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Pariser Abkommen

Bericht: Klimaschutz-Pläne weltweit meist unzureichend

Kurz vor der nächsten Weltklimakonferenz haben Experten unter die Lupe genommen, was die Staaten bisher im Rahmen des Paris-Abkommens versprechen. Das Ergebnis ist ernüchternd - es gibt aber Ausnahmen.

Klimaschutz
Staatliche Klimaschutz-Pläne sind Experten zufolge in den allermeisten Fällen nicht ausreichend formuliert. Foto: Boris Roessler/dpa
05.11.2019 18:00 Uhr

Berlin (dpa) - Die Pläne der meisten Staaten im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens reichen einem neuen Bericht zufolge nicht aus, um die schneller werdende Erderhitzung zu bremsen.

Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Länder eingereicht haben, sind demnach nicht ehrgeizig genug. Gemessen am Ziel, den Ausstoß bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs, heißt es in der Auswertung von fünf Autoren, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben.

Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel zu begrenzen. Alle fünf Jahre sollen die nationalen Klimaschutzbeiträge nachgeschärft werden, so dass die Weltgemeinschaft insgesamt immer ehrgeiziger wird. 2020 ist es soweit, dann sollen neue Pläne auf den Tisch.

Es ist festgelegt, welcher Staat welchen Anteil erbringen muss. Allgemein gilt, dass reiche Industriestaaten und solche, die historisch betrachtet viel zum Klimawandel beigetragen haben, mehr Verantwortung übernehmen sollen. Die nächste Klimakonferenz findet in der ersten Dezemberhälfte in Madrid statt.

«Die Zusagen sind schlicht viel zu wenig und zu spät», kommentierte Co-Autor Robert Watson, der bis 2002 zum Vorstand des Weltklimarats gehörte, den Bericht. «Sogar wenn alle freiwilligen Klima-Zusagen voll umgesetzt werden, erreichen sie nur die Hälfte dessen, was notwendig ist, um die Beschleunigung des Klimawandels im nächsten Jahrzehnt zu begrenzen.»

Besonders im Fokus der Autoren stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstoßen: China, Indien, die USA und Russland. Das bevölkerungsreichste Land China hat einen Anteil von rund 27 Prozent - und die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen dort nähmen wegen des Wirtschaftswachstums weiter zu, schreiben die Autoren des Berichts, der von der US-Organisation Universal Ecological Fund veröffentlicht wurde. Zugesagt hat Peking bisher nur, dass sie nicht im gleichen Maße zunehmen sollen wie das Bruttoinlandsprodukt. Das gelte auch für Indien, das einen Anteil von sieben Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoß habe.

Die USA haben sich inzwischen auch offiziell aus den internationalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel verabschiedet: Die US-Regierung habe ihre Kündigung für das Klimaabkommen von Paris eingereicht, teilte Außenminister Mike Pompeo am Montag mit. US-Präsident Donald Trump hatte den Ausstieg in die Wege geleitet.

Die ursprünglichen Zusagen der Vereinigten Staaten mit ihrem Anteil von gut 13 Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoß bewerten die Autoren des Berichtes noch als «in der Schwebe» - aber die aktuelle Politik reiche nicht aus. Russland, dessen Anteil bei knapp fünf Prozent liege, habe noch gar keine Pläne eingereicht.

Die 28 Staaten der EU haben gemeinsam einen Anteil von neun Prozent - und sind dem Bericht zufolge mit ihren Plänen auf Kurs. Bis 2030 könnte der CO2-Ausstoß 58 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen.

Die übrigen 152 Klimaschutz-Zusagen kommen von Staaten, die zusammengenommen etwa 33 Prozent der Treibhausgase ausstoßen. Davon seien 127 Pläne daran gekoppelt, dass reiche Staaten technisch und finanziell bei der Umsetzung helfen, schreiben die Autoren - und sehen darin ein Problem, da es mit der Unterstützung nicht so gut laufe wie man beim Abschluss des Abkommens 2015 gedacht habe.

Neben den 28 EU-Staaten, die im Rahmen des Pariser Abkommens gemeinsam Zusagen machen, werten die Autoren noch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Moldawien, die Schweiz und die Ukraine als Länder, deren aktuelle Zusagen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichen.

Als «teilweise genügend» bewerten sie die Pläne von Australien, Aserbaidschan, Weißrussland, Brasilien, Kanada, Costa Rica, Israel, Japan, Montenegro, Neuseeland, San Marino und Südkorea, die den Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 jeweils 20 bis 40 Prozent reduzieren wollen. Mit Blick auf Brasilien betonen die Autoren aber, dass die Politik der aktuellen Regierung nicht den Zusagen entspricht, die die Vorgänger-Regierung eingereicht hatte.

13 Länder haben noch gar keine offiziellen Klimaschutz-Ankündigungen eingereicht - neben Russland sind das Angola, Brunei, Iran, Irak, Kirgisistan, Libyen, Libanon, die Philippinen, Senegal, Südsudan, Türkei und Jemen. Zusammen stoßen sie neun Prozent der Treibhausgase aus.

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