Für Christopher Sturm hat die schönste und zugleich stressigste Zeit des Jahres begonnen. Alles dreht sich dabei um Christbäume und Tannengrün: Für den 26-Jährigen aus Seitendorf und seine Familie hat der Weihnachtsverkauf begonnen. Auch in seinem neuen Amt als Vorsitzender der Bayerischen Christbaumanbauer hat er einiges zu tun.
Die Bäume müssen von den Feldern. Nahe des Heilsbronner Ortsteils Seitendorf wird jetzt täglich geerntet. An die 5000 Nadelbäume werden Christopher Sturm und seine Familie, die gemeinsam den Betrieb Christbaum Sturm führen, in den kommenden Wochen schlagen. Verkauft werden die Bäume über den Hofladen an Privatkunden, weitere Exemplare gehen an Feuerwehren, Firmen, Kirchen und Gemeinden. Besonders schöne und große Exemplare schmücken Markt- und Kirchenvorplätze.
„Wir verkaufen die Bäume, unter denen sich die Menschen zu Weihnachten versammeln, feiern und den Alltagsstress vergessen. Etwas Schöneres gibt es doch gar nicht”, meint der 26-Jährige. Mit Weihnachtsbäumen zu tun hat Christopher Sturm, seit er denken kann. Im Jahr 1990 haben seine Großeltern, zusätzlich zum regulären landwirtschaftlichen Anbau, ein paar Nordmanntannen und Rotfichten gepflanzt und zu Weihnachten verkauft. Das Angebot kam an, der Anbau von Nadelbäumen im Nebenerwerb etablierte sich innerhalb der Familie. Im Jahr 2000 stieg Christopher Sturms Vater Robert ins Geschäft ein, kultivierte Bäume auf größeren Flächen und schaffte Spezialmaschinen und Verpackungsgerät an.
„Weil wir so gut mitgeholfen haben, hat der Vater mich und meinen Bruder im Jahr 2022 mit reingeholt”, erinnert sich Christopher Sturm. Der Christbaumanbau bei den Sturms erfolgt seit den Anfängen im Nebenerwerb. Die Großeltern arbeiten in der Landwirtschaft, Vater Sturm ist Kaminkehrer, Mutter Sandra ist als Kindererzieherin aktiv und der Bruder Maximilian Lohnunternehmer.
Christopher Sturm ist staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau und absolviert gerade in Triesdorf eine Weiterbildung zum Agrarbetriebswirt. Im Familienbetrieb füllt er inzwischen die Rolle als Betriebsleiter aus. Sein großes Ziel ist, dass er einmal vom Verkauf der Weihnachtsbäume leben kann. „Des mit die Bäum, des ist mir einfach wichtig”, sagt er.
So wichtig, dass er sich intensiv darum bemüht hat, Vorsitzender der Bayerischen Christbaumanbauer zu werden. Der Betrieb der Familie ist seit Jahren Mitglied im Verein. Dieser hat rund 200 Mitglieder aus ganz Bayern, die sich über Themen wie Anbau, Preise, Rechte und Pflichten austauschen. Ziel des Vereins ist die Absatzförderung heimischer Christbäume.
Bei der Frühjahrsversammlung wurde Christopher Sturm als Schriftführer vorgeschlagen. Außerdem hatte der damalige Vorsitzende Thomas Emsländer angekündigt, dass er seinen Posten aufgeben werde. Im Nachgang der Versammlung war Sturm nicht ganz zufrieden. Ein Amt als Schriftführer war okay für ihn, „aber ich dachte mir, theoretisch könnte ich auch den Vorstand machen”.
Kurzerhand rief er Thomas Emsländer an und unterbreitete den Vorschlag. Der ältere stimmte zu – falls ihn die Mitglieder bei der Versammlung wählen, versicherte Emsländer, dass er Sturm intensiv ins neue Amt einführen werde. So ist es geschehen, die Mitglieder der Bayerischen Christbaumanbauer wählten Christopher Sturm im September einstimmig zum Vorstand.
Bei der Einführung ins Amt möchte Sturm im kommenden Jahr noch eng vom Ex-Vorstand Emsländer und dessen Sohn begleitet werden. „Ich will nicht einfach so alles übernehmen, ich möchte den anderen vorgestellt werden. Anders geht das nicht”, ist der 26-Jährige überzeugt. Er ist nicht nur der jüngste Vorstand der Bayerischen Christbaumanbauer, sondern auch der Europas.
Moderner und attraktiver soll der Verband unter seiner Führung auch für jüngere Menschen werden, das ist Sturms Ziel. Zu seinen neuen Aufgaben gehört es, an die rund 200 Mitgliedsbetriebe die Preise der Saison durchzugeben und über Entwicklungen des Marktes zu informieren. Trotz Frostschäden in einigen Regionen Bayerns „gibt es genügend Bäume für alle”, meint Sturm. Aufgrund des Mindestlohns und der steigenden Energiekosten sind sie etwas teurer als im letzten Jahr. Zwischen 19 und 27 Euro pro Meter zahlt man in der Region. Noch immer können sich alle, die das möchten, einen Baum leisten, ist der Christbaumanbauer überzeugt.
Dabei bricht er eine Lanze für den regionalen Baum. „Wer regional kauft, sichert Arbeitsplätze und unterstützt Familienbetriebe in der Region”, sagt Sturm. Im Familienbetrieb wird er im Verkauf und im Büro in den kommenden vier Wochen lange arbeitsreiche Tage haben. Er wünscht sich, dass er möglichst viele Familien glücklich machen kann. Zuletzt kommt die eigene: zum 24. Dezember suchen sich auch die Sturms einen Christbaum aus – um darunter gemeinsam ihre schönste Zeit des Jahres abzuschließen.