Es gab schon einmal ein Lebewesen namens Rhani, an dem viele Ansbacher große Freude hatten. Es vertilgte kiloweise rohes Fleisch und steckte den Kopf gerne in mit Lebkuchengewürz bestäubte Weihnachtsbäume.
Die elegante Tigerdame fand in Wallersdorf viele Fans. Das versucht der Fußballer namens Rhani bei der SpVgg Ansbach.
Nach dem Motto „Weck den Tiger in Dir“ will der Verteidiger seiner Karriere neuen Schwung verleihen. Der 19-Jährige war bei den nullneunern noch längst nicht so regelmäßig zu sehen wie der tierische Namensvetter einst im Raubtierasyl. Aber einen großen Auftritt hatte Abdennour Rhani schon. Im Testspiel im Juligegen die Profis des 1. FC Nürnberg hätte er vor 3500 Zuschauern mit seinem Fallrückzieher fast ein Tor erzielt.
Die lange Pause war sehr schwierig für mich vom Kopf her.
Danach sah man ihn viele Monate nicht mehr auf dem Spielfeld – Schambeinentzündung. „Eine schwierige Verletzung, man weiß nicht, wie lange es dauert, bis man wieder fit ist. Die lange Pause war sehr schwierig für mich vom Kopf her“, sagt Rhani mit vor Kälte zitternden Lippen nach dem Testspiel gegen den VfB Eichstättund dass die Unterstützung, die er in dieser Zeit vom Team erfahren habe, sehr wertvoll gewesen sei.
Jetzt fühlt er sich wieder fit und will sozusagen mit einem halben Jahr Verspätung die Verstärkung für die Defensive werden, als die er im Sommer begrüßt wurde.
In den Testspielen der Wintervorbereitung sammelte er viele Spielminuten und stand auch gegen Eichstätt in der Startelf. Sein Arbeitsprotokoll als Innenverteidiger umfasste diverse gewonnene Zweikämpfe, auch und gerade in der Luft, eine Gelbe Karte, ein zielstrebiges Solo in die gegnerische Hälfte, aber auch die eine oder andere Situation, in der er nicht die ideale Lösung fand.
„Licht und Schatten“, sah SpVgg-Trainer Niklas Reutelhuber bei seinem gefühlten Winterneuzugang, „Rhani tut sich manchmal noch schwer bei der Einschätzung von Situationen, wie viel Risiko kann ich gehen, oder ist es besser, einen einfachen, klaren Ball zu spielen“.
Rhani spielt jetzt, das vor allem ist für ihn wichtig.
Das Kind marokkanischer Eltern stammt aus Saint-Avold, einer französischen Kleinstadt an der Grenze zum Saarland. Von dort wechselte er in den Nachwuchs des 1. FC Saarbrücken, der das Talent mit einem Vertrag ausstattete und nach Ansbach schickte, um Spielpraxis zu sammeln.
Am Transfer beteiligt war der ehemalige Ansbacher Regionalligaspieler Sandro Cescutti, der für die Agentur arbeitet, die Rhani betreut.
Der Tiger Rhani verbrachte viele Jahre in Wallersdorf, beim Fußballer Rhani dürfte die Verweildauer in Mittelfranken kürzer sein. „Ich werde jetzt mein Bestes geben und so viele Spiele wie möglich machen. Im Sommer wird man dann sehen, was passiert“, sagt Rhani.