FLZ-Auszeichnung: Oliver Pockberger ist Ehrenamtlicher des Monats April | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.05.2026 20:38

FLZ-Auszeichnung: Oliver Pockberger ist Ehrenamtlicher des Monats April

Ob in dunkelblauer THW-Jacke oder im Einsatzfahrzeug des Bayerischen Roten Kreuzes: Helfen ist Oliver Pockbergers Leidenschaft. (Foto: Antonia Müller)
Ob in dunkelblauer THW-Jacke oder im Einsatzfahrzeug des Bayerischen Roten Kreuzes: Helfen ist Oliver Pockbergers Leidenschaft. (Foto: Antonia Müller)
Ob in dunkelblauer THW-Jacke oder im Einsatzfahrzeug des Bayerischen Roten Kreuzes: Helfen ist Oliver Pockbergers Leidenschaft. (Foto: Antonia Müller)

Katastrophen sind voll sein Ding. Bevor es jemand falsch versteht: Oliver Pockberger ist kein Schaulustiger. Er geht mitten rein in schwierige Situationen, um zu helfen. Für sein Engagement hat die Jury ihn im April mit dem FLZ-Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

Auf die linke Wade ist in schwarzer Farbe und Grautönen ein Wagen mit großem Dach skizziert. Auf der rechten Wade prangt eine Weltkugel mit einem großen schwarzen Sandsack. Darauf ein Zahnrad und die Buchstaben TH und W. Es sind Tattoos von der Feldküche und das Zeichen für Hochwasserschutz und Dammverteidigung des Technischen Hilfswerkes. Oliver Pockberger und das Ehrenamt – das ist nicht nur auf der Oberfläche sichtbar. Es ist untrennbar mit ihm verwachsen. Für ihn steht fest: „Ein Leben ohne Ehrenamt kann ich mir nicht vorstellen.”

Durch Ferienprogramm dazugekommen

Mit den Einsatzfahrzeugen der Ansbacher Feuerwehr rückte Pockberger über Jahre immer wieder zu Unfällen und Bränden im Stadtgebiet und drumherum aus. Schon seit 1996 ist er beim Technischen Hilfswerk (THW). In den blauen Kosmos eingetaucht ist Pockberger erstmals bei einem Ferienprogramm der Stadt Ansbach, erinnert er sich. Er nahm am Jugendprogramm teil und absolvierte später die Grundausbildung. Dazu kamen etliche Weiterbildungen. Pockberger ist dem THW noch immer treu.

Bei großen Einsätzen ist er für die Versorgung zuständig. Als Koch kümmert er sich darum, dass alle gut gestärkt sind für die Arbeit. Mit gutem Essen kann man die Leute motivieren, weiß Pockberger: „Ohne Mampf kein Kampf.” Dabei gehörte die Küche längst nicht immer zu seinen Leidenschaften. Eigentlich war das früher eher Pflichtprogramm, erzählt er mit Blick auf seine Kindheit und Jugend. Zu der Fortbildung kam er nur durch Zufall. Ein anderer hatte abgesagt, Pockberger sprang ein.

Bei Hochwasserkatastrophen ist der 39-Jährige ausgebildeter Ansprechpartner für Kommunen und Einsatzkräfte. Wenn Straßen und Häuser überflutet sind oder Deiche zu brechen drohen, berät er sie vor Ort. Bei der Weiterbildung lernte Pockberger einen seiner besten Freunde kennen. Seit Jahren halten sie Kontakt, laden einander auf Familienfeiern ein – oder fachsimpeln über ihr gemeinsames THW-Hobby.

Nach dem Umzug Suche nach neuem Hobby

Der 39-Jährige lebt heute mit seiner Frau und vier Kindern in Weidenbach. Mit seinem Umzug von Ansbach in die Marktgemeinde vor 13 Jahren ließ er die Feuerwehr hinter sich. „Dann habe ich nach einem neuen Hobby gesucht.” Die Sanitätsausbildung hatte er beim THW schon gemacht. Das Rote Kreuz lag also nah. Zunächst war er Akku-, dann auch Fahrzeugbeauftragter, erzählt er heute lachend. Zwei Wahlperioden war er stellvertretender Bereitschaftsleiter und rückte dann im April 2025 an die Spitze vor.

Er ist auch in der Schnelleinsatzgruppe Transport, die bei Großschadenslagen unterstützt. Essen ist auch beim BRK ein Thema: Pockberger ist Teil der Versorgungseinheit des Landkreises, die Einsatzkräfte zum Beispiel bei Waldbränden mit Speisen und Getränken versorgt. Jahrelang prägte er den Bereich als Fachdienstleiter.

