Nach der Schließung der Klinik Neuendettelsau verhandelt das Sozialunternehmen Diakoneo nun mit potentiellen Partnern über die Zukunft seiner Krankenhäuser in Schwäbisch Hall, Nürnberg und Schwabach. Welche Auswirkungen das auf Stadt und Landkreis Ansbach hat, ist noch unklar.
In Schwäbisch Hall spricht Diakoneo sowohl mit dem Landkreis Schwäbisch Hall und SRH Kliniken als Bietergemeinschaft als auch mit der Sana Kliniken AG über das Diak-Klinikum.
In Schwabach ist Diakoneo „weiterhin in engen Gesprächen“ mit dem Mitgesellschafter, der Stadt Schwabach. In Nürnberg wird Diakoneo gemeinsam mit dem Klinikum Nürnberg nach Wegen suchen, die Arbeit in der Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik zu erhalten. Die Gremien von Diakoneo hätten nach Prüfung aller Angebote beschlossen, die Verhandlungen mit ausgewählten Interessenten weiterzuführen, heißt es in einer am Mittwoch verschickten Pressemitteilung.
Die Cnopfsche Kinderklinik betreibt mit der Station Wald im Klinikum Ansbach die einzige stationäre Kinderkrankenversorgung in Westmittelfranken. Deren Zukunft sei Gegenstand der laufenden Verhandlungen, sagte Diakoneo-Pressesprecher Markus Wagner gestern auf Anfrage der FLZ.
Die Rangauklinik im Ansbacher Stadtteil Strüth sei von den aktuellen Entwicklungen nicht betroffen, erklärte der Sprecher, da sie anders finanziert werde. Das Gleiche gelte für die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) für Kinderheilkunde und für Lungenheilkunde in Ansbach sowie für das MVZ Neuendettelsau.
Wenn sich Diakoneo von den Krankenhäusern in Schwäbisch Hall, Nürnberg und Schwabach trennt, verliert das Unternehmen auf einen Schlag mehr als ein Drittel seiner rund 11.000 Mitarbeitenden. Was passiert dann mit den Beschäftigten in der Konzernzentrale in Neuendettelsau? Auch auf diese Frage gebe es noch keine Antwort, erklärte Wagner. Ihm sei nicht bekannt, dass es in dieser Hinsicht bereits konkrete Überlegungen gebe.
Laut Dr. Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender von Diakoneo, haben Aufsichtsrat und Kuratorium zugestimmt, dass Diakoneo „vertiefende Gespräche und Vertragsverhandlungen“ mit den Interessenten führen kann. Darüber hinaus hätten die Gremien den Weg freigemacht, je nach Verhandlungsergebnis, Häuser anteilig oder vollständig aus der Trägerschaft von Diakoneo zu geben. Spätestens im Herbst möchte Diakoneo dazu die weitere Ausgestaltung der medizinischen Versorgung ab 2025 fixieren und sich vertraglich mit den potenziellen Partnern über die Höhe einer Beteiligung oder über einen Übergang in eine andere Trägerschaft einig sein.
In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst wurde der Vorstands-Chef deutlicher: Alle Versuche, die Defizite in den Griff zu bekommen oder Ausgleichszahlungen von den Kommunen zu erhalten, seien inzwischen gescheitert. Als freigemeinnütziger Träger könne man so ein Minus nicht dauerhaft stemmen, sagte Hartmann. Die Abgabe der Klinikstandorte sei daher „unvermeidbar“.
Allein im vergangenen Jahr hat Diakoneo insgesamt einen Verlust von 21,5 Millionen Euro verbucht, das Gros stammt nach Angaben von Hartmann aus dem Klinikbereich. Schon 2022 gab es ein Minus wegen der Kliniken, auch 2024 wird damit gerechnet.
Laut Branchenkennern ist derzeit mit dem Verkauf von Kliniken kein Geld zu verdienen. Man müsse im Gegenteil eher Geld mitbringen, sagte ein mit der Situation der Diakoneo-Kliniken Vertrauter dem Evangelischen Pressedienst.