Der Rothenburger Lothar Schmidt hat rund 70 Besucherinnen und Besucher im Ohrenbacher Gemeindehaus zu einer Zeitreise durch das Bauernkriegsjahr 1525 unter dem Titel „Wucht – Wut – Verzweiflung“ mitgenommen.
Er zitierte die Inschrift des Bauernkriegsdenkmales in Würzburg: „Im Mai 1525 scheiterte unter großen Verlusten der Sturm auf die Festung Marienburg. Dieser Fehlschlag leitete die vernichtenden Niederlagen der Bauernhaufen in den folgenden Wochen ein. In blutigen Strafgerichten nahmen die Landesfürsten Rache an den Bauern und unterdrückten deren in 12 Artikeln zusammengefassten Forderungen nach persönlicher Freiheit und Mäßigung bei den herrschaftlichen Steuer- und Fronforderungen.“
Mit dem Brudereid vom 5. April 1525, der „Schäftersheimer Verbrüderung“, hätten sich die Haufen aus Brettheim, Grünsfeld, Lauda, Weikersheim, Markelsheim, Mergentheimer Umland, Bütthard bis Markt Bibart geschworen: „Ich soll und will, indem ich in die Versammlung der Bauernschaft mich begeben habe, weder geistlichen noch weltlichen Fürsten, Zoll, Zins, Steuer oder Zehnten geben bis zur Austrag und End dieser Sache und einen Gott, einen Herrn haben, das helfe mir Gott und das heilige Evangelium. Im Namen des Allmächtigen.“
Im mittelalterlichen Feudalsystem der Landwirtschaft hätten viele Grundherren ihr Geld bei den untergebenen Bauern verdient. Die seien nämlich in der Regel keine Eigentümer gewesen und hätten dafür Abgaben und Arbeitsdienste leisten müssen.
Am 6. und 7. März 1525 seien die „12 Memminger Artikel“ gegen Machtmissbrauch und Willkür formuliert worden. Diese Artikel hätten die Rückkehr zu einer „gerechten Ordnung im Geiste des Evangeliums“ gefordert. Die selbstbestimmte Pfarrerwahl gehörte ebenso dazu wie die Forderung wortwörtlicher Predigten aus der Schrift ohne eigene Interpretation. Die Leibeigenschaft wurde abgelehnt mit dem Hinweis auf Christus, der „uns alle mit seinem kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen.“
Zu den weiteren Forderungen zählten etwa die uralten Jagd- und Fischereirechte, die Holznutzung nach altem Gebrauchsrecht für den Eigenbedarf, die Abschaffung der willkürlich ausgeweiteten Frondienste, die Reduzierung der stark gestiegenen Abgaben, willkürliche Justiz und harte Erbschaftssteuern.
Die bei Melchior Ramminger in Augsburg mit einer Auflage von rund 20.000 gedruckten Exemplare hätten sich auch nach Franken wie ein Lauffeuer verbreitet. Dr. Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) habe uminterpretiert als Inspirationsquelle für die Bauernempörung in Schrift, Verhandlungen und Taten gedient.
Die brutale Tötung von Graf Ludwig von Helfenstein und seiner Begleiter durch aufständische Bauern am Ostermontag, dem 17. April 1525 („Bluttat von Weinsberg“) habe Luthers Schrift: „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ veranlasst.
Die Bauernschaft des Rothenburger Landgebietes und der Rothenburger Ausschuss hätten verhandelt und gestritten und sich wechselseitig die ‚Christlichkeit‘ abgesprochen. Botschaften seien hin- und hergeschickt worden. Diese Vorgänge hätten zur Einschaltung stärkerer Mächte geführt. Schon am 11. April 1525 seien kaiserliche Gesandte nach Rothenburg gekommen, um zwischen den immer mehr bedrohlich anwachsenden Bauernhaufen und Rothenburg zu vermitteln.
Rothenburg hätte immer wieder um militärische Unterstützung aus Nürnberg gebeten, um die Stadt vor einer drohenden Einnahme durch die Bauern zu schützen. Gemeinsam hätten zwar alle Beteiligten eine Verhandlungslösung bevorzugt und die Hoffnung auf eine Lösung gehegt, aber es sei anders gekommen.
