Vor knapp zehn Jahren schaffte es der TSV Ansbach mal bis in die 3. Bundesliga. Die Tischtennis-Männer des TSV Windsbach klettern nun noch eine Stufe höher: Ab der neuen Saison schlagen sie in der eingleisigen 2. Bundesliga auf. Als „Architekt des Windsbacher Höhenflugs“ gilt Andreas Staudacher. Im Interview erklärt der 45-Jährige, wie sie das in der kleinen Stadt hinbekommen haben.
Herr Staudacher, Glückwunsch zur vorzeitigen Meisterschaft. Am 12. April findet in Windsbach das letzte Drittliga-Saisonspiel gegen Bietigheim-Bissingen statt. Gibt es in der Schulsporthalle eine große Aufstiegsparty?
Oh ja, das wird auf jeden Fall ein besonderes Spiel. Wir wollen mit unserem Helferteam und unseren Zuschauern groß feiern. Auch die in Windsbach ansässige Musikschule wird ein Ständchen zum Besten geben.
Der gebürtige Neuendettelsauer Andreas Staudacher (45) hat beim TSV Windsbach als Zwölfjähriger mit Tischtennis begonnen, zuvor spielte er Fußball. Der Diplombetriebswirt und zweifache Familienvater, der in Nürnberg wohnt, blieb dem TSV Windsbach immer treu und formte aus dem Männer-Team eine national leistungsstarke Mannschaft, die nun in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist.
Die Zielvorgabe vor dieser Drittliga-Saison lautete unmissverständlich: Aufstieg in die 2. Bundesliga. Das ist eindrucksvoll gelungen. Welchen Hintergrund hatte die selbst auferlegte hohe Messlatte?
Darauf gibt es eine klare Antwort: Das hing alles mit der Verpflichtung vom letzten Jahr, Tom Schweiger, zusammen. Der zweitbeste Nachwuchsspieler Deutschlands muss in die 2. Bundesliga. Der ist jetzt seit über eineinhalb Jahren Profi und braucht eine Perspektive. Nachdem er schon letztes Jahr zu uns gekommen ist und wir da den Aufstieg nicht realisieren konnten, weil Saarbrücken II zu stark war, wussten wir: Wir haben noch eine Chance, ansonsten verlieren wir ihn. Wenn du so einen 20-Jährigen hast, willst du ihn halt nicht hergeben. Umso schöner, dass es nun geklappt hat.
Sie mussten die Mannschaft verstärken, damit es zum Aufstieg reicht. Wie geht man bei der Zusammenstellung des Teams vor?
Ein zweiter Aspekt bei uns war die Verpflichtung von Daniel Rinderer. Der kommt aus Ruhmannsfelden und hat zuvor in Passau schon 2. Liga gespielt. Der kommt ja nicht in die 3. Liga, um da dauerhaft zu bleiben. Der Wechsel von Daniel, welcher zu den Top-3-Spielern in Bayern gehört, hat die Messlatte manifestiert. Auch ihm haben wir mit dem Aufstieg eine Perspektive geboten. Das musste bei der Planung des Teams berücksichtigt werden. Wir hatten zusammen mit unseren Sponsoren-Partnern einen Rahmen erarbeitet, in dem wir uns bewegen konnten und haben uns dementsprechend verstärkt. Das alles passiert lange vor dem jeweiligen Saisonbeginn. Die Kaderplanung ist bei uns im Dezember/Januar fix. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es. Es gibt ein Transferfenster, das geht bis zum 31. Mai. Das ist der offizielle Wechselschluss und je früher man sich mit den Spielern einig ist, desto größer ist der Pool, in dem Spieler verfügbar sind.
Das heißt im Umkehrschluss: Sie müssen nach dieser Saison nicht in Hektik verfallen, weil das Team für die 2. Bundesliga längst steht?
Exakt so ist es. Im Moment bin ich ganz tiefenentspannt, was den Aufstieg in die 2. Bundesliga betrifft. Unsere Mannschaft bleibt weitgehend zusammen.
Wie gut muss man als Teammanager vernetzt sein, um an die richtigen Informationen über verfügbare Spieler zu kommen?
