Ausflug in die Geschichte von Rothenburgs alten Mühlen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.02.2024 12:00

Ausflug in die Geschichte von Rothenburgs alten Mühlen

Blick auf das Mühlrad der Langenmühle in Detwang – diese kann man auch auf dem Mühlenweg rund um die Stadt erkunden. (Foto: Irmeli Pohl)
Blick auf das Mühlrad der Langenmühle in Detwang – diese kann man auch auf dem Mühlenweg rund um die Stadt erkunden. (Foto: Irmeli Pohl)
Blick auf das Mühlrad der Langenmühle in Detwang – diese kann man auch auf dem Mühlenweg rund um die Stadt erkunden. (Foto: Irmeli Pohl)

„In Rothenburg uff der Tauber ist das Mühlen- und Bekkenwerk noch sauber.“ Diese alte Spruch zeugt von der wichtigen historischen Rolle der Mühlen. Gewürdigt wird diese in der Ausstellung „Mühlenerlebnis Mittelfranken“, die am Freitag, 16. Februar, um 18 Uhr, in der Johanniterscheune des Kriminalmuseums eröffnet wird.

Die Schau läuft im Rahmen eines Kooperationsprojektes der Lokalen Aktionsgruppen (LAG) Romantische Straße, Aischgrund und Region Landkreis Fürth. Finanziert wurde die Schau mit europäischen Fördergeldern, mit bayerischen Landesmitteln und Eigenmitteln der Aktionsgruppen.

Nach der Eröffnung bleibt die Ausstellung bis Sonntag, 24. März, zu den Öffnungszeiten des Kriminalmuseums, also täglich von 13 bis 16 Uhr, zugänglich. Letzter Einlass ist jeweils gegen 15.15 Uhr. Der Ausstellungsbesuch ist kostenlos.

An Tauber, Wörnitz, Sulzach und Altmühl

Was kann man in der Ausstellung erleben? Das Projekt widme sich der abwechslungsreichen Geschichte der Mühlen und gehe dabei auch auf die Frage ein, was nun aus den historischen Gebäuden geworden ist, teilten die Macher mit. Zudem würden die wirtschaftliche Bedeutung der Anlagen und das traditionsreiche Müllerhandwerk hervorgehoben, wurde berichtet. Ferner informiere die Ausstellung über die unterschiedlichen Mühlentechniken, die früher verwendet wurden.

Mit dem Mühlensterben um das 19. Jahrhundert herum starb auch der Beruf des Müllers immer mehr aus. Die Ausstellung setze sich damit auseinander, wie der Müllerberuf früher aussah, hieß es.

Präsentiert werden Mühlen in der Umgebung und entlang der Tauber sowie Standorte an Wörnitz, Sulzach und Altmühl. Insgesamt sechs Ausstellungstürme sind es, an denen sich die Besuchenden informieren können – samt „zahlreicher, teilweise historischer Aufnahmen von verbliebenen oder mittlerweile verschwundenen Mühlen der Region“.

Wer sich noch etwas von der Ausstellung mit nach Hause nehmen möchte, kann dies tun: Es steht eine 80-seitige Begleitbroschüre kostenfrei zur Verfügung. Darin sind die in der Ausstellung behandelten Themen aufgegriffen. Zusätzlich gibt es ein didaktisches Konzept, das digital erhältlich ist. Dieses beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Inhalten: Unter anderem die Bereiche Geschichte, Ernährung, Naturwissenschaften, Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung werden darin abgedeckt.

Weitere Orte in Planung

Die fächerverbindenden Themen können so im Projektunterricht für alle Schularten erlebnisorientiert vermittelt werden, wurde berichtet. Die Ausstellung wird weiterziehen, weitere Stationen dafür seien aktuell in Planung, hieß es. Informationen sind unter der Adresse gemeinsam.bayern/muehlenerlebnismittelfranken zu finden. Wer die Wanderausstellung buchen möchte, kann sich unter lag@gemeinsam.bayern oder telefonisch unter der Nummer 09868/ 9597591 melden.

Über die Bedeutung der Mühlen in Stadt und Umland weiß Lothar Schmidt, Vorsitzender des Vereins Taubermühlenweg, sehr viel. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Die Stadt sei im Mittelalter bekannt gewesen für ihre „Mühlen-ornung“, so Schmidt. In dieser waren damals die Regularien des Mühlhandwerks festgelegt. Andere Städte kopierten die Vorgaben.

Das Bild der Stadt prägten zu dieser Zeit viele unterschiedliche Mühlen, nicht nur die bekannte Getreidemühle, so Schmidt. Schmelzmühlen, Pulvermühlen oder Lohmühlen – sie alle wurden für unterschiedliche Zwecke gebraucht. Gerberinnen und Gerber seien beispielsweise auf die Lohmühlen angewiesen gewesen, erklärt der Mühlenexperte. Diese wurden von Rindern angetrieben – sie pressten Eichenrinde aus. Das Restmaterial wurde weitergenutzt.

Anlagen ernährten viele Menschen

Die Mühlenbetreiber hatten vor allem im Mittelalter eine Sonderstellung, denn „eine Mühle ernährte viele Menschen“, weiß Schmidt. Gleichzeitig seien sie aber von den anderen auch kritisch beäugt worden. Da die Mühlen oftmals außerhalb der Stadtmauern, am Anfang oder am Ende eines Ortes lagen, herrschte ein gewisses Misstrauen von Seiten der Gesellschaft – vor allem bezüglich des gelieferten Mehls. „Da wurde den Müllern auch vorgeworfen, dass sie Getreide abzweigen. Das hat sich aber oftmals nicht bewahrheitet“, so Lothar Schmidt.

Heutzutage würden Mühlen vorrangig noch zur Stromerzeugung durch Wasserkraft benötigt, berichtete er weiter. Im Zuge der Technisierung hätten aber viele Mühlen ihren Zweck verloren.


Irmeli Pohl
Irmeli Pohl
Volontärin
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