Heilsbronner baut Häuser aus Hanf: Schräg oder genial? | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.06.2023 14:00

Heilsbronner baut Häuser aus Hanf: Schräg oder genial?

Das Haus ist mittlerweile so gut wie fertig. Eigentümer Alexander Heß bereut die Entscheidung keine Sekunde, das Gebäude mit Hanfkalk gebaut zu haben. (Foto: Florian Schwab)
Das Haus ist mittlerweile so gut wie fertig. Eigentümer Alexander Heß bereut die Entscheidung keine Sekunde, das Gebäude mit Hanfkalk gebaut zu haben. (Foto: Florian Schwab)
Das Haus ist mittlerweile so gut wie fertig. Eigentümer Alexander Heß bereut die Entscheidung keine Sekunde, das Gebäude mit Hanfkalk gebaut zu haben. (Foto: Florian Schwab)

Manchmal schlägt der Zufall zu: Eigentlich wollte sich Alexander Heß, Geschäftsführer der Hess Stuck GmbH, nur über die Verwendung von Hanf als Dämmmaterial informieren. Mittlerweile baut die Heilsbronner Firma ganze Häuser aus Hanfkalk. Der Bau des Eigenheims diente denn auch als eine Art Musterhaus.

Im Jahr 2019 ist Alexander Heß auf den Hanfbeton gestoßen, wie er gegenüber der FLZ erzählt. Sein Interesse wurde im Rahmen einer Schulung über Fassadendämmung mit Hanf geweckt. „Im Anschluss habe ich mit dem Thema Nutzhanf beschäftigt.“ Je mehr er über die Bauweise mit Hanfkalk, umgangssprachlich Hanfbeton genannt, erfuhr, desto größer wurde das Interesse. Da Heß und seine Familie im selben Jahr mit den Planungen für ein Eigenheim anfingen, „habe ich mich irgendwie darauf eingeschossen, das in dieser Bauweise zu machen“.

Hanfkalk oder Hanfbeton: Baustoff der Zukunft?

Für Heß ist der Hanfkalk „ein Baustoff der Zukunft“. Er besteht aus den Schäben der Hanfpflanze, Kalk und Wasser. Diese Komponenten werden in einer Maschine zu einer homogenen Masse vermischt und durch einen Schlauch hinausgeblasen. Die Maschine hat Heß gekauft. Von ihr existieren insgesamt vier Exemplare in Europa – drei in Frankreich und eine eben in Heilsbronn.

Beim Bauen mit Hanfkalk braucht es immer eine lastabtragende Konstruktion, zum Beispiel eine Holzständerkonstruktion, wie Heß erklärt. In diese Konstruktion wird dann, mit Hilfe einer Verschalung, der Hanfkalk gespritzt, sodass am Ende eine Wand entsteht. Den Hanfkalk gibt es auch als Steine, mit denen man die Wand mauern kann.

Das sind die Vorteile des Rohstoffs

Für den 35-Jährigen liegen die Vorteile des Baustoffes auf der Hand: Beim Hanf handelt es sich um einen schnell nachwachsenden Rohstoff. Da auch die übrigen Bestandteile rein natürlich sind, bildet der Hanfkalk laut Heß eine „ideale Grundlage zur Erschaffung nachhaltiger und gesunder Wohnräume“. Hinzu kommt, dass der Baustoff die Luftfeuchtigkeit reguliert und gute Wärmedämmeigenschaften besitzt. Der Familie Heß ist es zum Beispiel nicht aufgefallen, dass nach dem Einzug im April dieses Jahres die Steuerung der Fußbodenheizung noch nicht funktionierte, obwohl es in der Nacht teilweise noch Minusgrade hatte.

Ein weiterer Punkt, der für Heß mit Blick auf das nachhaltige Bauen wichtig ist: Die Hanfpflanze bindet beim Wachstum mehr CO2 aus der Luft, als oftmals bei der Verarbeitung ausgestoßen wird. Eine 50 Zentimeter dicke Wand, so wie es bei dem Haus von Heß der Fall ist, bindet rund 53 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter. Ein konventioneller Wandaufbau verursacht dagegen CO2-Emissionen.

Ein paar Nachteile nennt Heß

Es gibt auch Nachteile, auch wenn „mir nicht viele einfallen“, wie er sagt. Unter anderem kann nur in Sommermonaten gebaut werden, da es aufgrund des Wassers im Hanfkalk zu Frostschäden kommen kann. Kellerräume können nicht gebaut werden – Baustoff und Holz müssen außerhalb des Erdreichs sein.

Aus dem Hausbau ist schließlich ein eigener Firmenzweig der Hess Stuck GmbH geworden, die er zusammen mit seinem Vater leitet. Eine niedrige sechsstellige Summe hat er dafür investiert. „Das Risiko bestand natürlich, dass das kräftig in die Hose geht.“ Das Interesse an der Bauweise scheint aber zumindest vorhanden zu sein. Bislang hat Heß „die Werbetrommel noch nicht so gerührt“. Dennoch stehen für das laufende Jahr Angebote für sieben Ferienhäuser, vier Einfamilienhäuser und drei Innendämmungen zu Buche. Soweit Heß weiß, ist man deutschlandweit die einzige Firma, die diese Bauweise anbietet.

Dass die Heilsbronner Firma jetzt auch Hanfbeton im Portfolio hat, kommt nicht von ungefähr. Eigentlich sei es schon immer so gewesen, dass man sich nach nachhaltigen Möglichkeiten oder Alternativen umgesehen habe, sagt Heß. „Wir versuchen halt, einen Schritt schneller zu sein als andere.“


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
north