Es ist ein imposantes Instrument, ungefähr dreieinhalb Meter lang und mit einem knarzigen, dunklen Sound. Beheimatet ist es im Alpenraum und setzt der dortigen Volksmusik das i-Tüpfelchen auf: das Alphorn. Doch es kann auch anders, wie das Konzert mit dem Loisach Marci am Samstagabend in den Kammerspielen zeigte.
Mit volkstümlicher Musik hat der gebürtige Garmisch-Partenkirchener Marcel Enger so seine Not. Aus einem äußerst musikalischem Haus stammend, sei es für ihn zunächst schwierig gewesen, sich vom allgemeinen, traditionellen Familiensound abzuheben, erklärte der Loisach Marci beim Konzert in der Kammer. Da sei immer das Bedürfnis gewesen, etwas ganz Eigenes zu machen.
Dessen Entdeckung verdankt der Ausnahme-Musiker einem Zufall. Während eines Soundchecks bei einem Festival nudelte im Hintergrund Techno in Endlosschleife. Marcel fing an, mit dem Alphorn dazu zu improvisieren, und hatte prompt ein Erweckungserlebnis: „O.k., des is ultrakrass.“ Das war die Geburtsstunde des Alphorntechnos.
Zu den typischen elektronischen Techno-Patterns mit ihrem notorischen „Umpf, Umpf“ gesellt der Loisach Marci – benannt nach seinem heimatlichen Lieblingsfluss – rhythmische Sounds via Alphorn oder auch Mundharmonika. Gesprächseinlagen und der wiederholte ekstatische Ausruf des Veranstaltungsortes – in diesem Falle Ansbach – erweitern den Soundteppich. Es entsteht ein bizarres Crossover, das der Kälte des synthetischen Klanges der elektronischen Soundmaschinen einen quasi organischen Reiz entgegensetzt. Der Techno bekommt eine andere Farbigkeit, ohne seine hypnotisierende Wirkung zu verlieren.
Farbig ist auch die Lightshow, mit grell zuckenden Blitzen und ganz viel Nebel. Man fühlt sich an den Horrorfilm „The Fog“ erinnert, besonders wenn man fotografieren will. Auch vom Loisach Marci erkennt man nur Schemen – schade eigentlich, hat er sich doch für diesen speziellen Abend in seine schönste Tracht gewandet. Ein fescher Bursch – andeutungsweise. Das Geblitze und Geflimmere geht tierisch auf die Augen. Am besten, man schließt sie, was der bezweckten Versenkung in die Musik keinen Abbruch tut.
Für Techno ist des Loisach Marcis Beitrag ausgesprochen facettenreich. Er bleibt nicht immer beim gleichen Tempo, streut mitunter langsamere Stücke ein, wagt auch mal einen dezenten Reggae-Rhytmus. Der Abend dient vornehmlich der Präsentation seines vor kurzem erschienenen „Legacy“-Albums.
Der Loisach Marci bringt verschiedene Instrumente zum Einsatz, denn er ist überzeugt, dass eigentlich jeder Klangkörper gleich funktioniert und deshalb einfach zu bespielen ist. Nun, ein Philharmoniker würde es vielleicht anders sehen, ein Punk ihm sicherlich zustimmen. Obwohl – die Sex Pistols klangen dann doch irgendwie handgemachter. Aber die kreisten bekanntlich in einem anderen Orbit. Für Anhänger des synthetischen Sounds ist dieser Alpentechno sicher eine Erfahrung: Bezwingend, exotisch, spannend und vor allem gar nicht traditionell. Die vielen Tanzenden, die sich vor der Bühne tummelten, zeigten sich begeistert.