In Dinkelsbühl wichtigen Etappen der Baugeschichte auf der Spur | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 10.09.2025 08:00

In Dinkelsbühl wichtigen Etappen der Baugeschichte auf der Spur

Datiert auf das Baujahr 1410 ist das Gebäude Ledermarkt 7 (grünes Haus in der Bildmitte) in Dinkelsbühls Altstadt. Das Baudenkmal steht bei der Summerschool im Fokus.  (Foto: Peter Tippl)
Datiert auf das Baujahr 1410 ist das Gebäude Ledermarkt 7 (grünes Haus in der Bildmitte) in Dinkelsbühls Altstadt. Das Baudenkmal steht bei der Summerschool im Fokus. (Foto: Peter Tippl)
Datiert auf das Baujahr 1410 ist das Gebäude Ledermarkt 7 (grünes Haus in der Bildmitte) in Dinkelsbühls Altstadt. Das Baudenkmal steht bei der Summerschool im Fokus. (Foto: Peter Tippl)

Um Denkmalpflege und die Erkundung historischer Bausubstanz geht es bei einer zehntägigen Summerschool der Koldewey-Gesellschaft, zu der das Landesamt für Denkmalpflege nach Dinkelsbühl einlädt. Studierende verschiedener Fachrichtungen untersuchen dabei ein konkretes Baudenkmal.

Die Altstadt von Dinkelsbühl hat den Zweiten Weltkrieg zerstörungsfrei überstanden und heute innerhalb ihrer Mauern einen 90-prozentigen Ensembleschutz. Zu den besonderen Baudenkmalen gehört das Gebäude Ledermarkt 7, dessen Entstehung auf das Jahr 1410 datiert wird und dessen baugeschichtlicher Erforschung sich acht Studierende im Rahmen der Summerschool widmen. Parallel findet mit Blick auf den bevorstehenden Denkmaltag am Sonntag, 14. September, eine öffentliche Vortragsreihe mit Experten des Denkmalschutzes statt.

Beim Auftakt stellten Simone Hartmann, stellvertretende Abteilungsleiterin Bau- und Kunstdenkmalpflege, sowie Simon Dirk Schmidt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Veranstaltung und die eingebundenen Fachleute vor. Ausgerichtet wird die Summerschool vom Landesamt mit Unterstützung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Als Wahlstandort Rom nachgefolgt

Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer dankte in seinem Grußwort, dass Dinkelsbühl, nach Rom im zurückliegenden Jahr, für diese intensive Untersuchung ausgewählt worden sei. Hammer wies aber auch auf ein Spannungsfeld hin: Architektur, Erhalt der Baugeschichte und moderne Nutzung mit Wohn- und Lebenswelten müssten für eine lebendige Altstadt in Einklang gebracht werden.

Dank für offene Türen und herzliche Aufnahme in Dinkelsbühl sprach Professor Alexander von Kienlin, Vorsitzender der rund 350 Mitglieder zählenden Koldewey-Gesellschaft, aus. „So gut betreut wie hier waren Studierende noch nie“, freute er sich. Seine Blickrichtung galt dabei vor allem Hannsjörg Bauer als Vertreter der Erbengemeinschaft des Anwesens am Ledermarkt. Denn die Studierenden haben im Untersuchungsobjekt kostenfreie Unterkunft und ungehinderten Zugang zu den Räumen.

Als Referent des Abends war eigentlich der Hausforscher Professor Dr. Konrad Bedal, ehemals Leiter des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim, vorgesehen. Da dieser aber in der vergangenen Woche verstorben ist, berichtete Simon Dirk Schmidt von den Untersuchungsergebnissen einer Studierendengruppe vom Sommer dieses Jahres. Die Teilnehmenden hatten dendrochronologische und bauspezifische Untersuchungen in insgesamt vier Objekten an der Segringer Straße, an der Roßbrunnengasse und bereits im Anwesen Ledermarkt 7 vorgenommen.

Bau-Boom zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert

Einen regelrechten Bau-Boom habe es zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in Dinkelsbühl gegeben, berichtete Schmidt in seinem Vortrag und erläuterte anhand einer Bildpräsentation vorkragende Fachwerkkonstruktionen und die Bedeutung von Andreas-Kreuzen in Giebeln. Durch kluge Waldwirtschaft habe man schnell wachsende Hölzer verwenden können. In Dinkelsbühl wurden bei der Bautätigkeit damals laut Schmidt „richtig dicke Bretter gebohrt“.

Er lud zu den weiteren Vorträgen ein: Am Mittwoch, 10. September, geht es ab 18.30 Uhr im Kleinen Schrannensaal um „Bauforschung aus Sicht eines freiberuflichen Restaurators“ und am Montag, 15. September, ab 19.30 Uhr ebenfalls im Kleinen Schrannensaal um Bauforschung im Spannungsfeld zwischen Entwurf und Tragwerksplanung.

Am Mittwoch, 17. September, findet ein Gesprächsabend in der Buchhandlung Ledermarkt 7 statt. Mit dabei ist Denkmaleigentümer Hannsjörg Bauer. Beginn ist um 19.30 Uhr. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 14. September, werden die Studierenden von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr im Untersuchungsobjekt Ledermarkt 7 ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren.


Von PETER TIPPL
north