„Alle Rollen sind besetzt“, verkündet Intendant Johannes Kaetzler. Die Besetzung für die 77. Kreuzgangspiele steht. Es sei ein junges, kreatives Ensemble, sagt Kaetzler. Doch die Hauptnachricht beim Pressegespräch am Donnerstag war eine andere: Der Intendant verlängert seinen Vertrag bis 2028.
Der aktuelle Vertrag von Kaetzler wäre nach der Spielzeit 2026 ausgelaufen. „Wir sind uns einig geworden“, freute sich Bürgermeister Patrick Ruh. „Wir gehen weiter gemeinsam in die Zukunft.“ Kaetzler wird die Kreuzgangspiele zwei weitere Jahre leiten. Der gebürtige Stuttgarter ist inzwischen der am längsten amtierende Intendant in der Geschichte des Feuchtwanger Freilichttheaters. 2028 werde Kaetzler die 20 Jahre „vollmachen“, wie Ruh es nannte.
Mit der Vertragsverlängerung werde auf Kontinuität gesetzt, erklärte der Rathauschef. Doch in den Augen von Ruh erfindet Kaetzler die Intendanz „jedes Jahr immer ein bisschen neu“, auch künstlerisch sei es immer „irgendwie ein Neustart“. In all den Jahren habe es sich „nicht abgenutzt“.
Für Kaetzler sind die zwei weiteren Jahre ein Vertrauensbeweis seitens der Stadt. Er bestätigte Ruhs Eindruck: Er denke und beginne jede Spielzeit neu. Kaetzler hob ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Kulturbüro-Leiterin Dr. Maria Wüstenhagen, die auch seine Stellvertreterin sowie Dramaturgin ist, hervor. Es sei „ein beflügelnder Diskurs“. Sie teilten die Neugierde, wie Theater in die Zukunft geführt werden könne. Die Kreuzgangsspiele hätten eine „hohe Tradition“, die es zu verwalten gelte. Doch damit diese lebendig bleibe, müsste man sich in ihr bewegen, sich permanent erneuern.
Sie arbeiteten „auf eine gute Art“ zusammen, ergänzte Wüstenhagen. Mit der Vertragsverlängerung sei eine Kontinuität gegeben. Aber: „Stillstand ist nicht unser Anliegen.“ Sondern: „Ein Fortschritt in den Ideen.“
Das Ensemble bezeichnete der Bürgermeister bei dem Pressegespräch als „den Kern des Theaters und das wichtigste Element“. Seit Donnerstag ist nun auch bekannt, wer die Hauptrollen in der diesjährigen Saison spielen wird. „Es sind alles Leute, die zu uns passen“, sagte Kaetzler. Es gibt dabei ein Wiedersehen mit bekannten und beliebten Schauspielerinnen und Schauspielern.
Das Paar, das in „Stolz und Vorurteil“ zumeist im Zentrum des Interesses steht, ist Elizabeth „Lizzy“ Bennet und Fitzwilliam Darcy. Im romanischen Geviert werden sie gespielt von Kirsten Schneider und Michael Grötzsch. Schneider ist bereits zum vierten Mal bei den Kreuzgangspielen dabei. Kaetzler erinnerte unter anderem an ihre Rolle als „Rössl-Wirtin“ Josepha Vogelhuber. Nicht ganz leicht sei es gewesen, den gut beschäftigten Grötzsch zu bekommen, sagte der Intendant, der den Roman von Jane Austen für die Bühne bearbeitet und Regie führt.
In einer „Megarolle“ ist laut Johannes Kaetzler Ulrich Westermann zu sehen. Der Doyen des diesjährigen Kreuzgang-Ensembles verkörpert in „Stolz und Vorurteil“ Lady Catherine de Bourgh.
In die Rolle des Sherlock Holmes in „Sherlock Holmes – ein Skandal“ – die Bühnenfassung stammt von Lennart Matthiesen – schlüpft Johann Anzenberger. Der laut Kaetzler „unglaublich wandlungsfähige“ Schauspieler war in Feuchtwangen 2017 und 2019 in „Kiss me, Kate“, „Luther“ und in der „Geierwally“ zu sehen. Als Dr. John Watson ist Mario Schnitzler zu erleben. Als Irene Adler, der Gegenspielerin von Sherlock Holmes, ist Kirsten Schneider in ihrer zweiten großen Rolle gefordert.
Den Meisterdetektiv für Kinder und Familien – Kalle Blomquist – verkörpert der junge Schauspieler Ben Erik Schröter. Im vergangenen Jahr begeisterte er im Nixel-Garten als Regenbogenfisch im gleichnamigen Kleinkinderstück. Kalle Blomquists Freunde Eva-Lotta Lisander und Anders Bengtsson verkörpern Juliane Krug und Kreuzgang-Neuling David Riedt.
Bis auf Johann Anzenberger seien alle Ensemblemitglieder in zwei Stücken zu sehen, teilte Kaetzler mit.
„Richtig gut“ läuft der Vorverkauf für die 77. Kreuzgangspiele. Über 20.000 Karten seien bereits weg, informierte Dr. Maria Wüstenhagen. Es sei der drittbeste Vorverkauf in der Geschichte des Feuchtwanger Freilichttheaters.
Im vergangenen Jahr seien zu diesem Zeitpunkt zwar schon mehr Tickets verkauft worden. Das führten Wüstenhagen und Kaetzler aber auch darauf zurück, dass die beiden Abendstücke 2024 „Der Besuch der alten Dame“ und „Mord im Orientexpress“ bekannter seien als die diesjährigen.