Der Hesselberg: Worauf geht der Name des höchstens Bergs Mittelfrankens zurück? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.10.2025 15:00

Der Hesselberg: Worauf geht der Name des höchstens Bergs Mittelfrankens zurück?

Germanischer oder althochdeutscher Ursprung: Es gibt verschiedene Theorien, wie der Hesselberg zu seinem Namen kam. (Foto: F.: Manfred Blendinger)
Germanischer oder althochdeutscher Ursprung: Es gibt verschiedene Theorien, wie der Hesselberg zu seinem Namen kam. (Foto: F.: Manfred Blendinger)
Germanischer oder althochdeutscher Ursprung: Es gibt verschiedene Theorien, wie der Hesselberg zu seinem Namen kam. (Foto: F.: Manfred Blendinger)

Der Hesselberg ist mit seinen 689 Metern der höchste Berg Mittelfrankens und ein beliebtes Ausflugsziel mit herrlichem Ausblick. Aber worauf geht sein Name eigentlich zurück? Welche der verschiedenen Versionen ist die wahrscheinlichste? Die Spurensuche führt sogar bis nach Dänemark.

Der erste und bekannteste Erklärungsversuch hat mit der Entwicklung von Ortsnamen im Lauf der Geschichte zu tun und lautet so: Der Hesselberg wurde früher als „Öselberg“ bezeichnet. Dieser Name stammt wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „ösi“ oder „esil“ ab, das „kahl“ oder „unfruchtbar“ bedeutet. Der „Öselberg“ wäre also als „kahler oder unfruchtbarer Berg“ bezeichnet worden. Der Name entwickelte sich weiter und wurde ab 1315 als „Oselberg“ geführt, später dann als „Eselsberg“. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhielt die Erhebung ihren heutigen Namen, der ab 1676 als „Hesselberg“ belegt ist.

Nach einer Person benannt?

Eine zweite Version geht davon aus, dass der Name „Hesselberg“ wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „hes“ oder „has“ abstammt, das „Hasel“ oder „Buschwald“ bedeutet. Der Name könnte also „Berg mit Haselsträuchern“ oder „Berg im Buschwald“ bedeuten.

Die nächste Theorie besagt, dass der Name „Hesselberg” von einem alten germanischen Wort für „hoch“ oder „erhaben“ abgeleitet ist. In diesem Fall würde der Name „Hesselberg“ also auf einen „hohen oder erhabenen Berg“ hinweisen. Eine zusätzliche Variante beinhaltet die Annahme, dass der Name „Hesselberg“ auf eine Person zurückzuführen ist, wie zum Beispiel „Hesso“ oder „Hessilo“. In diesem Fall wäre der Name „Hesselberg“ eine Bezeichnung für „Berg des Hesso“ oder „Berg des Hessilo“ gewesen.

Recherche gelang nur auf Umwegen

Nun gibt es im Norden der Insel Seeland in Dänemark den Ort Rageleje. Dort führt eine Straße „Hesselbjergvej“ vom Strand ins Inselinnere. Die Recherche für die dänische Namensgebung gelang nur auf Umwegen. Anni Hougaard Dalgas von der Gemeinde Gribskov, zuständig für die betreffende Region in Nordsvjaelland, beantwortete eine entsprechende Anfrage ausweichend: Straßennamen könnten nach Ortschaften, Bergen, Personen oder besonderen Merkmalen in der Natur vergeben werden. Eine genauere Auskunft sei nicht möglich, man möge im Archiv oder im lokalen Museum im Hafenstädtchen Gilleleje nachforschen.

Gesagt – getan. Die Museumsleitung ließ die Sekretärin Nellie Westerweel antworten, dass die Anfrage an eine Gruppe von Angestellten weitergeleitet würde, die sich mit der Herkunft von Namen befasse. Wenig später schrieb Jon Voss, Museumsdirektor und Kurator von Nordsjaelland in Gilleleje, dass er in der dänischen Enzyklopädie über Ortsnamen fündig geworden sei.

Mit „Haselberg” zu übersetzen

Ursprünglich erwähnt sei der Name 1377 als „Haeslaebjerghe” und dann wieder 1788 im Zusammenhang mit der Neuordnung der Flur in dem hügeligen Gebiet. Demnach stamme der Name „Hesselbjerg“ von „Hessel“, heute „Hassel“ und „bjerg“ (Berg, Hügel) ab. Hassel (corylus avellana oder Gemeine Hasel) sei der kleine Baum oder besser Haselstrauch, dessen Nüsse einen wichtigen Teil der Ernährung in der Vergangenheit bildeten. Konsequenterweise, so die Auskunft aus Dänemark, sei „Hesselbjerg“ mit „Haselberg“ zu übersetzen, was unserer zweiten Version entspräche, aber nicht eindeutig nachweisbar ist.

Spürbar war der dänische Humor zwischen den Zeilen, als noch angemerkt wurde, dass sich vielleicht dänische Bürger durch einen Aufenthalt in unserer Region bei der Namensgebung für ihre Straße inspirieren ließen. Jedenfalls weist 1000 Kilometer nördlich ein Wegweiser auf den Hesselberg hin. Somit führen in Dänemark nicht alle Straßen nach Rom, sondern zum Hesselberg.


Von FRIEDRICH ZINNECKER
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