Die Eskalation im Streit bei der Aischgründer Tafel ist perfekt | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 14.11.2024 11:34

Die Eskalation im Streit bei der Aischgründer Tafel ist perfekt

Das Bad Windsheimer Bonifatiushaus wird am 5. Dezember zum Schauplatz der Jahresversammlung der Aischgründer Tafel „Iss was“. (Archivfoto: Claudia Lehner)
Das Bad Windsheimer Bonifatiushaus wird am 5. Dezember zum Schauplatz der Jahresversammlung der Aischgründer Tafel „Iss was“. (Archivfoto: Claudia Lehner)
Das Bad Windsheimer Bonifatiushaus wird am 5. Dezember zum Schauplatz der Jahresversammlung der Aischgründer Tafel „Iss was“. (Archivfoto: Claudia Lehner)

Die komplette Eskalation bei der Aischgründer Tafel „Iss was” ist perfekt. Die Neuwahlen vom Samstag brachten das Fass endgültig zum Überlaufen. Mittlerweile sind mehrere Verfahren anhängig, der Vorsitzende Thomas Nicol und Manuel Henneberger überschütten sich gegenseitig mit Anzeigen und Anwaltsbriefen. Ein Einlenken ist auf beiden Seiten kaum erkennbar.

Die Eskalationsspirale nahm am Montagabend die nächste Stufe. Manuel Henneberger war am Samstag von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum Nachfolger der Vize-Vorsitzenden Anja Böhringer für den Tafel-Verein gewählt worden. Nicol lässt diese Versammlung nun anwaltlich für nichtig erklären und hat am Dienstag eine Unterlassungserklärung gegen Henneberger auf den Weg gebracht. Sollte sich dieser öffentlich nochmals als „2. Vorsitzender“ der Tafel „Iss was“ vorstellen, drohe ihm rechtliches Ungemach.

Pure Provokation auf Facebook

Apropos Facebook. Dieses soziale Medium spielt in der neuerlichen Zuspitzung eine große Rolle. Thomas Nicol hat einen Zeitungsartikel über ein Gerichtsverfahren ausgegraben. Das Schriftstück ist sieben Jahre alt, berichtet wird über einen Prozess gegen einen damals 30-Jährigen, der ein 14-jähriges Mädchen sexuell belästigt haben soll – und dafür auch verurteilt wurde.

Bereits am Montagnachmittag hatte Nicol in seiner Facebook-Story diesen Link geteilt, im Hintergrund lief das Lied „Netter Mensch“ von den Böhsen Onkelz. Konkret: „Ich bin der nette Mann von nebenan. Und jeder könnt’ es sein. Schaut mich an, schaut mich an – ich bin das perverse Schwein.“ Dazu schrieb Nicol: „Ich widme dieses Lied einer ganz besonderen Person.“ Welcher Person? Manuel Henneberger.

Am Abend verschickte der Vorsitzende den Link zum Gerichtsartikel dann an zahlreiche Tafelkontakte – mit dem Hinweis, Henneberger sei ein „Sexualstraftäter“. Damit konfrontiert, gibt Nicol das offen zu. Seine Begründung: „Die Helfer müssen ja wissen, mit wem sie es zu tun haben.“

Henneberger erstattete deshalb am späten Montagabend Strafanzeige bei der Polizei Bad Windsheim, wie er am Dienstag auch auf Facebook mitteilte. Zu dem Gerichtsprozess, der Thema im Artikel ist, will er sich derzeit nicht äußern.

Noch immer keine gemeinsame Basis

Bereits zuvor hatte der vermeintliche Vize-Vorsitzende auf Facebook „traurige Nachrichten“ verkündet. Ihm sei es nicht gelungen, „neutralen Kontakt“ zu Nicol herzustellen, „um offene Punkte zu besprechen und Missverständnisse zu klären“. Dessen Antwort am Telefon sei gewesen: „Wir haben nichts zu besprechen, da Sie kein Vorstand und kein Mitglied sind. Alles Weitere klärt der Anwalt.“ Das bestätigt der Vorsitzende im Redaktionsgespräch. Ein Rechtsanwalt aus Bonn fechte die Wahl vom Samstag an, bereite eine Unterlassungserklärung vor. Die außerordentliche Versammlung samt Vize-Neuwahl sei „nicht haltbar“.

Doch was bedeutet all das nun für die Bad Windsheimer Ausgabestelle? „Es ist faktisch so, dass es am Samstag normal weitergeht“, betont Nicol. Tafel-Urgestein Heinz Leicht habe die Ausgabestelle kommissarisch als Leiter übernommen, zwei alte Helfer und ein neuer seien im Einsatz, weitere Personen aus anderen Ausgabestellen helfen aus. Es sei bereits alles organisiert. Sollten abberufene Helfer, etwa Manuel Henneberger, auftauchen, werde er für den Verein „Iss was“ das Hausrecht ausüben und die Polizei rufen, so Nicol. Denn mit den Abberufungsschreiben seien auch klare Hausverbote erteilt worden.

Am 5. Dezember steigt die Hauptversammlung

Die noch ausstehende Jahresversammlung der Aischgründer Tafel ist nun ebenfalls terminiert und soll am Donnerstag, 5. Dezember, ab 18 Uhr stattfinden. Versammlungsort: das Bonifatiushaus in Bad Windsheim, in dem auch die Ausgabestelle untergebracht ist – an eben jenem Ort also, an dem Henneberger und Unterstützer Hausverbot haben.

Das sei aber überhaupt kein Problem, sagt Nicol auf Nachfrage. Henneberger sei bis heute – trotz Antrags – kein offizielles Tafel-Mitglied und dürfe an dem Termin nicht teilnehmen, das sei nur Mitgliedern gestattet. Am Dienstag traf sich der Tafel-Vorstand zur internen Versammlung, erzählt er. Ein Punkt sei die Aufnahme neuer Mitglieder gewesen. Der sei aber vertagt worden, erläutert Nicol grinsend und betont: „Ich bin nicht automatisch Mitglied, nur weil ich einen Antrag gestellt habe.“ Vielmehr sei hierfür ein Vorstandsvotum zwingend erforderlich.

Nicol will erneut als Vorsitzender kandidieren

Auf der Tagesordnung der Jahresversammlung stehen dann auch Vorstandswahlen. Nicol: „Ich stehe als Vorsitzender wieder bereit.“ Offizielle Kandidatin fürs Stellvertreter-Amt soll Brigitte Stuckert werden. Allerdings steht es auch anderen Mitgliedern offen, zu kandidieren oder Vorschläge zu machen. Wie es danach weitergeht? Ein Patentrezept hat Thomas Nicol – sollte er wiedergewählt werden – nicht. Wieder Ruhe in den Verein bringen, das sei sein höchstes Ziel.

Henneberger kündigte bereits an, sich all das nicht bieten lassen zu wollen. Er wolle Thomas Nicol einmal mehr anzeigen. Der Vorwurf: unrechtmäßige Vereinsführung. Ausgang: offen.

north