Zum einen führt man Gespräche mit Managern aus der 2. Liga. So ist zum Beispiel die Verpflichtung von Bojan Tokic, der zehn Jahre in Saarbrücken gespielt hat, zustande gekommen. Und zum Glück gibt es Instagram, auch dort findet man jede Menge Infos. Wichtig ist uns der Charakter des Spielers – er muss einfach zu uns passen. Was hilft mir die beste Bilanz, wenn dieser Spieler nicht zur Mannschaft passt? Wenn der Charakter nicht stimmt, bekommst du weder den Rückhalt vom Team, noch von den Helfern, noch von den Fans. Wir brauchen keinen Eigenbrötler, der egoistisch und arrogant ist. Wir wollen Spieler haben, die nahbar auch den Zuschauern gegenüber sind. Der Tom Schweiger stellt sich zum Beispiel eine Stunde mit einem Spieler aus der 4. Kreisliga hin und spielt ein bisschen Rundenlauf.
Womit konnten Sie den dreimaligen englischen Olympia-Teilnehmer Paul Drinkhall locken, der zu den Top-100-Spielern der Welt zählte?
Da hatte ich auch in Saarbrücken nachgefragt und sehr positive Resonanz erhalten. Aber der Paul Drinkhall ist einer, der wollte eigentlich gar nicht mehr spielen. Er ist zudem Privat-Trainer in Saudi-Arabien bei einem Scheich. Die Verbindung zu uns stellte Bojan Tokic her, der Drinkhall den Wechsel zu uns schmackhaft machte.
Eine Zweitliga-Mannschaft muss man sich auch leisten können. Wie stellen Sie es an, mit der Konkurrenz mithalten zu können?
Vor allem in den vergangenen zwei Jahren hat sich der Sponsorenpool stetig erweitert, bestehende und neue Partnerschaften wurden längerfristig ausgebaut. Es macht einfach Spaß, alles weiterzuentwickeln. Wir folgen der Strategie „Die Masse macht es“ und wollten nie von einem einzigen Geldgeber abhängig sein. Wichtig ist auch, dass uns die Spieler vertrauen. Ich sage denen nur Dinge, die ich auch zu hundert Prozent einhalten kann. Wenn man seriös arbeitet, spricht sich das unter den Spielern herum.
Wie entsteht der Kontakt zu asiatischen Spielern?
Ich habe mit Thomas Wetzel vom Tischtennis-Center in Bad Aibling einen sehr guten Kontakt. Der lädt häufig asiatische Spieler ein und stellt auch die Verbindung her. Wichtig zu wissen ist: Pro Mannschaft darf immer nur ein Asiate spielen, ansonsten beliebig viele andere Ausländer. Das ist vom Deutschen Tischtennis-Bund so festgelegt.
Auf wie viele Nationalitäten kommen Sie, die in Windsbach schon vorgespielt haben?
Oh, das waren schon jede Menge. Ich denke, so um die zehn verschiedene Nationalitäten waren schon dabei. Argentinier, ein Brasilianer, Inder, weitere Asiaten, etwa aus Taiwan und China, Polen, Slowenen, Tschechen und Engländer.
Wer von diesen ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Der Argentinier Gaston Alto war ein ganz besonderer Typ, immer nett, freundlich und lustig. Mit dem hab ich auch jetzt noch Kontakt. Der war einfach wahnsinnig herzlich. Aber die aktuellen Spieler sind ja auch alle super. In diesem Zusammenhang muss ich Tobias Ehret erwähnen. Der war überhaupt der Grundstein zu unserem Aufschwung. Vor acht Jahren zählte er zu den Topspielern in Bayern und war für die Effeltricher aktiv. Als diese in die 3. Liga aufstiegen, war er in diesem Team nur noch die Nummer fünf. Den Wechsel zu uns im Jahr 2017 – wir spielten damals Oberliga – konnte ich ihm mit dem Versprechen schmackhaft machen, in die 3. Bundesliga aufzusteigen. Corona hat uns zwar zwei Jahre gekostet, aber dann war das Versprechen eingelöst. Bis zur vergangenen Saison spielte Ehret dann zwei Jahre bei uns in der 1. Mannschaft.
Was bedeutet es für die kleine, 6000-Einwohner-Stadt Windsbach, einen Zweit-Bundesligisten zu stellen? Wie groß ist der Zuspruch der Bevölkerung?
Für Windsbach ist das schon cool. Das große Aushängeschild der Stadt ist natürlich der Windsbacher Knabenchor. Aber im sportlichen Bereich sind wir vorne dran und sind darauf auch echt stolz. Der sportliche Erfolg kam nicht von ungefähr, das war ein langer Weg. Auch unsere Zuschauerzahlen konnten wir kontinuierlich steigern, Rekord waren heuer 200 Fans. Besonders schön ist es, dass auch viele Tischtennis-Interessierte aus der Umgebung wie Ansbach, Herrieden oder Gunzenhausen bei uns vorbeischauen.
