Florian Zoll, „ein Taubertaler der ersten Stunde, und Florian Vogel, „der Umwelt-Flo“, waren in diesem Jahr als Referenten beim kulturhistorischen Symposium zu Musik, Recht und Geschichte im Mittelalterlichen Kriminalmuseum zu Gast. Passend zum Thema der dritten Auflage der Veranstaltung „Sounds & Nature“ beschrieben sie die großen Herausforderungen im Umwelt-Gebiet Taubertal. Um das Jahr 2000 habe man beschlossen, sich intensiv um das Thema Umwelt beimTaubertal-Festival zu kümmern.
Beide seien mit der kritischen Betrachtung konfrontiert worden, dass ein Festival eigentlich nur dann umweltfreundlich sein könne, wenn man es nicht veranstaltet. „Aber Festivals schaffen gerade für junge Menschen Freiräume, die es so immer weniger gibt“, sagt Florian Vogel.
Der studierte Forstwissenschaftler ist seit 2005 beim Festival dabei und konnte als Umweltbeauftragter für das Taubertal-Festival viel Berufserfahrung einbringen. „Wir leben in einer Kulturlandschaft und nicht mehr im Ur-Taubertal“, so der Umweltexperte. Das große Kapital der Festival-Veranstalter sei „die Natur außenrum“. So ein Erlebnis könne man zum Beispiel auf einem Flughafengelände unmöglich erreichen. „Wir bringen den Menschen bei, wie man besser mit der Umwelt umgehen kann.“
Die Leute sammeln ihren Müll von alleine ein.
Aus dem Publikum kamen durchaus kritische Fragen zu dem Thema: „Hinterlassen die Teilnehmer in diesem Jahr tatsächlich weniger Müll?“ Oder: „Lassen sich die Besucher des Festivals wirklich so beeinflussen, dass sie sich umweltbewusster verhalten?“
Die klaren Antworten Vogels mögen manche kritischen Gäste überrascht haben: „Ja, die meisten Festival-Besucher nehmen die Regeln zum Thema Umweltschutz an. Es ist in den beiden letzten Jahren deutlich besser geworden. Es funktioniert tatsächlich – die Leute sammeln ihren Müll von alleine ein.“ Zahlenmäßig könne das Taubertal-Festival jedenfalls nicht mehr wachsen. „Wir wollen auch nicht wachsen, aber wir können noch besser werden.“
Neben Zoll und Vogel waren weitere Experten verschiedenster Disziplinen zu Gast und widmeten sich bei dem Symposium der Symbiose von Musik und Natur in Geschichte und Gegenwart. Schon in seiner Begrüßung bezeichnete Dr. Markus Hirte, der Leiter des Kriminalmuseums, die Musik als „Medium, um die natürliche Mitwelt zu erschließen“.
Natur und Musik seien schon seit langem verbunden. Viele Berührungspunkte zwischen musikalischen Großveranstaltungen und Naturschutz seien zu bedenken: Der Umgang mit natürlichen Ressourcen, der Energieverbrauch, die Klanginstallationen in natürlicher Umgebung sowie Fragen urheberrechtlicher Natur, zum Beispiel Film- und Tonaufnahmen.
Auch Anja Bergermann vom Kriminalmuseum bezog sich auf das Taubertal-Festival: „Die Bands, die Songs und die Umwelt.“ Umweltschutz und Nachhaltigkeit würden von vielen Bands bewusst beachtet, sagte sie. Zum Beispiel würden sich die deutsche Sängerin, Rapperin und Schauspielerin Nina Chuba und die Gruppe Coldplay für „klimafreundliche Konzerte“ einsetzen.
Die vierköpfige Band Bukahara stelle sich klar auf die Seite der Klimaaktivisten, die amerikanische Punk- und Hardcore-Band Rise Against sei für ihr politisches Engagement bekannt. Viele Lieder hätten weltanschauliche Themen als Inhalt. Insbesondere Tierrechte seien der Band wichtig, weshalb sie bekannte Tierschutzorganisationen aktiv unterstützten.
Anja Bergermann spielte als ein Beispiel den Songtext „Die Welt ist fertig“ der Hamburger Hip-Hop- und Elektropunk-Formation Deichkind ein. „Das sind keine Klimaaktivisten-Soaps, sondern schonungslose Tatsachen über unseren Umgang mit der Natur“, stellte sie fest.
Auf eine musikalische Zeitreise in die Vergangenheit lud Professor Dr. Thomas Potthast von der Universität Tübingen die Zuhörerinnen und Zuhörer ein: „Vom Wandervogel zum Klima-Rap – Musik, Natur und Ethik der Mitwelt.“ Politische Chormusik sei mit dem Naturschutz und mit der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft seit jeher eng verbunden. Als Beispiel nannte er das Werk von Hans Eisler, der von 1898 bis 1962 lebte. Dessen „Kampfmusikperiode“ habe mit den „Vier Stücken für gemischten Chor op. 13“ aus dem Jahr 1928 begonnen.
Diese Stücke seien parodistisch mit den Themen Religion, Natur und Liebe umgegangen. Als weiteres Beispiel beschrieb er die Gruppe Lebenslaute, die klassische Musik mit politischer Aktion verbindet. Die Musikerinnen und Musiker spielen an Orten, wo dies nicht erwartet wird – auf Abschiebeflughäfen, vor Atomfabriken oder in Ausländerbehörden.
Professor Dr. Hans Kudlich von der Universität Erlangen-Nürnberg blieb beim Thema Umwelt, schwenkte allerdings in den Automobilbereich. „Bastler oder Umweltsünder? Der strafrechtliche Schutz der Umwelt bei der Restauration von alten Fahrzeugen“ war sein Thema.
Und Professor Dr. Brian Valerius von der Universität Passau rundete das Symposium mit Informationen rund um das aktuelle Thema „Klimakleber“ ab, wobei er auf die Strafbarkeit von Aktionen zum Schutz der Umwelt einging.