Inzwischen gibt er dieses Wissen als Ausbilder an die nächste Generation weiter. Neben all den Zusatzaufgaben gehören auch Sanitätsdienste dazu. Pockberger ist bei Festivals oder Großveranstaltungen wie dem Triesdorfer Johannitag mit seinem Team vor Ort.

Helfer-Gen liegt wohl in der Familie

Ein Foto zeigt Pockberger, seine Frau Julia sowie zwei der Kinder im BRK-Dress. Der 39-Jährige grinst und blickt lange auf die Aufnahme. Die Familie ist ein Fixstern in seinem Leben. Seine Frau Julia hat der heute 39-Jährige – wie soll es auch anders sein – über das THW kennengelernt. Im Jahr 2000 trafen sie sich als Jugendliche bei einem Camp. Erst Jahre später kreuzten sich ihre Wege wieder. Im Juni 2013 heirateten sie. Julia Pockberger stammt aus einer echten THW-Familie und ist selbst beim BRK aktiv. Auch zwei der Kinder engagieren sich bei den Hilfsorganisationen.

Alles unter einen Hut zu bekommen, ist oft herausfordernd. Pockberger blickt seine Frau an. Sie managt den Familienalltag, hat die Termine im Blick, hält ihrem Mann den Rücken frei, wo immer es geht. Oliver Pockberger arbeitet als Mietparkdisponent in Burgoberbach. „Eigentlich bin ich hier am Standort der Chef”, sagt er. Vollzeitjob, mehrere Ehrenämter und Familie: Wie viele Stunden hat denn sein Tag? „Auch nur 24”, antwortet er lachend.

Von der Flutkatastrophe in die Kirchenbank

Bei manchen Terminen kann er nicht dabei sein. Und manchmal wird es ganz schön knapp. Pockberger erinnert sich zum Beispiel an die Konfirmation eines der Kinder. Er war gerade nach der schweren Flutkatastrophe im Ahrtal. Er unterstützte beim BRK und kochte später in der THW-Feldküche für die anderen Helfenden. Pünktlich zum Beichtgottesdienst traf er in der Heimat ein. Zum Umziehen blieb keine Zeit. Pockberger setzte sich in blauer THW-Uniform in die Kirchenbank. Als die letzten Gäste nach der Konfirmationsfeier gingen, packte auch der Vater seine sieben Sachen wieder und fuhr zurück zum Helfen.

Pockbergers Ehrenamt kennt keine Ländergrenzen. Das Ausland reizt den 39-Jährigen schon immer. Nach seiner Maurer-Lehre war er zwei Jahre lang in Irland. So schloss er sich auch der Seewa, der Auslandseinheit des THW, an. Dort kann er zum Beispiel als Koch, Sanitäter, Bauexperte oder Logistiker eingesetzt werden.

Dankbarkeit und Wertschätzung motivieren ihn

Im Jahr 2013 war er für einen Monat im Irak. Das THW hatte den Auftrag, den Bau eines Camps für Geflüchtete zu überwachen. Als gelernter Maurer hat Pockberger Ahnung vom Bau. Im Irak verfasste er Bauausschreibungen auf Englisch und war für die Markterkundung zuständig. „Die Landschaft war sehr schön”, erinnert er sich. Immer wieder musste er sich aber klar machen, wofür er da ist, um sich nicht zu sehr auf die Menschen vor Ort einzulassen. Man kann nicht allen helfen, ist nicht verantwortlich für jedes Schicksal, weiß Pockberger.

2018 war er in Bosnien-Herzegowina. Auch dort war die Aufgabe, ein Camp für Geflüchtete zu bauen. Allerdings war er da als Lagerist, Bauarbeiter und Koch im Einsatz. Weil er so breit aufgestellt ist, konnte er in allen Bereichen anpacken.

Pockberger schätzt die Kontakte, die er durch sein Engagement in Deutschland und anderen Ländern knüpfen kann. Ihn motiviert die Dankbarkeit und Wertschätzung der Menschen. „Ich kann etwas zurückgeben.“ Dieser Gedanke trägt ihn auch durch scheinbar endlose Nächte und kräftezehrende Wochen. Pockbergers Plan steht fest: „Ich werde so lange, wie es geht, in beiden Organisationen aktiv bleiben.”

Für sein Engagement wird Oliver Pockberger bei der Aktion „Mein Ehrenamt” mit dem Preis für den Monat April ausgezeichnet. Sie kennen auch eine Person aus der Region, deren ehrenamtliches Engagement einen Preis verdient hätte? Dann schlagen Sie sie über unser Bewerbungsformular vor. Hier finden Sie alles zur Aktion.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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