„Auf den Tag genau vor 500 Jahren – am 21. März 1525 – haben sich die Bauern in Ohrenbach gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Leibeigenschaft erhoben. Es gibt eigentlich keinen denkwürdigeren Anlass, um sich an die Ereignisse von damals zu erinnern. Ohrenbach ist ein geschichtsträchtiger Ort, zu dem man Sie nur beglückwünschen kann.“
Das sagte Dr. Karl-Heinz Schneider in Ohrenbach. Gemeinsam mit Professor Dr. Markus Hirte hatte er zu einem Vortragsabend eingeladen. Das Thema: Ohrenbach und der Bauernkrieg. Im Rahmen des Vortrags wollten sich der ehemalige Direktor des Kriminalmuseums Rothenburg, Kunsthistoriker und Jurist Schneider, und sein Nachfolger, Jurist und Rechtshistoriker Hirte, vor allem mit der Rolle des politischen Rädelsführers Stefan von Menzingen beschäftigen. In Ohrenbach sagte Schneider, dass die bisherige Forschung zum Thema Bauernkrieg „noch längst nicht abgeschlossen“ sei.
So sei zum Beispiel die Frage erlaubt, ob es sich um einen geplanten Staatsstreich oder ein eruptives Geschehen gehandelt habe.
Auf jeden Fall habe es vor dem 21. März 1525 bereits ein „Wetterleuchten“ gegeben. Stadt- und Landbewohner hätten sich in geheimen Zusammenkünften getroffen, um unter anderen über die Abgaben zu diskutieren, die bis zu 60 Prozent ihrer Einkünfte ausgemacht hätten. „Stillschweigend und unter strenger Geheimhaltung gab es vor dem Krieg bereits deutliche Hinweise auf eine radikale Erhebung“, so Schneider.
In Staatsarchiv in Nürnberg werde ein Konvolut von 800 Seiten Bauernkriegsakten aufbewahrt. Aus ihnen gehe hervor, dass es schon Wochen vor dem 21. März 1525 Querverbindungen zwischen der aufrührerischen Stadtgemeinde und der Landbevölkerung gegeben haben muss. „Ohrenbach war ein großes Dorf, das wehrhafte Männer mit Trommeln und Pfeifen nach Rothenburg sandte, wo sich die Brettheimer dazugesellten.“ Dort seien sie auf einen „wenig glücklich“ handelnden Rat der Stadt gestoßen.
Trommler und Pfeifer seien nicht dabei gewesen, um auf dem Weg in die Stadt für Abwechslung zu sorgen. Pauken, Trommeln und Pfeifen seien vielmehr die Zeichen der Söldnerhaufen gewesen, wenn sie in den Krieg zogen. „Das war also eine ernstzunehmende Machtdemonstration der Bauern, um religiöse und wirtschaftliche Ziele durchzusetzen.“ Der Aufstand der Bauern sei allerdings blutig gescheitert.
Dr. Schneider leitete dann über zu Dr. Hirte. Der berichtete vom Ende des Aufstandes in Rothenburg am Beispiel des Stefan von Menzingen. Dieser sei ein politischer Rädelsführer gewesen, der, so sei aus Folter- und Vernehmungsprotokollen ersichtlich, eine zentrale Rolle gespielt habe. „Eine sehr umstrittene und undurchsichtige Person“, die auf Schloss Reinsbürg zwischen Wettringen und Brettheim, residiert habe. Durch die Heirat mit Margaretha Prell, die ihm „den Kopf verdrehte“, sei er Rothenburger Bürger geworden.
Das sei für ihn aber kein Grund gewesen, sich nicht auch „weiteren Damen anzunähern“, so Hirte. Sein respektloses Auftreten ließen sich die Brettheimer eines Tages nicht mehr gefallen und vertrieben ihn. Am 18. Juni 1525 habe die Rothenburger Stadtwache Stefan von Menzingen gestellt und inhaftiert. Markgraf Kasimir von Ansbach sei wohl geneigt gewesen, ihn wieder auf freien Fuß zu lassen.
Doch die Anklagen waren zu schwerwiegend: Diebstahl, Frauenraub, Sodomie und weitere teils sehr pikante Vorwürfe. Stefan von Menzingen habe alle Vorwürfe bestritten. Die Folter mit dem „Trockenen Zug“, eine der härtesten aller Foltermethoden, blieb ihm nicht erspart.
Am 29. Juni 1525 seien die beiden Ortschaften Brettheim und Ohrenbach niedergebrannt worden. Am 30. Juni habe das Blutgericht in Rothenburg stattgefunden, bei dem 18 Männer enthauptet worden seien. Am 1. Juli 1525 seien die Rothenburger Augenzeugen geworden, wie insgesamt 15 Aufrührer auf Befehl von Markgraf Kasimir durch den Henker geköpft wurden, darunter auch Johannes Teuschlein und Stefan von Menzingen.
Die Ehefrau des Stefan von Menzingen habe wohl Kasimir noch gebeten, gegen eine Zahlung von 2000 Gulden ihren Gatten zu verschonen. Doch der Rat der Stadt habe nicht nachgegeben und auf die Hinrichtung bestanden. „So fand der Bauernaufstand in der Tauberstadt ein blutiges Ende.“
Stefan von Menzingen habe in einem besonderen Treue- und Dienstverhältnis zu Markgraf Kasimir von Ansbach gestanden. Die Untersuchung des Briefwechsels zwischen den beiden Männern könne wohl noch manche Details ans Tageslicht bringen, „was zwischen den beiden gelaufen ist. Es gibt noch Material ohne Ende.“ Hirte fragte am Ende seines spannenden Vortrages: „Was können wir aus dem Bauernkrieg lernen?“ Seine Antwort lautete: „Gewalt ist immer das Letzte.“
Ohrenbachs Bürgermeister Johannes Hellenschmidt und der Vorsitzende des Schwarzen Schar Ohrenbach, Andreas Geuder, bedankten sich für den Besuch der beiden Forscher und Wissenschaftler in dem Dorf, wo vor fast genau 500 Jahren die Bauern ihren Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit begonnen haben.