Mit feinem Humor, gelassener Noblesse und stets wachem Bewusstsein für seine Mitmenschen: Der Ansbacher Ingo Hayduk hat die Stadtgesellschaft entscheidend mitgeprägt. Am Sonntag verstarb der frühere langjährige Stadtrat mit 85 Jahren. Nicht nur in der Politik hatte der ehemalige Präsident des Landgerichts Wegmarken gesetzt.
In Ansbach herrscht Trauer um Ingo Hayduk. Zur Welt kam er am 24. Mai 1940 noch in Gleiwitz in Oberschlesien. Nach der Flucht Richtung Westen wurde er als Kind mit seiner Familie zunächst in Arberg (damals Landkreis Feuchtwangen) heimisch. Sein Vater war Oberlehrer. 1951 wechselte der junge Ingo Hayduk ans Gymnasium Carolinum nach Ansbach und zog ins Protestantische Alumneum.
Nach einem Jahr war die Familie wieder vereint, denn der Vater war an die Regierung von Mittelfranken versetzt worden. Ingo Hayduks Abitur folgte das Jurastudium in Würzburg. Nach erstem Staatsexamen, Referendariat und zweitem Examen begann er 1970 als Staatsanwalt und Richter bei der Justiz Ansbach.
Von 1987 bis 1991 war er am Oberlandesgericht Nürnberg tätig. Anschließend wurde er Direktor des Amtsgerichts Ansbach mit den Zweigstellen Dinkelsbühl und Rothenburg. Von 1997 bis 2005 vollendete er seine juristische Laufbahn als Präsident des Landgerichts Ansbach.
Nicht allein im Beruf galt sein Leitspruch: „Mein Bestreben war immer, dass man miteinander reden kann, auch in schwierigen Situationen.“ Er wollte die Menschen als Menschen behandeln. Früher SPD-Mitglied, kandidierte er 2002 als Parteiloser auf der CSU-Stadtratsliste. Als er das Mandat erhalten hatte, trat er der Partei bei. 2020 verließ er den Stadtrat.
Ingo Hayduk war von früh an ein Mann des Sports. Er lief Ski, spielte Basketball, Fußball, Handball, Volleyball und Tennis, später Golf. Im Verein ehemaliger Schüler und Freunde des Gymnasium Carolinum (VEG) war er Gründer und Leiter der Sportabteilung. Im TSV 1860 Ansbach wirkte er als Spieler, Trainer und Vizepräsident, Präsident und Ehrenpräsident.
Von 1978 an saß er 40 Jahre dem Stadtverband für Sport vor, dessen Ehrenvorsitzender er ebenfalls wurde. Ab 1983 engagierte er sich als Trainer der TSV-Basketballspieler in der zweiten Bundesliga. Die Musik nahm in Ingo Hayduks Leben gleichermaßen eine wichtige Rolle ein. Er spielte Cello, Gitarre, Klavier, Flöte und Mundharmonika. Ehefrau Christel und seine Familie waren ihm ein bedeutender Ankerpunkt.
Im Ehrenamt war Ingo Hayduk auch in vielen weiteren Funktionen stets im Einsatz für andere Menschen: zum Beispiel als Lehrbeauftragter an der Hochschule Ansbach, im Rotary Club Ansbach oder als Vorsitzender der Senioren-Union im Kreisverband Ansbach Stadt. Noch Mitte Dezember bekam er das Ansbacher Stadtsiegel von 1532 verliehen.
Die Stadt „verliert mit Ingo Hayduk eine große Persönlichkeit, die unschätzbar viel für unsere Stadtgesellschaft geleistet hat”, würdigt Oberbürgermeister Thomas Deffner den Verstorbenen. Als TSV-Präsident und Vorsitzender des Stadtverbands für Sport sowie als deren Ehrenpräsident und Ehrenvorsitzender sei er mit seiner großen Integrationskraft der Mann gewesen, der für den Ansbacher Sport gestanden habe.
Aber auch als Stadtrat habe er viele Themen und Projekte mit seiner sachlichen und überlegten Art vorangebracht. „Persönlich verliere ich einen Freund und politischen Wegbegleiter, der mich stets bestens unterstützt und beraten hat”, betont das Stadtoberhaupt. „Sein unerwartetes Ableben hat mich tief getroffen.”