Große Nachfrage nach Energieberatung

Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. Viele Verbraucher versuchen sich derzeit bei Verbraucherschützern über Alternativen zu informieren - doch der Andrang ist groß. (Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. Viele Verbraucher versuchen sich derzeit bei Verbraucherschützern über Alternativen zu informieren - doch der Andrang ist groß. (Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. Viele Verbraucher versuchen sich derzeit bei Verbraucherschützern über Alternativen zu informieren - doch der Andrang ist groß. (Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Zahlreiche Menschen in Rheinland-Pfalz machen sich Sorgen wegen steigender Energiepreise und der ungewissen Zukunft ihrer Öl- oder Gasheizungen. Viele suchen Rat und Hilfe bei der Verbraucherzentrale.

Die Berater dort können sich vor Anfragen kaum noch retten. „Im Moment sind wir am Anschlag“, sagte Energie- und Bauexperte Hans Weinreuter der Deutschen Presse-Agentur. So unterschiedlich die Probleme der Menschen im Einzelfall auch sein mögen: Meist geht es ums Geld und eine tragfähige Entscheidung für die Zukunft.

Fachkräftemangel, maximale Auslastung und lange Wartezeiten

Bei der klassischen Energieeinsparberatung, die die Verbraucherschützer schon seit Jahrzehnten anbieten, sind die Beratungstermine an einigen Orten in Rheinland-Pfalz bereits bis zum Sommer ausgebucht. „Wir machen Energiechecks bei den Leuten vor Ort. Da hatten wir in den vergangenen zwei Jahren wegen Corona ein Problem, weil wir pausieren mussten“, berichtete Weinreuter. Deshalb sei eine lange Warteliste entstanden.

Die Verbraucherschützer leiden - ebenso wie viele Betriebe in der Wirtschaft - unter Fachkräftemangel. Bei der klassischen Energieberatung arbeiten sie mit Fachleuten auf Honorarbasis zusammen. Und die sind mit ihren eigenen Ingenieurbüros „dicht bis zum Anschlag“, berichtete Weinreuter. Daher seien auch deren Kapazitäten, für die Verbraucherschutzzentrale Energieberatung zu machen, begrenzt. Gerade im ländlichen Bereich sei es nicht leicht, qualifizierte Energieberater zu finden.

Parallel dazu haben die Verbraucherschützer noch ein besonderes Beratungsangebot für Leute, die Zahlungsprobleme im Energiebereich haben. „Auch da nimmt die Nachfrage jetzt zu“, sagte der Verbraucherschützer. „Das kommt etwas zeitverzögert, weil viele Leute erst reagieren, wenn sie ihre Schlussrechnung erhalten und dort dann eine hohe Nachzahlung präsentiert bekommen.“

Konflikt in der Ukraine als Auslöser

Die Nachfrage verunsicherter Kunden nach Rechtsberatung wegen einseitiger Kündigungen von Stromlieferverträgen durch Energie-Discounter ist nach Angaben des Verbraucherschützers ebenfalls gestiegen. Auch hier sei „der Teufel los“, berichtete er.

Allein im März gingen nach seinen Worten auf einer extra für den Energiebereich eingerichteten Mailadresse über 800 Anfragen ein. „Es brummt ohne Ende“, sagte er. Die Verbraucherschützer täten zwar alles, was sie könnten, um den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dennoch sei ihnen bewusst, dass manche Leute unzufrieden seien, weil sie am Telefon nicht durchkämen oder sie nicht schnell genug eine Antwort erhielten. „Doch auch wir können nicht beliebig schnell das Personal hochfahren.“

Rat suchen auch Hausbesitzer, die sich überlegen, wie sie in Zukunft die eigenen vier Wände warm bekommen. Der Hintergrund: Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine will Deutschland weg von Energie aus Russland. Ab dem Jahr 2024 sollen nach dem Willen der Bundesregierung möglichst nur noch Heizungen neu eingebaut werden, die zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Der Einbau von Gasheizungen wäre damit im Regelfall nicht mehr möglich. Es soll zudem der Rahmen dafür geschaffen werden, dass Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien ihre über 20 Jahre alten Heizungsanlagen austauschen können. Außerdem soll eine große Wärmepumpen-Offensive mit staatlicher Förderung gestartet werden.

Wärmepumpe hängt von Einzelfall ab

Auch diese Aussichten treiben viele Rheinland-Pfälzerinnen und -Pfälzer um, wie Weinreuter berichtet. Nicht nur wegen der durch die Decke gegangenen Gas- und Heizölpreise wachse die Nervosität, auch die Frage der Versorgungssicherheit spiele wegen der Diskussionen um einen Boykott oder einen Lieferstopp für russischen Erdgas eine wichtige Rolle. „Die Leute haben es jetzt sehr eilig und wollen nach Alternativen schauen“. Weiter wichtig sei auch das Thema Photovoltaik.

Besonders schwierig ist nach Einschätzung des Energieexperten die Situation für Haushalte, die eine alte Heizanlage haben, falls die jetzt kaputt geht und repariert oder ersetzt werden muss. Klar im Trend seien Wärmepumpen, sagte er. Doch da müsse man sich genau die Ausgangssituation anschauen: Gibt es eine Fußbodenheizung oder große Heizkörper? Wie sieht es mit der Gebäudedämmung aus? „Früher sagte man, wenn das Haus nicht modernisiert ist und keine Flächenheizung hat, sollte man es lassen“, erklärte Weinreuter. „Doch so pauschal gilt das jetzt nicht mehr, da sich die Technik weiterentwickelt hat. Das kann funktionieren, wenn man kleinere Heizkörper gegen größere austauscht und die Vorlauftemperatur absenken kann.“

Denkbar sei auch, eine Wärmepumpe an die Seite eines alten, konventionellen Heizkessels zu stellen, wenn der noch nicht zu alt sei. Auf diese Weise könne ein Hausbesitzer übergangsweise ein paar Jahre zweigleisig fahren und den alten Gas- oder Ölkessel als Spitzenlastkessel in den Wintermonaten zu benutzen. Danach könne man in den nächsten Jahren nach Kassenlage das Gebäude energetisch aufrüsten, also beispielsweise Wärmedämmung aufbringen und Fester austauschen. „Wenn man das gemacht hat, kann man dann endgültig den alten Brenner rauswerfen und voll auf die Wärmepumpe setzen“, sagte er. Welche Option die beste sei, hänge vom Einzelfall ab.

© dpa-infocom, dpa:220510-99-226073/3

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