Der Gedanke an die Kirche St. Johannis lässt so manchen in Ansbach selbst im Hochsommer frösteln. In dem Gotteshaus ist es einfach durchgehend kalt. Doch das ändert sich nun. Dieser Tage wird eine neue Heizung eingebaut. Ein Vorzeigeprojekt.
Die 48 Bänke im Mittelschiff bekommen eine moderne Heizung, die in die Sitz- und Rückenkissen eingearbeitet ist. „Die Heizung ist extrem effizient”, sagt Oliver Englert, der geschäftsführende Pfarrer für die Innenstadtgemeinden St. Gumbertus und St. Johannis.
Im Jahr 2022 lag der Verbrauch für die bisherige Stromheizung bei mehr als 63.000 Kilowattstunden. Nach den Berechnungen sollen es künftig weniger als 1000 kWh im Jahr sein. Oder anders gesagt: Für jeden, der einen Gottesdienst besucht, lag der durchschnittliche Verbrauch bislang bei 222 kWh, künftig sollen es 3,2 kWh sein.
Das Prinzip, daszum Einsatz kommt, ähnelt einer Infrarotheizung. Dabei werden durch die langwellige Wärmestrahlung nicht die Luft erwärmt, sondern feste Körper. Oberflächen speichern die Wärme und geben sie gleichmäßig ab. „Bislang haben wir den Raum beheizt, künftig heizen wir die Menschen”, beschreibt Englert das Prinzip in der Kirche plakativ.
Erste Tests mit Probebänken waren sehr positiv. „Wir haben sogar die Rückmeldung bekommen, dass es manchen auf der niedrigsten Stufe fast schon zu warm war.” Das soll bei der Dauerlösung natürlich beachtet werden. „Man wird gemütlich sitzen können”, verspricht der Pfarrer.
Rund 200.000 Euro schwer ist die Investition. Die evangelische Landeskirche und das Dekanat unterstützen die Anschaffung finanziell. Gut 4000 Euro an Spenden seien zudem eingegangen, berichtet Englert. Angesichts der enormen Stromersparnis sei eine Amortisation in fünf bis maximal zehn Jahren zu erwarten. Weil die evangelische Kirchengemeinde auf Ökostrom umstellt, ist die Heizung nicht nur sparsam, sondern sogar klimaneutral.
St. Johannis bietet Platz für etwa 900 Menschen. Sie ist die erste derart große evangelische Kirche in Bayern, in der eine solche Infrarotheizung verbaut wird. Englert: „Dadurch werden wir zu einem Vorzeigeobjekt und wir werden immer wieder Gäste zu Besuch haben, die sich das bei uns anschauen wollen.”
Englert bedankte sich ausdrücklich bei Dekan Dr. Matthias Büttner, der das Vorhaben angeschoben hat, nachdem sich die Firma Browatech aus Geroldsgrün in Oberfranken 2023 mit der Idee ihrer speziellen Kirchenheizung gemeldet hatte. Die Firma hat ein spezielles Gewebe entwickelt, in das leitendes Material eingearbeitet ist. Daraus entstand dann die Idee eines eigenen Angebots für eine Kirchenheizung. „Wir haben damals mehrere Kirchengemeinden angeschrieben”, schilderte Firmenchef Mario Browa gegenüber der FLZ.
Er freut sich, dass mit der Johanniskirche nun bald ein Modellvorhaben umgesetzt ist und geht davon aus, dass dem Ansbacher Beispiel andere Gemeinden folgen werden. Aus Browas Sicht hat seine Technik viele Vorteile. Unter anderem ist das Material komplett recyclingfähig. Auch die Automobilbranche ist schon darauf aufmerksam geworden, weil eine solche Heizung den Verbrauch gerade in Elektroautos spürbar drücken kann.
Die Installation der Heizung ist diese Woche angelaufen. Die beauftragten Unternehmen sind damit beschäftigt, die erforderlichen Stromleitungen im Kirchenschiff so zu verlegen, dass sie elegant unter den Holzpodesten der Kirchenbänke und in Kanälen im Steinboden verschwinden. Der Einbau soll nach Stand der Dinge bis Freitag, 6. März, abgeschlossen sein. Oliver Englert geht aber davon aus, dass es noch etwas länger dauern wird, bis die Ansbacherinnen und Ansbacher bei der Erwähnung von St. Johannis kein Frösteln mehr verspüren.