Schritt für Schritt nähert sich der TSV Windsbach dem Zweitligisten TV Hilpoltstein an, der seit Jahren das Aushängeschild im mittelfränkischen Tischtennis ist. Nun wird es erstmals Derbys gegen dieses Team geben. Wie groß ist die Vorfreude darauf?
Die ist sehr, sehr groß. Wir hatten zuletzt ja auch schon im Pokal gegen Hip gespielt. Da hatten wir uns schon tierisch darüber gefreut, so ein Derby-Charakter macht einfach unglaublich viel Spaß. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass wir da zwischen 400 und 500 Zuschauer hinbekommen. Das wird bestimmt eine coole Atmosphäre. Wir haben zuletzt in der Pokalvorrunde 3:0 gegen den TV gewonnen – das war dann schon okay (lacht). Hilpoltstein ist schon seit gut zwei Jahrzehnten in dieser Liga dabei. Das ist eine unglaubliche Leistung und verdient absoluten Respekt, was die dort leisten.
Hilpoltstein steht aktuell ziemlich souverän auf Platz eins in der 2. Bundesliga, hat aus finanziellen und organisatorischen Gründen aber keine Lizenz für die 1. Bundesliga beantragt. Was macht es so schwer für kleine Vereine, in der 1. Liga Fuß zu fassen?
Uns hat diese Meldung aus Hilpoltstein nicht sonderlich überrascht. Wir kennen die Strukturen mit einer Schulturnhalle aus eigener Erfahrung nur zu genau. Klar, die TTBL, also die 1. Bundesliga, ist immer interessant, aber das Finanzielle ist natürlich ein Aspekt. Die Meldegebühr für die 2. Liga ist nun mit 4000 Euro doppelt so hoch wie die der 3. Liga. Die Lizenz für die 1. Bundesliga kostet 15.000 Euro mit dem Zusatz: Schafft ein Aufsteiger den Klassenerhalt, bekommt er im zweiten Jahr 5000 Euro zurück. Aber das Drumherum ist noch viel wichtiger, sprich das Organisatorische. In der 1. Liga brauchst du ein noch größeres Helferteam als in Liga zwei. Einen neuen, roten Boden auslegen, Spiele unter der Woche stemmen – mit einer Schulturnhalle ist dies im Grunde genommen kaum machbar.
Verwegen gefragt: Gesetzt den Fall, der TSV Windsbach würde in naher Zukunft die sportliche Qualifikation für die 1. Bundesliga schaffen, würde er den Aufstieg in Angriff nehmen?
Die Antwort lautet: Jein. In den nächsten ein, zwei Jahren habe ich nicht vor, dieses Ziel voranzutreiben. Das kann sich natürlich auch wieder ändern. Aber die Anforderungen sind schon extrem hoch.
Die 2. Bundesliga ist – anders als die 3. Liga – eingleisig. Auswärtsfahrten etwa nach Jülich, Mainz, oder zum 1. FC Köln müssen organisiert werden. Wird der Aufwand ungleich größer sein als in der 3. Liga?
Zum Glück fällt die Hertha aus Berlin weg – die machen in der Hauptstadt nicht weiter und haben keine Lizenz mehr beantragt. Deswegen ist es für uns eigentlich kein größerer Aufwand als jetzt in Liga drei. Okay, man muss bei einer weiten Fahrt am Vortag anreisen. Aber wir sind letztes Jahr auch nach Saarbrücken oder heuer nach Kaiserslautern gefahren. Es wird ja auch immer versucht, einen Doppelspieltag zu bekommen – etwa Samstag in Velbert, dann Sonntag in Köln. Das klappt in der Regel ganz gut. Mit Passau, Hilpoltstein und Hohenstein-Ernstthal haben wir drei Vereine, die nicht allzu weit weg liegen von uns. Also, ich denke nicht, dass sich der Aufwand nun gravierend erhöhen wird.
Sind im TSV-Team noch personelle Veränderungen zu erwarten?
Eigentlich nicht, der Kader ist voll. Es gibt weder Ab- noch Zugänge. Natürlich werde ich wieder den ein oder anderen asiatischen Spieler im Blick haben, aber die zählen nicht zum Stamm und kämen nur als Pufferspieler in Frage, falls sich mal ein anderer Spieler verletzen sollte.
Was hat man in der neuen Saison vom TSV Windsbach zu erwarten?
Wir wollen eine gute Rolle spielen, uns etablieren. Ansonsten freuen wir uns unglaublich auf die neue sportliche Herausforderung. An dieser Stelle möchte ich auch unserem großen Helferteam und unseren Partnern danken. Ohne diese Unterstützung wäre Tischtennis auf diesem Niveau nicht möglich.