Fußball hat den großen Vorteil, dass auch geschicktes Verteidigen belohnt wird, wenn man im Angriff schon nichts zustande bringt. In einem Spiel ohne eigene Torchance kam die SpVgg Ansbach zu einem Punktgewinn in der Regionalliga.
Als die nullneuner neulich nach einem 2:2 bei Türkgücü München auf der A9 nach Hause zockelten, war die Stimmung eher gedämpft. Ein spätes Gegentor hatte den Sieg vermasselt. Die Stimmung am Dienstagabend auf der langen Heimfahrt vom Auswärtsspiel bei Wacker Burghausen Richtung Norden war sehr viel besser – bei identischer Punktausbeute.
„Türkgücü hat sich angefühlt wie eine Niederlage, das 0:0 in Burghausen wie ein Sieg“, referierte SpVgg-Trainer Niklas Reutelhuber am Tag danach die Gefühlslage im Bus, wo die Nulldiät mit dem einen oder andren kalorienreichen Getränk bekämpft wurde.
Der Makel, dass in der Offensive rein gar nichts zusammenging, wurde aufgewogen durch die kollektiv starke Verteidigungsleistung. Noah Agbaje war einer der Leidtragenden und es würde nicht wundern, wenn sich der Wacker-Mittelfeldspieler ein akutes Ansbach-Trauma eingehandelt hat.
Der ehemalige Drittligaspieler versuchte es mit Gewalt, er versuchte es mit Raffinesse, doch der Ansbacher Torhüter Heiko Schiefer war einfach nicht zu überwinden. Ungläubig riss Agbaje Mitte der zweiten Hälfte die Hände nach oben, als der in aggressives Rot gewandete SpVgg-Schlussmann wieder einen seiner Abschlüsse pariert hatte. Was soll man nur machen?
In einem U17-Bayernligaspiel hat Agbaje vor Jahren mal für den TSV 1860 München gegen Ansbach getroffen – das sei zur Traumatherapie erwähnt.
Für Ansbach war es nach dem 1:0 gegen den FV Illertissen erst das zweite Spiel ohne Gegentor in dieser Saison. Auch gegen die Schwaben zeigte Schiefer fantastische Paraden.
Sollte der 25-Jährige auf der Heimfahrt ein bisschen über die einschlägigen Fußballportale gesurft sein, hat er viele Fotos von sich gesehen unter denen stand (in Variationen): Das ist der Mann, der Ansbach den Punkt rettete.
Wobei: Ein bisschen Hilfe hatte die derzeit unumstrittene Ansbacher Nummer eins ja schon. Zum Beispiel Innenverteidiger Matthias Hahn, der aktuell bombig in Form ist und einen Ball, den Schiefer tatsächlich nicht erreicht hatte, von der Linie schlug. Oder die anderen drei nominellen Abwehrspieler, oder die Mittelfeldspieler, die gegen das Burghausener Powerplay auch eifrig mitverteidigten.
Die psychische Form ist einfach gut derzeit.
„Die psychische Form ist einfach gut derzeit und die Art und Weise, wie wir gegen Widerstände angehen. Hut ab vor dem Team“, findet Reutelhuber, der in seiner Analyse die Mängel im Angriffsspiel nicht überging, für die allerdings auch den Gegner verantwortlich machte: „Burghausen hat das defensiv sehr, sehr gut gemacht.”
Fand auch Wacker-Co-Trainer Muhamed Mehmedovic: „Besser kann man es fast nicht spielen, aber wir haben eben derzeit die Seuche am Fuß.”