Die Friedenskirche in Ansbach wird zum Spielort | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.04.2025 08:00

Die Friedenskirche in Ansbach wird zum Spielort

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Christina Wachendorff und der Regisseur Robert Arnold am Spielort in der Ansbacher Friedenskirche: Das Stück „Muttersprache Mameloschn“ wird hier zu erleben sein. (Foto: Lara Hausleitner)
Die Bühnen- und Kostümbildnerin Christina Wachendorff und der Regisseur Robert Arnold am Spielort in der Ansbacher Friedenskirche: Das Stück „Muttersprache Mameloschn“ wird hier zu erleben sein. (Foto: Lara Hausleitner)
Die Bühnen- und Kostümbildnerin Christina Wachendorff und der Regisseur Robert Arnold am Spielort in der Ansbacher Friedenskirche: Das Stück „Muttersprache Mameloschn“ wird hier zu erleben sein. (Foto: Lara Hausleitner)

Im großen Haus des Theater Ansbach kann wegen des Brandschutzes nicht gespielt werden. Ausweichorte sind daher dringend nötig. Mit der Friedenskirche wurde einer gefunden, der eine ganz besondere Atmosphäre bietet. Hier hat am Donnerstag, 10. April, um 19.30 Uhr das Stück „Muttersprache Mameloschn“ Premiere.

Mit dem Spielort sind der Regisseur Robert Arnold und die Bühnen- und Kostümbildnerin Christina Wachendorff sehr glücklich. Zum einen seien sie sehr freundlich aufgenommen worden seitens der Kirchengemeinde, zum anderen habe der Raum eine tolle Wirkung. „Er ist wie eine Kuppel oder ein Zelt“, sagt Christina Wachendorff mit Blick nach oben und rundherum. Eine massive Bühnen-Plattform steht schon im vorderen Bereich der Kirchenbänke, überlagert sie zum Teil. Gräser sprießen auf der Ebene, in der Inszenierung werden sie zum Rückzugsort.

Sasha Marianna Salzmanns Stück „Muttersprache Mameloschn“ wurde 2012 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt und seitdem an vielen Bühnen gespielt. Es geht um drei jüdische Frauen aus drei Generationen in Deutschland – und um die Frage nach der eigenen Identität, der Herkunft und Kultur. Ums Sprechen und vor allem um das Nichtausgesprochene geht es außerdem. Mameloschn ist das jiddische Wort für Muttersprache.

Karriere als jüdische Sängerin in der DDR

Die drei Frauen – das sind Lin, über 80 Jahre alt, Clara, etwa 50, und Rahel, Mitte 20. Sie sind Großmutter, Mutter und Tochter. Lin hat den Holocaust überlebt und wurde nach dem Krieg zur überzeugten Kommunistin in der DDR. Der Kommunismus war für sie ein Weg, sich abzugrenzen von denen, die ihr Leid verursacht haben. Als jüdische Sängerin machte sie Karriere im Osten, durfte auch Gastspiele im Ausland geben.

Clara verleugnet ihre Religion. Sie hat den Antisemitismus, den es auch in der DDR gab, nur schwer verkraftet. Unter der fehlenden Präsenz der reisenden Mutter hat sie als Kind außerdem gelitten. Rahel, die Jüngste, möchte nach New York ziehen, um sich auszuleben, während sie gleichzeitig nach ihren jüdischen Wurzeln sucht. Sie will sich befreien von den Verletzungen ihrer Vorfahren, vom Schmerz der Vergangenheit.

„Im Grunde ist es also ein Generationenstück. Das Schicksal und Trauma der Ältesten setzt sich über die Generationen fort“, erklärt Regisseur Robert Arnold. „Die drei Frauen suchen ihren Platz in der Welt und versuchen, ihre Religion im Hier und Jetzt zu verorten.“ Die Frage ist, ob die Mütter und Töchter untereinander eine Sprache finden für ein gegenseitiges Verstehen.

Das Theaterteam hat sich für ein abstraktes Bühnenbild entschieden, obwohl die Gespräche der Frauen auch in einem naturalistisch gestalteten Wohnzimmer geführt werden könnten: jene halbrunde, hohe Plattform mit fedrigem Bewuchs. Die Orgel, die sich in der Friedenskirche dominant im Kirchensaal erhebt, spielt ebenfalls eine Rolle. Zudem fasst ein langgestrecktes Gemälde Christina Wachendorffs den Raum wie ein Fries ein. Darauf zu sehen sind die Gesichter der Schauspielerinnen in früheren Jahren: eine Art gemalte Lebenslinie.

Anna Woll spielt die junge Rahel, und Sophie Weikert ist Clara, die Mittlere im Frauentrio. Michaela Domes gibt Lin, die alte Künstlerin. Zunächst sollte Nicole Schneider aus dem Ensemble des Theater Ansbach die Rolle der Lin spielen, krankheitsbedingt war aber kurzfristig eine Umbesetzung nötig. An der Orgel ist in „Muttersprache Mameloschn“ die Ansbacher Musikerin Ulrike Koch zu hören.

Weitere Informationen zu den Spielterminen unter theater-ansbach.de


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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