Familiäre, psychische und emotionale Probleme, Mobbing, Leistungsdruck, Überforderung, fehlende soziale und mediale Kompetenzen, mangelnde Konflikt- und Teamfähigkeit: Dies macht vielen jungen Leuten zu schaffen. Hilfe bekommen sie von Sozialpädagoginnen und -pädagogen, die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) leisten.
„Die Probleme werden immer vielschichtiger und anspruchsvoller. Man merkt, dass andere Systeme an ihre Grenzen stoßen“, erklärt Dominik Lorenz, der schon einige Jahre zum JaS-Team gehört. Sein Wirkungskreis ist die Schule im Aischgrund in Bad Windsheim.
Inzwischen gibt es zehn JaS-Standorte im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, erläutert Sabine Hofbauer, Fachbereichsleitung Schulische Dienste, und weist darauf hin, dass die JaS (nicht zu verwechseln mit Schulsozialarbeit) seit 2008 im Landkreis einen wertvollen Beitrag leiste, um sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Hier habe man mit Weitblick agiert. Alle Mittel, die frühzeitig in Kinder und Jugendliche investiert werden, wirkten sich positiv auf das Berufsleben und die gesellschaftliche Teilhabe aus.
Neben den Mittelschulen Neustadt, Emskirchen, Bad Windsheim Scheinfeld und Uffenheim ist je eine Kraft auch am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (Standorte Neustadt und Scheinfeld), an der Schule im Aischgrund, an der Wirtschaftsschule in Bad Windsheim und inzwischen auch an der Neustädter Realschule zu finden. Dort hatte der Rektor lange dafür gekämpft – mit Erfolg.
Das Angebot etablierte sich dort schnell, der Bedarf ist groß, betonte Sozialpädagogin Sina Krämer. Einige hätten diesen für die Realschulen zuvor nicht gesehen. Bedarf bestehe aber auch für andere weiterführende Schulen wie Gymnasien und Fachoberschulen, sind sich die JaSler sicher und können diesen Einrichtungen nur empfehlen, einen Antrag für Jugendsozialarbeit an Schulen zu stellen. Was ist das Besondere daran? Sie sei ein niederschwelliges Angebot, das schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort leistet.
„JaS ist die intensivste Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule und wirkt an der Schnittstelle zwischen Familie, Schule, Berufseinstieg und Sozialraum. Sie bietet Hilfe, die auf den Einzelfall zugeschnitten ist“, betont Sabine Hofbauer und unterstreicht, dass das Angebot freiwillig und kostenlos sei und die Gespräche der Schweigepflicht unterliegen.
Viele Schüler kommen mehrmals, die JaSler unterhalten sich aber nicht nur mit ihnen, sondern nehmen gegebenenfalls auch Kontakt zu Eltern, Lehrkräften, Behörden und Beratungsstellen auf, sagt Corinna Eitel von der Mittelschule Bad Windsheim. Seit Corona sei der Bedarf spürbar gestiegen, die Themen wurden komplexer, resümiert Katharina Blume von der Mittelschule Scheinfeld und hebt die Clearing-Funktion der JaSler hervor. Sie betreut durchschnittlich 40 Fälle im Jahr. Als einen großen Vorteil erachtet sie, dass man auch in Krisensituationen sofort vor Ort sei, Trost spenden und auch im Akutfall beraten kann.
Seit Juli 2023 gibt es die JaS-Stelle in der Wirtschaftsschule Bad Windsheim. Als Besonderheit wurden etwa die dort angebotenen Z-Klassen (Zweistufige Wirtschaftsschule) mit einer sehr heterogenen Klassenzusammensetzung und einem großen Einzugsgebiet (mit weiten Schulwegen) genannt.
Als großes Plus werten die JaSler, dass sie in der Lebenswelt der jungen Leute agieren und diese auch während des Unterrichts zu ihnen kommen könnten. Darüber hinaus sei aufsuchende Arbeit möglich, indem etwa die Eltern daheim besucht werden. „Diese wollen das Beste für ihr Kind, schaffen es aber vielleicht nicht“, so Dominik Lorenz.
Das Interesse der Eltern sei da, die Erziehung jedoch eine andere geworden, stellt Hofbauer fest. Etliche Mütter und Väter wüssten nicht, wie diese funktioniert. Sie zu unterstützen und dem Nachwuchs zu helfen, sei auch wichtig, um Ressourcen zu aktivieren und hervorzuheben, aber auch, um benachteiligten jungen Leuten Chancengleichheit und stabile Perspektiven zu ermöglichen.