In neuesten Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) steckt viel Potenzial. Das wollten sich das Mittelalterliche Kriminalmuseum und Studentin Laura Gola nicht entgehen lassen. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat sie einen Roboter in eine Ausstellung integriert. Was die Besuchenden davon hielten.
Neben der großen Eisernen Jungfrau, die den Ruf eines mittelalterliches Folterinstrumentes hat, steht ein hochmoderner Kopf. Eine Technologie, die Besucherinnen und Besucher dort sicherlich nicht erwarten, sagt Anja Bergermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum. Ein „Überraschungsmoment“, das begeistern würde. „Die Besucher reagieren ganz toll darauf.“
Bei dieser besonderen Ausstellung handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Rothenburger Campus der Hochschule Ansbach und dem Museum. Laura Gola, Studentin am örtlichen Campus, führt dieses Experiment im Rahmen ihrer Masterarbeit durch. Sie studiert Digitales Marketing. Das Thema ihrer Arbeit: „Soziale Roboter und wie sie im Alltag akzeptiert werden.“
Dafür verwendet die 25-Jährige den Roboter-Kopf „Furhat“. Bei diesem kann ein beliebiges Gesicht von innen projiziert und die Stimme angepasst werden. Laura Gola testet mit zwei Gesichtern: einem weiblichen, eher menschlichen Gesicht und einem markanteren, das einem Roboter mehr ähnelt – es hat zum Beispiel quadratische Pupillen. Auch die Art zu Sprechen und die Bewegungen sind abgehackter.
In der Gestaltung sieht die Studentin „ganz viel Potenzial“. Sie startet die Künstliche Intelligenz mit dem Laptop und lässt Roboter und Mensch miteinander interagieren. Bevor der technische Kopf beginnt, die Geschichte des Ausstellungsstückes zu erzählen, versucht er eine persönliche Ebene herzustellen.
Er stellt einige Fragen: Wie heißt du? Wie geht es dir? Wurde die Eiserne Jungfrau im Mittelalter tatsächlich zum Foltern verwendet? „Nein“ wäre die richtige Antwort. Durch das Frage-Antwort-Spiel zwischen Roboter und den Zuhörern entsteht ein beinahe echtes Gespräch.
Die Besucherinnen und Besucher des Museums – egal ob jung oder alt – scheinen interessiert zu sein. Sobald die Stimme des Roboters zu hören ist, bleiben zahlreiche Menschen davor stehen und lauschen.
In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Alexander Piazza vom Campus hat die 25-Jährige den Roboter programmiert. Das habe einige Wochen gedauert, erzählt sie. In Bezug auf die geschichtlichen Inhalte hat Dr. Markus Hirte, Leiter des Mittelalterlichen Kriminalmuseums, die Masterandin unterstützt.
Schon jetzt könne sie feststellen: Das menschlichere Gesicht werde besser angenommen. Im Anschluss an die Interaktion werden die Besuchenden gebeten, einen kurzen Fragebogen auszufüllen. „Das war schon jetzt sehr wertvoll“, sagt die 25-Jährige mit Blick auf ihre Masterarbeit.
Nicht nur für die Studentin würde sich die Kooperation lohnen. Für das Mittelalterliche Kriminalmuseum sei dies eine große Chance, „fortschrittlicher zu werden“, so Anja Bergermann. Bereits jetzt habe das Museum drei Multimedia-Stationen integriert, doch Robotik ist neu. „Was hier besonders ist, ist die Interaktion. Das wertet den Museumsbesuch auf“, sagt Bergermann. Mithilfe des Roboters können komplexe Inhalte – wie die der Eisernen Jungfrau – „spielerisch vermittelt werden“.
Das Experiment von Laura Gola hat drei Tage angedauert. Für die Zukunft wünsche sich das Mittelalterliche Kriminalmuseum jedoch, einen derartigen Roboter dauerhaft in eine Ausstellung zu integrieren, so Bergermann. Vor allem „im Museumsbereich lässt sich noch vieles forschen“, sagt Gola.