Er trägt die Haare schön, Moderator Atze Bauer, der durch die zweite Ansbacher Lachnacht in den Kammerspielen führt. Die besonderen Gäste dieses Freitagabends heißen Jörg Kaiser, Patricia Lürmann und Schaluppke. Ein buntes Potpourri.
Es könnte eine verzwickte Quizfrage sein: Wer verbraucht mehr Haarspray für seine Frisur – Urban Priol oder Atze Bauer? Da hören die Parallelen aber auch schon auf, denn Priol singt nicht. Dafür reimt der Moderator lustig drauflos und haut auf seine luftige Gitarre, eine echte „Yamaha Silent“, die nur aus Rahmen und Saiten besteht. „Ab 50 braucht man’s wieder lauter“ heißt die Parole für die Best Ager, die eifrig mitsingen. Bauer ist das vierte Rad am Wagen bei diesem Lachabend.
Bühne frei für den ersten Gast, einen echten Franken aus dem Nürnberger Land. Jörg Kaiser aus Burgthann – eigentlich Burrrchdann – bringt seinen Zuhörenden den fränkischen Humor näher. Verschmitzt, erst beim zweiten Lauschen ergründlich, a weng derb. „Vorsicht, bissiger Hund“, warnt ein Schild. Versehen mit dem Zusatz: „Klingel defekt, bitte an der Tür klopfen.“
Jörg Kaiser hat Familie, und die bietet reichlich Stoff, in erster Linie die Kinder, eine zehnjährige Tochter, ein fünfjähriger Sohn. Beide sehr verschieden – vor allem von den Eltern. Das äußert sich in Lebensgewohnheiten und besonders sprachlich. Sehr wenig Dialog, kurze, verstümmelte Sätze, Verständigung eine Herausforderung. „Als Dreijährige sprechen manche schon ganz ordentliche Sätze, doch dann kommt das alles wieder abhanden“, konstatiert Kaiser. Und findet erschütternde Beispiele einer extrem verkürzten Kommunikation, bestehend aus vier Elementen: „Bro“, „Digger“, „krass“ und dem Satz „Ich schwör“.
Patricia Lürmann aus dem Pott, genauer Dinslaken, deklariert sich selbst als „ausgewiesene Expertin für nutzloses, aber unterhaltsames Wissen“. Dieses siedelt vornehmlich in den Regionen unterhalb der Gürtellinie. Die Not von reisenden Frauen, sich dezent zu erleichtern, wird plastisch und ausführlich erörtert. Schwierig in der Tat, das weiß jede!
Dass es Vegetarierinnen und Vegetarier noch nie leicht hatten und sie sich heute in einer extrem unbequemen Sandwich-Position zwischen Carnivoren und Veganerinnen und Veganern befinden, mag bekannt sein. Dass Hühner beim „Gebärprozess“ von ihren Artgenossen weit mehr Mitgefühl ernten als ihre menschlichen Mitgeschöpfe, ist dagegen eine Erkenntnis.
Bekannt vielleicht auch der Satz von Dieter Nuhr: „Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Fresse halten.“ Seltsamerweise würden gerade die Leute am lautesten schreien, die am wenigsten durchblicken, ergänzt Patricia Lürmann. Und manche machen Kabarett, obwohl sie eigentlich „Experten für nutzloses Wissen sind“.
Gut, dass es da den Bademeister gibt. Nach der Pause betritt Schaluppke aus Köln die Bühne, und die Lachkurve steigt steil nach oben. Was dieser verkappte Macho scheinbar aus seinem Alltag kolportiert, wirkt authentisch und selbsterfahren, obwohl Robbi Pawlik im wahren Leben ausgebildeter Physiotherapeut ist. Seit zehn Jahren macht er seinen „Berufswechsel“ öffentlich, sehr zum Leidwesen der Jugend.
Eine erschreckende Spracharmut beobachtet Schaluppke ähnlich wie Jörg Kaiser. Echt krass, was sich da am Beckenrand so ereignet. Social-Media-Geschädigte schmieren ab in der analogen Welt und ermuntern den Bademeister zum frechen Rap.
Gut, dass die Jugend während dieser Ü50-Party größtenteils fehlt. Der Saal tobt bei dieser geistigen Allerwertesten-Bombe vom Zehner.