Gefallenes Idol? Lizzo feiert Comeback mit neuem Album | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.06.2026 07:31

Gefallenes Idol? Lizzo feiert Comeback mit neuem Album

Die US-amerikanische Sängerin Lizzo bei einem Auftritt. (Archivbild) (Foto: Chris Pizzello/Invision via AP/dpa)
Die US-amerikanische Sängerin Lizzo bei einem Auftritt. (Archivbild) (Foto: Chris Pizzello/Invision via AP/dpa)
Die US-amerikanische Sängerin Lizzo bei einem Auftritt. (Archivbild) (Foto: Chris Pizzello/Invision via AP/dpa)

Viel hat Sängerin Lizzo am Dasein als Popstar nicht auszusetzen. Ein voller Terminkalender und dicht getaktete Tage, aber „ich beschwere mich nicht, denn ich kann mich in Glitzer hüllen und mit dem Hintern wackeln, und die Leute lieben es“. Ihr neues Album „Bitch“ erschien diesen Freitag (5. Juni).

Ganz so mühelos aber lief es für die Musikerin, die 2019 einen kometenhaften Aufstieg feierte und von Fans als wahrhaftiges Popsternchen verehrt wurde, nicht. Vor dem ganzen Ruhm stand erst einmal eine Menge Arbeit. Lizzo - bürgerlich Melissa Viviane Jefferson - habe etliche Konzerte vor ein paar Leuten gespielt, zu allem ja gesagt, was ihr über den Weg lief, erzählte sie im Podcast der „New York Times“. Ihr erstes Festival habe sie fast ohne Publikum gespielt. Als sie mit dem Gedanken spielt, alles zu schmeißen, kommt die Wendung.

Lizzo erobert die Pop-Welt im Sturm

Der Durchbruch gelingt ihr mit dem Trap-Pop-Track „Truth Hurts“. Der 2017 veröffentlichte Song geht 2019 durch die Decke und wird kurz darauf gleich für mehrere Grammys nominiert. Bis heute hält er den offiziellen Guinness-Weltrekord für den am längsten auf Platz eins verweilenden Song einer weiblichen Solo-Rapperin in den Billboard-Charts. Ebenfalls 2019 folgt eine Kooperation mit Missy Elliot, einer der einflussreichsten Rapperinnen der Musikgeschichte. Lizzo erobert die Pop-Welt im Sturm, die nur auf eine Künstlerin wie sie gewartet zu haben scheint.

Die Teen-Vogue schreibt 2018: „Lizzo ist die sexpositive, twerkende Gospelsängerin, die die Welt braucht.“ In ihren Lyrics gelingt es Lizzo, Probleme in Leichtigkeit zu verpacken, was vielen ihrer Songs etwas Ermutigendes gibt. Fans finden Trost in ihrer Musik und noch viel mehr in dem, was die Künstlerin verkörpert.

Dass die Künstlerin Selbstbewusstsein und Lebensfreude versprüht, weiß jeder, der sie einmal lachen gehört hat. Ihr gelingt es aber auch, in Räume vorzudringen, wie es einer wie ihr vorher nicht gelungen ist. Da steht auf einmal eine dicke schwarze Frau auf der Bühne und tritt mit einer Selbstverständlichkeit auf, die im Popgeschäft selten war. Sie trägt knappe Outfits, feiert ihren Körper und definiert so neue Schönheitsideale. Auch mit sehr persönlichen Themen geht Lizzo offen um. In einem Podcast sagte sie kürzlich, sie sei bis Anfang 30 Jungfrau gewesen.

Jungfrau bis Anfang 30

Selbstliebe war auch Lizzo nicht in die Wiege gelegt. Sie sei immer die „fette lustige Freundin“ gewesen. Als eine schöne Frau habe sie sich lange nicht gesehen. Eine Ode daran ist ihr Lied „My Skin“ von 2015. Die Reaktion auf das Lied habe ihr gezeigt, dass ihre Musik etwas bewirken könne. Deshalb habe sie sich entschieden, „nützliche“ Musik zu machen, wie sie es nennt. Das kommt an: Für viele Fans wird Lizzo zum Sinnbild von Selbstliebe, Authentizität und Empowerment.

Anschuldigungen, die die Marke Lizzo beschädigen

Im Jahr 2023 bekommt dieses Bild einen nachhaltigen Knick. Drei ihrer früheren Tänzerinnen treten mit schweren Vorwürfen gegen den Popstar in die Öffentlichkeit. Der angehimmelten Popikone werden sexuelle Belästigung, Diskriminierung und ein toxisches Arbeitsumfeld vorgeworfen. Die Künstlerin, die sich immer als Vertreterin der „Realness“ gab, sieht sich plötzlich dem Vorwurf der Heuchelei ausgesetzt. Zahlreiche Fans zweifeln nun daran, wie authentisch die Künstlerin, die sich immer für die eigene „Realness“ gefeiert hat, tatsächlich war.

Lizzos Image hat in der Zeit massiven Schaden genommen. In der Folge wurde es deutlich stiller um die Musikerin, die wenige Jahre zuvor noch einen bilderbuchartigen Aufstieg gefeiert hatte.

Neues Album „Bitch“

Das Album „Bitch“ ist also auch eine Art Comeback für die heute 38-Jährige. Man ist versucht, es als Abrechnung zu verstehen, wenn sie zu Beginn des Albums einen „Toast an diejenigen, die mich verletzt haben“ ausspricht. Wie für jedes Album habe sie auch für dieses eine „Muse“ gehabt, sagte Lizzo. Dieses Mal sei es die Ausnahmekünstlerin Tina Turner gewesen. Das wird besonders in „Don't make me love you“ deutlich, das in hörbarer Tradition des Hits „The Best“ von Turner steht.

Auch sonst finden sich auf dem Album allerhand Klänge, die 80er, 90er und 2000er Pop aufgreifen. In „Bitch“ etwa verschmelzen Missy Elliot und der feministische 90er-Jahre-Hit von Meredith Brooks. „That Grrrl“ ist eine Neugeburt des Synth-Pop-Klassikers der britischen Band „The Human League“ aus den 80ern. Das weckt allerhand nostalgische Gefühle und verspricht, ein dankbares Publikum zu finden.

© dpa-infocom, dpa:260605-930-176142/1


Von dpa
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