Eiswürfelwetter war nun wirklich nicht, dennoch brachte Matthias Hahn aus der Kabine ein paar der kalten Klötzchen mit und rieb sich damit die linke Hand ab. „Ich glaube, ich habe mir einen Finger gebrochen“, erklärte der Verteidiger der SpVgg Ansbach sein Verlangen nach Kühlung.
Die Verletzung war ein Kollateralschäden der 0:1-Niederlage in der Regionalliga gegen die SpVgg Bayreuth. Nicht der einzige.
Der 24-jährige Industriekaufmann aus der Nähe von Ellwangen sah gegen Bayreuth die fünfte gelbe Karte und muss nun im nächsten Spiel aussetzen. Ansbach ohne Hahn – das ist ungewöhnlich.
In 15 von 16 Spielen war der Sommer-Neuzugang vom Oberligisten FSV Hollenbach dabei. Das Spiel, in dem er nicht verteidigte, endete mit einem Desaster. Es war das 1:7 beim FC Augsburg II.
Hahn, der im Nachwuchs lange für den VfR Aalen spielte, bearbeitete seine Bayreuther Gegenspieler am Boden und in der Luft gewohnt zuverlässig und meist erfolgreich, spielte den einen oder anderen guten Pass nach vorne, rettete gar einmal auf der Linie nach einem Schuss von Felix Heim. Das ist seine Spezialität zur Zeit. Bereits in Burghausen verhinderte Hahn so einen Gegentreffer. Gehört zum Anforderungsprofil. „Ich habe ein Auge drauf, wenn der Gegner in die lange Ecke schießt“, so Hahn.
Beim entscheidenden Tor war er machtlos. Kurz vor Schluss wuchtete Bohdan Potalov den Ball aus etwa 18 Metern nach zwei zuvor abgewehrten Flanken ins Netz. Ein schönes, aber auch glückliches Tor und das erste des Ukrainers in dieser Saison.
„Das Ergebnis ist ärgerlich. So schwach wie heute kriegen wir die nicht noch mal“, sagt Hahn, während ihm Eiswasser von der Hand tropft, „mir wurde irgendwann klar, dass das Spiel wenn überhaupt nur mit einem Tor entschieden wird. Entweder wir oder die“.
Zum Wir fehlten geschätzt fünf Zentimeter. Das dumpfe Klatschen, mit dem der von Michael Sperr abgefeuerte Ball nach feiner Vorlage von Riko Manz Mitte der zweiten Hälfte an die Latte prallte, war der Soundtrack einer am Ende doch umfassenden Enttäuschung.
„Wir verteidigen gut zur Zeit, aber nach vorne ist es zu wenig zwingend, da würden gezieltere Bälle schon helfen“, findet Sperr. Der treffsicherste Ansbacher Angreifer litt in vorderster Front unter den Ungenauigkeiten im Ansbacher Offensivvortrag. Ein Mangel, den man mit einem Punktgewinn besser hätte verkraften können. „Eigentlich war es doch ein typisches 0:0-Spiel“, fand Sperr. Hilfe kam auch nicht von Schiedsrichter Lothar Ostheimer, der nach einer Hereingabe von Niklas Seefried, die der Bayreuther Edwin Schwarz wohl auch mit Hilfe der Hand im Strafraum stoppte, keinen Elfmeter pfiff.
Die Mehrzahl der Torchancen hatte Bayreuth. Aber erst gegen die nach der Pause personell neu aufgestellte Offensive der Gäste hatte der Ansbacher Torhüter Heiko Schiefer Gelegenheit, seine derzeit überragende Form unter Beweis zu stellen – speziell bei der Parade gegen einen Kopfball von Edwin Schwarz (80.). Erst in der zweiten Hälfte gelang es dem Tabellenzweiten, Ansbach richtig unter Druck zu setzen. Der Matchplan des Trainers ging lange auf.
„Wir haben das Spiel in die Richtung gezogen, in der wir es haben wollten mit vielen langen Bällen und vielen Zweikämpfen, damit ist Bayreuth vor allem in der ersten Hälfte gar nicht klar gekommen“, sagte der Ansbacher Trainer Niklas Reutelhuber, „es war dennoch insgesamt ein Spiel auf Augenhöhe“. Dennoch setzte es die dritte Heimniederlage.