Die Auseinandersetzungen hätten in Ohrenbach einen fulminanten Auftakt gefunden. Am 21. März hätten die Dorfmeister Simon Nüssel und Wendel Haim die Gemeinde versammelt und seien mit Georg Ickelsamer nach Rothenburg zu Hanns Conrats Haus gezogen, wo sich neben einigen namentlich genannten solidarischen Rothenburgern (Hans Kratzer, Lorenz Knobloch, Kilian der Tuchscherer, Albrecht der Metzger und anderen) auch Bauern aus Brettheim versammelt hätten.
Die Unruhe wurde Stadtrichter Georg Hörner gemeldet, der sie aufforderte, die Stadt zu verlassen, was sie unter höhnischen Reden und trotzig mit Trommeln und Pfeifen auch getan hätten.
Die Ohrenbacher hätten Abgesandte in andere Gemeinden gesandt, und schon am 22. März hätten sich gerüstete Männer aus 18 Gemeinden im Haus des Georg Diewolf getroffen, zwei Hauptleute gewählt und am 23. März zwei Boten nach Brettheim gesandt, wo schon rund 800 Männer bereit gewesen seien. Man habe ins Taubertal und in den Süden weitere Boten geschickt.
Derweil habe in der Rothenburger Ratstrinkstube eine Krisensitzung stattgefunden. Die Ansbacher seien schon auch schon alarmiert gewesen.
Am 23. März seien die Ohrenbacher gut bewaffnet und kriegserprobt nach Brettheim mit Verstärkung aus Hartershofen und Nordenberg gezogen. Von da ab seien Verhandlungen zwischen Rothenburg und dem Bauernheer gelaufen, Gesandte und Boten seien im Dauereinsatz gewesen.
Am 26. März sei es zur Plünderung von Reichardsroth gekommen. Die Schwarze Schar aus Ohrenbach habe sich von den Brettheimern getrennt und soll am 26. März im Schüpfer-Grund bei Königshofen aufgetaucht sein. Am 5. April 1525 habe die Brettheimer Schar Schäftersheim erreicht und sich mit anderen Rotten vereinigt.
Die Tauberhaufen hätten dann von hier aus ihre Verwüstungszüge gestartet. Am 24. April 1525 sei es in Ochsenfurt zur großen Vereinigung der Fränkischen Haufen gekommen. Um den 28. Mai herum habe es noch einmal ein Zusammentreffen der Ohrenbacher mit den Aischgründern bei Endsee gegeben. Zu einer Vereinigung der beiden Haufen sei es jedoch nicht mehr gekommen, weil geflohene Hauptleute aus Königshofen die Nachrichten vom Massaker verbreitet hätten.
Das habe dazu geführt, dass Resignation und Panik die endgültige Auflösung der Schwarzen Schar verursacht hätten. Die Bauern hätten militärisch nicht die geringste Chance gehabt. Am 2. Juni 1525 gab es beim Turmberg in Königshofen 6000 Tote. Kriegserfahrene Söldner hätten die Bauern brutal niedergemetzelt. Noch am 3. Juni hätten Boten in Rothenburg vergeblich um Hilfe gefleht. Am 4. Juni 1525 in Ingolstadt und Sulzbach habe es etwa 4000 Tote gegeben.
Am 7. Juni 1525 sei es zur Kapitulation des Bauernheeres in Würzburg gekommen. Das Strafgericht für die Verlierer sei in eine gezielte Hinrichtungswelle ausgeartet. Markgraf Kasimir aus Ansbach habe am 30. Juni und 1. Juli ein Exempel statuiert und die Rädelsführer, zu denen auch mehrere Ohrenbacher gehörten, enthaupten lassen. Blendungen, Verbannungen und Geldstrafen waren nicht minder grausam. „Die Hälfte aller Dörfer wurden abgebrannt. Zu ihnen gehörten auch Ohrenbach, Schweinsdorf und Brettheim.”