Auf einem ziemlich guten Platz wenige Reihen unterhalb von Olaf Scholz verfolgte Christoph Hasselmeier das 2:0 der deutschen Fußballer bei der EM gegen Ungarn und sieht dem weiteren Turnierverlauf nun sehr erwartungsfroh entgegen. Ähnlich optimistisch schätzt der Sportliche Leiter der SpVgg Ansbach das Leistungsvermögen des von ihm zusammengestellten Regionalliga-Kaders ein.
Herr Hasselmeier, ist die Kaderplanung bei der SpVgg Ansbach abgeschlossen?
Ja, wir haben 24 Feldspieler und drei Torhüter unter Vertrag, genau so, wie wir es wollten. Bei der Zusammenstellung wurde berücksichtigt, dass zwei Spieler noch auf unbestimmte Zeit ausfallen. Das sind Sven Landshuter und Tanyel Deliboyraz. Beide haben eine Schambeinentzündung. Eine tückische Verletzung, wie sich vor allem bei Sven zeigt. Besser ist die Lage bei Daniel Schelhorn, der nach einer Knieverletzung demnächst wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen kann.
Wie lautete der Plan des Kaderplaners?
Wir wollten Verbesserungen bei den Innenverteidigern. Da hatten wir nach dem Ausfall von Jonas Bayerlein Ende vergangener Saison doch zu wenige Möglichkeiten. Dann galt es die offensiven Außenbahnen nach den Ausfällen von Landshuter, Deliboyraz und Schelhorn neu zu besetzen. Nach dem Abgang von Robin Hartnagel wollten wir einen Außenverteidiger holten.
Rhani-Transfer eine glückliche Fügung
Als Innenverteidiger ist der 18-jährige Rhani Abdennour zum Team gestoßen, der einen Profivertrag beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken unterschrieben hat. In diesen Dimensionen war die SpVgg bislang bei Transfers nicht unterwegs.
In geografischer Hinsicht nicht, das stimmt, aber wir haben für Rhani den finanziellen Rahmen nicht verändert. Er wurde uns von Sandro Cescutti (ehemaliger SpVgg-Akteur und mittlerweile bei der Spielerberatungsagentur Soccerandmore aktiv/d. Red) empfohlen, hat im Training wirklich alle überzeugt und dass der Transfer geklappt hat, war eine glückliche Fügung. Es ist ein auf ein Jahr angelegtes Leihgeschäft mit Saarbrücken. Wir bieten ihm Spielpraxis auf hohem Niveau. Er ist nach Ansbach gezogen und wir werden ihm eine Tätigkeit vermitteln, damit er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Die SpVgg Ansbach ist völlig zu Recht stolz darauf, viele Spieler im eigenen Nachwuchs ausgebildet zu haben. Diesmal ist keiner aus der eigenen Jugend aufgerückt.
Das stimmt so nicht, denn Björn Angermeier hat viele Jahre im Nachwuchs für uns gespielt, bevor er zu Fortuna Neuses gewechselt ist. Außerdem haben wir ja im Winter mit Finn Haag und Fabio Wagner bereits zwei eigene Talente nach oben geholt und auch der dritte Torwart Luis Brisske ist ein Eigengewächs. Unser Ziel ist weiterhin, dass wir vier von fünf Spielern selbst ausbilden. Aber wenn das Niveau steigt, kommt man nicht darum herum, externe Spieler dazuzuholen. Das wurde auch schon in der Vergangenheit so gemacht.
Unser Ziel wird nicht Platz 14 sein
Florian Seefried wurde vergangene Saison zum Bezirksligisten FV Dittenheim sozusagen verliehen, dasselbe passiert jetzt mit Robin Hartnagel, der weiter zum Teil in Ansbach trainiert, aber beim Partnerverein Fortuna Neuses in der Bezirksliga spielt. Ein Konstrukt mit Zukunft?
Bei Flo Seefried hat es sich bewährt, allerdings ist er mittlerweile beruflich nach München gezogen, weshalb eine Rückkehr kein Thema war. Es ist eine Möglichkeit, um Talenten Spielpraxis zu verschaffen.
Wie ist der Kader im Vergleich zum Vorjahr einzuschätzen?
Ich sehe einen deutlichen Zuwachs an Qualität. Alle sieben Neuzugänge haben das Potential, Stammspieler zu werden.
Das heißt, im dritten Regionalligajahr wird der Abstiegskampf in Ansbach abgeschafft? Kapitän Tobias Dietrich sieht einen einstelligen Tabellenplatz in Reichweite.
Sagen wir so: Unser Saisonziel wird nicht Platz 14 sein. Wir möchten sehr frühzeitig den Klassenerhalt sicher haben, also wirklich sehr frühzeitig.
Der Spielplan sieht gleich in den ersten Wochen etliche schwere Gegner vor. Nach dem 1. FC Nürnberg II im Heimspiel zum Start am dritten Wochenende im Juli geht es unter anderem gegen den FC Bayern München II, Meister Kickers Würzburg und Vizemeister DJK Vilzing.
Es ist auf jeden Fall schön, wieder mit einem Heimspiel zu starten und die zweiten Mannschaften der Profivereine gleich am Anfang zu spielen ist ein Vorteil, da deren Kader sich durch Abstellungen häufig noch verändern.
Im Gegensatz zum Ansbacher Trainer Niklas Reutelhuber, der als Spieler mit dem SV Alesheim in die Bezirksliga aufgestiegen ist, sind Sie als Spieler mit der SG Sachsen/Windsbach aus der Kreisliga abgestiegen. Können Sie das auf sich sitzen lassen?
(Lacht): Ich kann auf jeden Fall gut damit umgehen, denn der Abstieg ist nicht zufällig passiert, der war verdient. Jetzt versuchen wir eben, aus der Kreisklasse wieder aufzusteigen. Ein Jahr spiele ich mindestens noch mit.
Christoph Hasselmeier (33) aus Sachsen bei Ansbach kehrte nach Stationen unter anderem beim FC Bayern München und der SpVgg Greuther Fürth 2010 zur SpVgg Ansbach zurück. Als Trainer führte der Banker und verheiratete Familienvater die nullneuner in die Regionalliga. Mittlerweile gehört er als Sportlicher Leiter dem Vorstand an.
Zugänge: Rhani Abdennour (18), Innenverteidiger vom 1. FC Saarbrücken.Tarkan Ücüncü (21), Offensivspieler vom SC Feucht.Sebastien Döring (20), Außenverteidiger vom ATSV Erlangen.Matthias Hahn (24), Defensivspieler vom FSV Hollenbach. Noah Krieger (23), offensiver Mittelfeldspieler vom FSV Hollenbach.Björn Angermeier (21), offensiver Mittelfeldspieler vom FV Fortuna Neuses.Nico Hayer (19), Außenbahnspieler vom FC Heidenheim.
Abgänge: Pepe Brekner (zu SK Vorwärts Steyr/Österreich), Bastian Herzner (TSV Kornburg), Fabio Wagner (TSV 1860 München Jugend), Robin Hartnagel (Fortuna Neuses), Lukas Karakas, Nico Frisch.