Die Idee sind „Gespräche am Waldfriedhof“ gewesen. Eine Saison lang lud Adelheid Seiler Menschen in Ansbach dazu ein. Zu diesem Zweck baute sie neben einer kleinen Gerätehalle eine Sitzgruppe auf. Mit dabei hatte sie Kaffee, Wasser und Plätzchen. Wie fällt jetzt nach einigen Monaten ihr Eindruck aus?
Am 15. Mai ging die Reihe los. In diesem Zeitraum nahm sich die pensionierte Gymnasiallehrerin bis auf drei Termine jeden Donnerstagnachmittag Zeit für ihr Angebot. „Es waren insgesamt 45 Personen, die das besucht haben”, blickt sie zurück. Natürlich seien immer wieder auch Menschen dabei gewesen, die die Treffen mehrmals aufgesucht hätten.
„Eine Frau ist wirklich jedes Mal gekommen und hat schon auf mich gewartet.” Für sie sei es eine willkommene Abwechslung gewesen. Maximal seien es vier Personen gleichzeitig vor Ort gewesen, mit ihr also fünf. Mehr hätten ihrer Ansicht nach auch gar keinen Sinn gegeben. „Man muss sich noch unterhalten können, und die Leute müssen das Gefühl haben, sie werden auch gehört.”
Meistens seien es, ohne sie, zwei oder drei gewesen. Eigentlich dachte die 80-Jährige, sie bietet die Treffen denen an, die ohnehin zum Friedhof kommen, zum Beispiel gießen oder an einem Grab zu tun haben und an der Stelle irgendwie allein sind. Aus diesem Kreis sei allerdings nie jemand gekommen. „Es waren immer Leute, die extra gekommen sind.”
Vielleicht habe sie Friedhofsbesucherinnen und -besucher zu wenig angesprochen, meint Adelheid Seiler. Sie sah ihr Angebot „nicht als Trauerbegleitung”. Dazu sei sie auch nicht ausgebildet. Gleichwohl sei zu einem Treffen eine Frau gekommen, die vier Wochen vorher jemand verloren habe, jedoch nur ein einziges Mal. „Sie hat allerdings viel gesprochen, und ich hatte das Gefühl, dass es ihr gutgetan hat.”
Die meisten Menschen hätten die Treffen wahrgenommen, um hier zu sitzen, gemütlich einen Kaffee zu trinken und zu erzählen. Sie habe zugehört und ihre Meinung gesagt, worüber die anderen froh gewesen seien. „Ich bin da kein Ja-Sager.” Einen Trauerhintergrund hätten wohl alle gehabt. Manche seien außerdem neugierig gewesen, was hinter dem Angebot steckt.
„Ein Mann hat bei einem Treffen sogar Geburtstag gefeiert.” Er habe dazu eigens Sekt mitgebracht. Die Gespräche gingen laut Angaben der früheren Stadträtin „über Gott und die Welt”, zum Beispiel darüber, was in Ansbach oder in der Welt passierte, oder über Dinge, die die Menschen geärgert hatten.
„Dann waren schon auch welche dabei, die davon erzählt haben, als ihr Mann, ihre Frau oder ihr Kind gestorben ist.” Manchmal hätten sich auch Freundinnen und Freunde dieser Angehörigen plötzlich zurückgezogen, wie in Gesprächen am Waldfriedhof deutlich geworden sei. Oft wüssten diese eben nicht, wie sie sich bei einem Todesfall verhalten sollen.
Vom linken Eingang des Friedhofs mussten die Menschen nur hinauf zu dem kleinen Platz neben der Halle laufen. „Das Plätzchen finde ich nach wie vor wunderschön”, bekennt Adelheid Seiler als Initiatorin. Sie liebt Friedhöfe, und den Waldfriedhof nennt sie, abgesehen vom Verkehrslärm, eine Oase. Das Personal auf dem Waldfriedhof sei für sie immer ansprechbar gewesen.
Vor Beginn der Saison im Mai kündigte die ehemalige ehrenamtliche Leiterin der Wärmestube im FLZ-Gespräch an: „Jetzt mache ich es dieses Jahr, dann werde ich eine Bilanz aufstellen und dann mache ich es entweder weiter oder nicht.“ Ob sie das Angebot fortführt, überlegt die Ansbacherin jetzt. „Die Leute, für die ich das eigentlich gedacht habe, kamen bislang nicht.”