In der Ansbacher Kita Kunterbunt regnet es durchs Dach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.10.2024 16:05

In der Ansbacher Kita Kunterbunt regnet es durchs Dach

Mehr Schein als Sein: Hinter der bunten Fassade der Kita in der Lunckenbeinstraße verbirgt sich ein Sanierungsstau – das Dach muss komplett neu gemacht werden. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mehr Schein als Sein: Hinter der bunten Fassade der Kita in der Lunckenbeinstraße verbirgt sich ein Sanierungsstau – das Dach muss komplett neu gemacht werden. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mehr Schein als Sein: Hinter der bunten Fassade der Kita in der Lunckenbeinstraße verbirgt sich ein Sanierungsstau – das Dach muss komplett neu gemacht werden. (Foto: Florian Pöhlmann)

Die Optik kann sich immer noch sehen lassen. Der Eingangsbereich der Kita Kunterbunt ist freundlich in verschiedenen Rot- und Blautönen gestaltet. Doch der Schein trügt: Seit vielen Monaten regnet es durch das Dach. Bis auf weiteres wird das jedoch so bleiben. Leitung und Kinder benötigen viel Geduld – und ein paar leere Eimer.

Sein und Schein – alles nur Fassade? Auf die städtische Kindertagesstätte in der Lunckenbeinstraße trifft diese Einschätzung bereits seit geraumer Zeit zu. Lange kamen die dort herrschenden Zustände nicht ans Licht, erst als die Fraktion der Grünen im Vorjahr die städtische Verwaltung nach Klagen von Eltern um Aufklärung bat, wurde das Ausmaß der Schwierigkeiten langsam offenbar. „Es ist richtig, dass die Kita Lunckenbeinstraße baulich und energetisch in einem optimierungsfähigen Zustand ist“, befand schon 2023 Ansbachs Baudirektor Jochen Büschl.

Gebäude stammt aus den 70er Jahren

„Optimierungsfähig“ – eine Vokabel, die rund um die Kita Kunterbunt nicht sonderlich gut ankam. Offiziell sagen möchte die Leitung der Einrichtung nichts zu den Verhältnissen, mit denen man seit vielen Monaten zurechtkommen muss. Aber klar ist: Sobald es stärker regnet, müssen in den im ersten Stock gelegenen Räumen Eimer aufgestellt werden, um das durch feine Risse des Eternitdaches eindringende Wasser aufzufangen. Eine optimale Betreuung sieht sicher anders aus.

Dabei ist das jetzt offenkundige Problem der städtischen Kita beinahe hausgemacht. Das Gebäude stammt in weiten Teilen aus den 1970er Jahren. Als 2010 an den Außenwänden zur Lunckenbeinstraße die bunte Fassade angebracht worden war, blieben andere Teile in der Begutachtung außen vor, wie sich nach einer im Frühjahr erfolgten Bestandsaufnahme des Baureferates herausgestellt hat: Zudem wurden bei den Arbeiten 2010 weder die Dachanschlüsse angepasst noch die Fenster ausgetauscht, wie Baudirektor Büschl bemerkte.

Der Sanierungsstau an dem einst aus Fertigteilen zusammengesetzten Gebäude, das seine Renovierungsfristen bereits um etliche Jahre überschritten hat, rächt sich nun. Zu einer „umfassenden Dacherneuerung“, die Baudirektor Büschl bereits 2023 ins Auge gefasst hatte, gibt es keine Alternative. „Erneuert werden müssen die Dachhaut und das Dachtragwerk“, wie die Stadt nun auf FLZ-Anfrage mitteilte. Also die große Lösung.

In den Aufgabenkatalog der Stadt aufgenommen

Mit der offiziellen Abkehr vom jahrelang bei der Stadt gepflegten Gießkannen-Prinzip, bei dem in der Vergangenheit an vielen Stellen nachgebessert, aber nicht umfassend saniert wurde, kommt der Prioritätenliste der städtischen Baumaßnahmen zunehmend Bedeutung zu. In diesen Aufgabenkatalog ist die Kindertagesstätte Kunterbunt nach dem Auftrag des Stadtrates inzwischen aufgenommen, wie Jochen Büschl bestätigte.

Allerdings ist damit nicht automatisch ein zeitnaher Beginn der Sanierungsarbeiten verbunden. In den Eckdaten des noch zu beschließenden neuen Haushalts ist die Dachsanierung der Kindertagesstätte inzwischen verankert – 40.000 Euro sind 2025 zunächst für die Planungen vorgesehen. „Ausführung in den Folgejahren“, merkte Kämmerer Christian Jakobs kürzlich im Jugendhilfeausschuss dazu jedoch an.

Ob das nicht schneller gehe, fragten verschiedene Ausschussmitglieder. „Wir hatten doch beschlossen, dass es noch 2024 gemacht wird“, monierte etwa Grünen-Stadträtin Meike Erbguth-Feldner den zeitlichen Verzug. „Ich hatte auch schon gefragt, ob wir das nicht beschleunigen können“, meinte Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU).

Planungsbüro ermittelt Kosten

Schneller geht aber wohl kaum, stellte Baudirektor Büschl klar. Die Planungen, die nach dem Vorschlag der Grünen zwar die Installation einer PV-Anlage, aber keine Dachbegrünung vorsehen sollen, müssen erst noch ausgeschrieben und vergeben werden.

Gerechnet wird „pi mal Daumen“ mit Gesamtkosten im mittleren sechsstelligen Bereich. Der Schwellenwert, wonach eine europaweite Ausschreibung nötig wäre, wird laut Büschl nicht überschritten. „Wenn es schnell geht, können die Maßnahmen im nächsten Jahr beginnen, werden aber 2025 wohl nicht abgeschlossen“, skizzierte der Baudirektor den Weg, der Schallschutzmaßnahmen im Inneren einschließt.

Die Geduld in der Kita Kunterbunt wird also noch ein wenig strapaziert – aber auch, weil die Stadt ein erneutes Ansteigen der Elternbeiträge vermeiden will. Eine einfache Sanierung des Daches wäre laut Kämmerer Jakobs wohl nicht förderfähig und müsste demnach umgelegt werden und in eine Gesamtkalkulation einfließen. Die Folgen wären höhere Kita-Beiträge – und sicher nicht weniger Diskussionen und Unmut.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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