der erste Bewohner zieht aktuell in Eyb ein. Anfragen weiterer Interessenten laufen, GPS berät bei der Entscheidung über einen Einzug und sieht sich jeweils den Einzelfall an. Geschäftsführer Joachim Nürnberger ist zuversichtlich: „Bis Jahresende sind die aktuell fünf WG-Plätze belegt.“

Intensivpflege

In der Intensivpflege haben Wohngemeinschaften über die Zeit die klassischen Behandlungseinrichtungen ergänzt, da sie finanziell besser unterstützt werden. Weitere Wohngemeinschaften in der Region sind „Lebenswert“ in der Nürnberger Straße 31 in Ansbach, „Ben“ in der Ringstraße 96 in Feuchtwangen und die Wohngemeinschaft Uffenheim in der Burgbernheimer Straße. In Nürnberg gibt es vier und in Fürth ein weiteres Angebot.

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