Das geplante Gewerbegebiet Frauental (Stadt Creglingen) im Nachbar-Bundesland Baden-Württemberg sorgt auch im westlichen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim weiter für Wirbel. Obwohl Creglingens Bürgermeister Uwe Hehn versicherte, dass noch nichts in trockenen Tüchern und unterschrieben sei, regt sich Widerstand. Nun gründete sich eine Interessensgemeinschaft.
Es kursiert ein Scoping-Papier, also eine Art Protokoll des Vorverfahrens. Dadurch sollten die wichtigsten Partner und Nachbarn schon einmal grob informiert werden. Im Detail, das hatte Creglingens Bürgermeister erst jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion betont, sei aber längst noch nicht alles geklärt. Entsprechend bat er um Geduld.
Es gebe einen Investor, der sich gut vorstellen kann, bei Frauental ein Projekt umzusetzen. Immer wieder geistert das Wort Logistikzentrum durch die Lande. Nach Informationen unserer Zeitung ist für Anfang Mai eine Bürgerversammlung in Creglingen geplant, in welcher der Investor sein Vorhaben der Öffentlichkeit präsentieren will. Der Creglinger Stadtrat hatte bisher darüber vor allem nicht-öffentlich getagt. Zum einen, weil noch nichts fix sei, hatte Hehn erläutert. Zum anderen, weil Grundstücksangelegenheiten traditionell unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt werden.
Trotz allem mehren sich die Vorbehalte, auch im westlichen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Das Gewerbegebiet Frauental war bereits mehrfach Thema in Ratssitzungen und Bürgerversammlungen. Stets äußerten Räte und Bürger die Sorge, dass die Verkehrsbelastung für die Region rund um Uffenheim deutlich steigen könnte.
Inzwischen haben sich die Projektgegner in einer Interessensgemeinschaft (IG) formiert: „Bürger aus vielen Dörfern rund um Frauental gründeten vor kurzem in Freudenbach den nicht eingetragenen Verein“, berichtet Christine Primbs, Auberin und Betreiberin des Lindenhofs in Hemmersheim. Sie ist eine von fünf Sprechern der IG „Für unsere Region – gegen den Logistikstandort Frauental“. Weiter besteht das Gremium aus Klaus Adam (Aub), Manuela Ott (Creglingen-Frauental), Beate von Helmst (Simmershofen-Adelhofen) und Peter Lichtenstern (Creglingen-Waldmannshofen).
„Die IG tritt ein für eine gute Weiterentwicklung der Region, für den Erhalt der landwirtschaftlich genutzten Böden und der Kulturlandschaft“, heißt es in einer Mitteilung. „Viele Bürger kritisieren die Versiegelung von rund 15 Hektar fruchtbaren Ackerlandes. Die Erdbewegungen, die mit dem Bau entstehen sollen, Abgrabungen und Wiederaufschüttungen von sieben Metern – sprich bis 14 Meter Höhenunterschied – und die damit zu erwartenden Probleme bei Starkregen.“
Das befürchtete Verkehrsaufkommen von 300 bis 350 Lastwagen pro Tag „würde hauptsächlich die umliegenden Nachbargemeinden belasten“, sagt Primbs. „Dies kann bis zu 700 Verkehrsbewegungen bedeuten.“ Die IG schreibt: „Die betroffenen umliegenden bayerischen Gemeinden haben größtenteils bereits Dorferneuerungen mit Verengung der Durchfahrtsstraßen erhalten. Diese Straßen würden extrem belastet. Anwohner haben große Sorge vor vermehrten Unfällen sowie dem Lärm.“
Die Gegner des möglichen Frauentaler Gewerbegebiets kritisieren zudem eine mangelnde Absprache der Regionalplanung zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Beim interkommunalen Gewerbegebiet „Goll-Ipp“ an der A7 hatten sich Kommunen zusammengetan, um Zersiedelung und Schwerlastverkehr in den Dörfern zu vermeiden. Aus Sicht der IG-Vertreter würde Frauental diese Bemühungen konterkarieren.
„Die entstehenden Arbeitsplätze wurden hinterfragt, da in der Region ,Überbeschäftigung‘ besteht, selbst die Firmen vor Ort finden kaum qualifizierte Arbeitskräfte und auch keine Hilfskräfte.“ Und: „Im nahe gelegenen Logistikzentrum Uffenheim-Langensteinach werden Arbeitskräfte mit Bussen aus Städten wie Würzburg täglich im Drei-Schicht-Betrieb geholt“, heißt es in der Pressemitteilung. „Es ist zu befürchten, dass die ortsansässigen Betriebe dadurch wertvolle Mitarbeiter verlieren.“
Das Gewerbesteuer-Argument finden die IGler ebenfalls wenig ausgeklügelt. Sie gehen davon aus, dass Einnahmen aus der Gewerbesteuer – wenn überhaupt – erst nach vielen Jahren fließen würden. Stichwort Abschreibungen. Und falls das Unternehmen abwandert, stünden „landschaftsverschandelnde Bauruinen“ herum: „Der Boden wäre zerstört, eine Versiegelung des Bodens in dieser Größenordnung ist nicht wieder rückgängig zu machen“, so die Interessensgemeinschaft.
Landwirtschaftliche Flächen würden mit dem Klimawandel immer knapper und sollten „gerade in den heutigen Zeiten“ für den Anbau von Lebensmitteln genutzt werden. „Die Landbevölkerung lebt hier gerne – gerade wegen der Natur und der ruhigen Lage. Diese Unverfälschtheit unserer Kulturlandschaft ist auch die größte Attraktivität für die Menschen, hier in unsere Region zu kommen.“
Am 27. April ab 19 Uhr findet im Landhaus Zum Falken in Tauberzell (Gemeinde Adelshofen) eine öffentliche Informationsveranstaltung der Interessensgemeinschaft statt. Zum Thema Flächenversiegelung und Verkehr wird Steffen Jodl, Regionalreferent Unterfranken des Bund Naturschutz, informieren und für eine Diskussion zur Verfügung stehen.