Bevor die Hauptstraße in Heilsbronn neu gepflastert wird, wäre der Bau eines Nahwärmenetzes sinnvoll. Leider etwas zu spät beschäftige man sich mit diesem Thema, bedauert die Stadtratsmehrheit. Denn die sehnlichst erwartete Neugestaltung der Stadtmitte will man nicht um weitere Jahre hinausschieben, so der Mehrheitsbeschluss in der jüngsten Ratssitzung.
Ein Nahwärmenetz zu planen, koste viel Zeit, erläuterte Fachbereichsleiter Tobias Christ die Sicht der Stadtverwaltung. Man müsse den Wärmebedarf der Gebäude kennen, mit allen Hauseigentümern über deren Anschluss verhandeln und schließlich eine optimale Trassenführung ermitteln, um Wärmeverluste klein zu halten. Das würde die Gestaltung der Hauptstraße „auf unbestimmte Zeit aufschieben“, so Christ.
Die Verwaltung habe auch geprüft, ob alternativ Wärmeleitungen ausschließlich zu den städtisch genutzten Gebäuden geführt werden könnten, um diese später für eine zentrale Versorgung zu nutzen. Das wäre grundsätzlich möglich und würde laut einem Fachbüro etwa 90.000 Euro kosten. Das sei aber keine „aus Sicht der Verwaltung bevorzugte Option“. Unklar sei auch, wo eine Heizzentrale eingerichtet werden könnte. In der Innenstadt stehe dafür kein geeignetes Gelände zur Verfügung. Allerdings brachte Günther Brendle-Behnisch (ÖDP) die ehemalige Brauerei als möglichen Standort ins Gespräch.
Die CSU-Ratsmitglieder Manfred Huber und Robert Sturm, beide Energieberater, sprachen die Vorteile eines Wärmenetzes in der Altstadt an. Die Hausbesitzer stünden vor dem Problem, auf eine zeitgemäße Wärmequelle umstellen zu müssen, und es könnte nachwachsendes Brennmaterial eingesetzt werden. Außerdem nannte Huber eine mögliche staatliche Förderung von Wärmenetzen. Trotzdem sprachen sie sich dafür aus, zugunsten eines raschen Baubeginns der Straßengestaltung auf ein Wärmenetz zu verzichten.
Auch die Alternative, für die von der Stadt genutzten Gebäude bereits Wärmeleitungen zu verlegen, wurde abgelehnt. Außer Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer stimmten nur vier weitere Ratsmitglieder für diese Variante. Vorgesehen ist allerdings, so Fachbereichsleiter Christ, künftig den Katharinenturm übers Rathaus und das Gebäude Hauptstraße 2 über das Konventsgebäude mit Wärme zu versorgen. Entsprechende Leerrohre würden im Zuge der Straßenpflasterung verlegt.
Sowohl Thomas Franck (Grüne) als auch Wolfgang Prager (FW) bewerteten die Beratung trotz des abschlägigen Ergebnisses für wertvoll. Damit werde „ein Schildbürgerstreich“ (Prager) vermieden – nämlich eine Debatte, ob man später das neue Pflaster wieder aufreißen sollte.
Gerade Hans Imper (FW) bedauerte, dass „wir einfach zu spät dran“ seien. Er hatte in den vergangenen Monaten mehrfach das Thema Nahwärmeversorgung in der Innenstadt angesprochen. „Wir hätten bereits während der Energiekrise mit der Planung anfangen sollen.“
Wie Bürgermeister Pfeiffer sagte, hatte schon der frühere 2. Bürgermeister Carl-Heinz Zischler „vor vielen Jahren“ das Thema in den Stadtrat eingebracht. Nach den Worten von Fachbereichsleiter Christ ist die Stadt verpflichtet, eine Wärmeplanung fürs Stadtgebiet erstellen zu lassen.
Der Bau von Wärmenetzen sei allerdings nicht eingeschlossen. Gabi Schaaf (Grüne) erinnerte daran, dass es heute für nachhaltige und effektive Heizsysteme auch Wärmepumpen gebe. Beim Neubau der Realschule würden 18 Bodensonden in 50 Metern Tiefe installiert, um die Erdwärme zu nutzen.