Veröffentlicht am 24.07.2022 13:29

Kaspar Hauser: Wohnhaus des berühmten Findelkindes wird saniert

Freigelegtes Mauerwerk im Gebhardt-Haus: Die ehemalige Unterkunft Kaspar Hausers wird derzeit aufwändig saniert. Hinter dieser Tür befand sich die Schlafstube von Europas berühmtesten Findelkind. (Foto: : Florian Pöhlmann)
Freigelegtes Mauerwerk im Gebhardt-Haus: Die ehemalige Unterkunft Kaspar Hausers wird derzeit aufwändig saniert. Hinter dieser Tür befand sich die Schlafstube von Europas berühmtesten Findelkind. (Foto: : Florian Pöhlmann)
Freigelegtes Mauerwerk im Gebhardt-Haus: Die ehemalige Unterkunft Kaspar Hausers wird derzeit aufwändig saniert. Hinter dieser Tür befand sich die Schlafstube von Europas berühmtesten Findelkind. (Foto: : Florian Pöhlmann)

Viele Jahre lang stand das Gebhardt-Haus im Herzen der Altstadt verlassen da. Der Zahn der Zeit nagte an dem Gebäude, in dem einst Kaspar Hauser eine Heimat gefunden hatte. Nun aber geht es Schlag auf Schlag, die Renovierung der historischen Häuserzeile am Montgelasplatz schreitet mit großen Schritten voran.

In den beiden Containern hinter dem Bauzaun stapeln sich die Hinterlassenschaften aus den vergangenen Jahrhunderten. Viele rote Backsteine, die bei neuen Durchbrüchen im Zuge der grundlegenden Renovierung nicht mehr gebraucht werden, stehen zum Abtransport bereit. Handwerker gehen ein und aus, immer wieder bleiben Passanten stehen und beobachten neugierig das Geschehen.

Es tut sich was – selbst wenn das Gebhardt-Haus auf den ersten Blick noch nicht das Schmuckstück ist, das es werden soll. Doch nach den fortschreitenden Arbeiten steht inzwischen ein Zeitplan. Ende 2023 soll das Ensemble seiner Bestimmung zum Kaspar-Hauser-Zentrum übergeben werden. „Der Keller ist bereits so gut wie fertig“, darf Geschäftsführer Stephan Weber zufrieden feststellen. Auch der Innenhof, der später als Saal dienen wird, ist mit einer Bodenplatte versehen. Eisenarmierungen ragen aus dem Beton, in Kürze werden darauf Fertigwände gesetzt.

Der alte Putz im Innenbereich ist in den zurückliegenden Wochen in jedem Raum von den Wänden verschwunden, überall lässt sich das kräftige Rot der Ziegelsteine trotz des Staubes schon gut erkennen. Die mehrere hundert Jahre alten Fachwerkbalken, die mittels Trockeneis bei minus 78 Grad gereinigt werden, verleihen den Wänden einen wohligen Charme. „Das ist gleich ein ganz anderes Gefühl, wenn man durch das Haus läuft“, schwärmt Weber, dessen Augen bei der Baustellenbegehung regelrecht strahlen.

Wo hier erst Fundamente stehen, sieht er bereits die fertigen Räume vor sich. Den lichtdurchfluteten Saal, die darüberliegende Terrasse für die Hotelgäste, die in warmen Farben gehaltenen Zimmer mit Sichtgebälk und die florierende Gastronomie des Café Stéphanie, das den bislang vor sich hin darbenden Montgelasplatz mit urbanem Leben bereichern wird: ein Traum nimmt Form an. So viel lässt sich schon jetzt sagen.

Noch braucht es dafür reichlich Fantasie. Doch der Umbau des aus drei Häusern bestehenden Ensembles zum Kaspar-Hauser-Zentrum ist für Weber eine Herzensangelegenheit. „Wir wollen den Menschen ein Erlebnis zukommen lassen“, beschreibt er den Anspruch des Projektes, das mit inklusiven Arbeitsplätzen im Hotel und in der Gastronomie sowie dem Zentrum für Notfallpädagogik viele soziale Facetten berücksichtigt.

Wenn der Umbau im September 2023 tatsächlich fertig ist und die Gestaltung der Räume anschließend nur noch wenige Monate in Anspruch nimmt, soll sich Optik mit inneren Werten verbinden und eine Art sinnliches Wohlfühlerlebnis entstehen. „Die Menschen sollen angeregt werden, aber nicht überreizt“: Darauf legt Weber Wert.

Ohnehin seien unsere Sinne in diesen Tagen über Gebühr strapaziert und vornehmlich nur noch in ihrer rudimentären Form vorhanden. Besucher und Gäste des Gebhardt-Hauses dürfen sich demnach auf Spurensuche begeben – zu Kaspar Hausers Gedanken, natürlich aber auch zu sich selbst. Florian Pöhlmann
Dieser Artikel erschien erstmals am 25.April 2022 in der FLZ

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