Blutiges Handwerk: Ein Tag im Leben eines Scharfrichters | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.10.2024 09:00

Blutiges Handwerk: Ein Tag im Leben eines Scharfrichters

Der Strafrechtshistoriker und Leiter des Kriminalmuseums, Dr. Markus Hirte, hält ein Richtschwert in seinen Händen. Er wirkt in der neuen Terra X-Sendung über den Scharfrichter Frantz Schmidt mit. (Foto: ZDF/Vivien Schwarzenberg)
Der Strafrechtshistoriker und Leiter des Kriminalmuseums, Dr. Markus Hirte, hält ein Richtschwert in seinen Händen. Er wirkt in der neuen Terra X-Sendung über den Scharfrichter Frantz Schmidt mit. (Foto: ZDF/Vivien Schwarzenberg)
Der Strafrechtshistoriker und Leiter des Kriminalmuseums, Dr. Markus Hirte, hält ein Richtschwert in seinen Händen. Er wirkt in der neuen Terra X-Sendung über den Scharfrichter Frantz Schmidt mit. (Foto: ZDF/Vivien Schwarzenberg)

Ein Tag in Nürnberg 1593 – betrachtet durch die Augen eines Scharfrichters. Wenn am Sonntag diese Folge der TV-Dokumentationsreihe Terra X ausgestrahlt wird, dann ist das Mittelalterliche Kriminalmuseum mit dabei.

Dr. Markus Hirte, Geschäftsführender Direktor des Museums, spricht von einem wahren Glücksfall und vom „wohl größten Highlight der letzten Jahre“ – nach der ZDF-History-Doku im Jahr 2020 zum Thema „Strafe muss sein – Wofür wir wie büßen müssen“, bei der er und das Museum ebenfalls mitwirken durften. Die brandneue Folge über den Scharfrichter Meister Frantz Schmidt wird an diesem Sonntag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr im ZDF zur Prime-Time ausgestrahlt.

Immer wieder als Berater tätig

„Wir durften über zwei Jahre die Vorbereitung und den Dreh von strafrechtshistorischer Seite aus begleiten und haben auch viele Interview-Szenen bekommen“, freut sich Hirte. „Hier unser schönes Rothenburg unterzubekommen mit Namensnennung der Stadt“, sei nicht selbstverständlich. Denn die Folge spielt eigentlich in Nürnberg.

„Wir freuen uns sehr, dass wir über unsere jahrelange Unterstützung der Redaktionen, Regisseure und Multiplikatoren vieler öffentlicher und privater Sender immer wieder auch als Berater und Interview-Partner angefragt werden.“ So sei es auch diesmal gewesen, erzählt der Strafrechtshistoriker.

Es folgte ein erstes telefonisches Interview, dann die Bitte, einen Blick auf das Drehbuch zu werfen. Was Hirte an dieser Doku begeistert, ist, dass bei diesem Format historische Persönlichkeiten im Mittelpunkt stehen, die belegt sind. Auch werde mit der Vorstellung aufgeräumt, dass Henker immer verhüllt ihrer Aufgabe nachgekommen sind. Vor etwa genau einem Jahr sei dann bis tief in die Nacht im Museum gedreht worden. „Pro Sendeminute etwa ein bis drei Stunden Drehzeit“, erinnert sich Hirte und lacht. Es seien später noch Korrekturen vorgenommen und O-Töne nachgeschliffen worden.

Es habe sehr intensive Recherchen zu den biografischen Aspekten des Scharfrichters gegeben, berichtet Hirte. Erleichtert worden sei dies, weil Frantz Schmidt (etwa 1554 bis 1634) ein ausführliches Tagebuch hinterlassen hatte. Der Museumsleiter trägt unter anderem mit sachkundigen Aussagen zu Folterinstrumenten und deren Verwendung bei. Solche hätten der Wahrheitsfindung gedient. Auch erklärt Hirte die Handhabung des Richtschwerts.

Als Scharfrichter von Nürnberg gehörte Schmidt laut Mitteilung des Senders zu den Topverdienern der Stadt. Gesellschaftlich aber waren er und seine Familie geächtet, denn sein Beruf galt als unehrlich – ein Status, der damals über die Generationen weitergegeben wurde. 45 Jahre lang kämpfte Frantz Schmidt gegen diesen Makel an. In seinem Tagebuch dokumentierte er nicht nur sein blutiges Handwerk, sondern auch, wie er gedacht hat und was er versucht hat, um sich aus seiner Lage zu befreien. Auf der Grundlage des Tagebuchs rekonstruiert die Fernsehdokumentation den Tag im Leben von Frantz Schmidt, an dem sich alles für ihn entschieden hat.

Für das Kriminalmuseum sei es wichtig, sich bei solchen Produktionen gut zu präsentieren. Denn als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts seien dem Museum die Töpfe der Kommunen und Länder verwehrt. „Wir müssen uns selbst tragen“, erläutert Hirte. Zum Erreichen der erforderlichen Gästezahlen sei überregionale Aufmerksamkeit unabdingbar. Nach einer solchen Sendung stiegen die Besuchszahlen natürlich nicht sprunghaft an. Aber eine kontinuierliche Zunahme sei schon zu verzeichnen, verrät Hirte. So sei es auch schon vorgekommen, dass aufgrund eines YouTube-Beitrags Schülerinnen und Schüler über Klassenausflüge ins Museum gekommen sind.


Von Gerhard Krämer
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