Gleich zwei Gründe zum Feiern hatte am Samstag der gemeinnützige Verein Iss was, besser bekannt als die Aischgründer Tafel. Dafür angereist war auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ganz spannungsfrei allerdings verlief die Veranstaltung nicht – zwischenzeitlich drohte gar ein Eklat.
Herrmann überreichte dem Verein im Bonifatiushaus zum einen den mit 5000 Euro dotierten Ehrenamtspreis 2024 der Versicherungskammer Stiftung für den Bezirk Mittelfranken. Zudem konnte in dem Gebäude am Hainserwall in Bad Windsheim die neue, nahezu barrierefreie Ausgabestelle der Tafel offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Zuvor war der Verein in Bad Windsheim in Räumlichkeiten der Berufsschule untergebracht.
Ausschlaggebend für die Auszeichnung war die vom Verein und maßgeblich von seinem Vorsitzenden Thomas Nicol und dessen Ehefrau Carmen ins Lebens gerufene Kampagne der Seniorentüte. Mit der Aktion beschreitet die Aischgründer Tafel, wie Herrmann in seiner Laudatio hervorhob, „hinsichtlich der Versorgung bedürftiger Menschen komplett neue Wege“.
Das „Zukunftsprojekt“ ermöglicht es Seniorinnen und Senioren mit schmaler Rente, die sich oft aus Scham nicht trauen, die Tafel an den Ausgabestellen vor Ort aufzusuchen, auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten Lebensmittelpakete im Empfang zu nehmen. Darüber hinaus bietet die Tafel für mobil eingeschränkte Menschen eine Lieferung „frei Haus“ an. Mit ihrem Engagement stellt die Aischgründer Tafel eindrucksvoll unter Beweis, wie ehrenamtliches Engagement praxisnah und zielgerichtet helfen kann.
Professor Dr. Frank Walthes, dankte den Ehrenamtlichen der Aischgründer Tafel für deren Einsatz für das Gemeinwesen. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Versicherungskammer Bayern“ hob die Bedeutung des Ehrenamtspreises hervor und wies darauf hin, dass es bei rund 240 jährlich bei der Versicherungskammer eingehenden Anmeldungen schon einer herausragenden Leistung bedarf, um in den Genuss einer der nur neun im Jahr zu vergebenden Ehrungen zu gelangen.
Für Gabi Schmidt, Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, in Personalunion zudem Mitglied jener Jury, die über die Vergabe des Ehrenamtspreises „ein Wörtchen mitzusprechen hat“, steht außer Frage, dass die Idee des Zusammenstellens der Seniorentüte einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, der Isolation bedürftiger Menschen entgegenzuwirken.
In der Praxis sei dies sicherlich kein einfacher Weg, der jedoch zum Ausdruck bringt: „Der überwiegende Teil unserer Gesellschaft schaut nicht weg, wenn es um die Belange bedürftiger Menschen geht.“
Als ein Mann, der im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wie kaum ein zweiter Einblick hat, wie komplex die Aufgabe ist, bedürftige Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, wissen Thomas Nicol und seine Mitstreiter, wo der Schuh drück. Nicol selbst allerdings ist offenbar nicht ganz unumstritten: Bei der Preisverleihung verließen einige dieser Mitstreiter – vornehmlich aus Bad Windsheim – demonstrativ den Saal. Laut den Informationen, die der Redaktion dazu vorliegen, wird Nicol zuweilen eine etwas zu autoritäre Amtsführung vorgeworfen und darüber hinaus ist auch von einer „One-Man-Show“ die Rede. Bestätigen ließ sich das an diesem Abend allerdings nicht: Weder Nicol selbst äußerte sich zu dieser Form des Protests, noch diejenigen, die den Saal verlassen hatten.
Zurück zum Anlass der Ehrung: Den Schätzwerten des Vorsitzenden zufolge, sind allein im Umfeld der Aischgründer Tafel mehrere tausend Bedürftige auf Lebensmittelspenden angewiesen. Die logistische Möglichkeit sie zu erreichen, wird – nicht zuletzt seit der Einführung der Seniorentüte – „Schritt für Schritt“ gestärkt. Unterstützung erhält die Tafel von zahlreichen Kommunen und kirchlichen Einrichtungen. Um die Versorgung am Laufen zu halten, bedarf es Geld sowie geeignete Räumlichkeiten, um die gesammelten Lebensmittel aufbewahren, umpacken oder verteilen zu können.
Mit der Eröffnung der neu eingerichteten Ausgabestelle im Bonifatiushaus, deren Leitung Anja Böhringer übernehmen wird, konnte die Tafel ihre jahrelange Suche nach einem neuen Domizil zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Die Vorteile der neuen Örtlichkeit sind sowohl für die ehrenamtlichen Mitarbeiter als auch für deren Kundschaft nicht hoch genug einzuschätzen: Menschen, die zur Tafel kommen, können künftig in einem angenehmen Umfeld, zentral in der Bad Windsheimer Altstadt gelegen, wesentlich besser bedient werden.
Finanzielle Unterstützung erhält der Verein außerdem vom Lions Club, der sich die kommenden drei Jahre mit monatlich 400 Euro an den Mietkosten beteiligen wird.