Das Ärztezentrum in Uffenheim öffnet seine Pforten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.01.2025 18:06

Das Ärztezentrum in Uffenheim öffnet seine Pforten

Bürgermeister Wolfgang Lampe (rechts) überreicht den Schlüssel an das AZU-Team um die Ärzte Julian Zeilner (im schwarzen Pullover) und Wolfgang Barz (links hinten). (Foto: Johannes Zimmermann)
Bürgermeister Wolfgang Lampe (rechts) überreicht den Schlüssel an das AZU-Team um die Ärzte Julian Zeilner (im schwarzen Pullover) und Wolfgang Barz (links hinten). (Foto: Johannes Zimmermann)
Bürgermeister Wolfgang Lampe (rechts) überreicht den Schlüssel an das AZU-Team um die Ärzte Julian Zeilner (im schwarzen Pullover) und Wolfgang Barz (links hinten). (Foto: Johannes Zimmermann)

„Heute ist ein denkwürdiger, heute ist ein freudiger Tag“, sagt Altlandrat Walter Schneider. Denn nach zehn Jahren mit vielen Steinen im Weg war es am gestrigen Freitag so weit: Das Ärztezentrum Uffenheim (AZU) öffnet im Nebengebäude der Heiligenfeld-Klinik seine Pforte. Der Ansturm ist schon um 11 Uhr groß.

Die ärztliche Versorgung war in Uffenheim 2014 schon ein Thema, als Wolfgang Lampe gerade frisch gewählt das Bürgermeisteramt übernahm. Zahlreiche Hausärzte waren „60+“, immer mehr schlossen ihre Praxen, ohne Nachfolge. Damit die Region Uffenheim nicht in die Unterversorgung rutscht, setzte sich Lampe jenes Thema auf die Agenda und liebäugelte schon früh mit einem MVZ. Doch der Weg war lang.

Die Stadt setzt sich für die Infrastruktur ein

Die Stadträte waren anfangs der Meinung, dass ein solches Zentrum privatwirtschaftlich organisiert und gebaut werden müsste. Aber kein Arzt sei heute noch bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen. Entsprechend sieht und sah der Bürgermeister durchaus die Stadt in der Pflicht, sich für eine gute Infrastruktur und damit Versorgung einzusetzen.

Wolfgang Lampe führte sehr viele Gespräche, bis Weihnachten 2023 das Projekt Fahrt aufnahm. Eine Absichtserklärung wurde mit einer Baufirma getroffen, Ende 2025 soll dann das eigentliche Ärztezentrum an der Wiesenstraße fertig werden. Bis dahin findet das AZU an der Heiligenfeld-Klinik ein Domizil. Lampe dankt den Verantwortlichen für die gute Zusammenarbeit. Auch für Sparkassen-Direktor Gunther Frautz hat er lobende Worte, schließlich habe dieser unbürokratisch einen Teil der Bürgschaft sichergestellt – somit konnte der Zeitplan gehalten werden.

Der zehnjährige Weg hin zum AZU findet also ein glückliches Ende. Altlandrat Schneider berichtet von großen Steinen, die hier und da die Strecke blockierten. Zu seiner Amtszeit habe er schon die Wolken am Horizont gesehen, was den Ärztemangel auf dem Land angeht. „Hier ist ein echter Notstand.“ Das AZU stelle jetzt die Versorgung des Landkreiswestens sicher, alleine rund um Uffenheim also für gut 14.000 Menschen.

Die Schlange ist gleich zu Beginn da

Der Bedarf ist da, das zeigt die Schlange der Patientinnen und Patienten, die sich noch vor 11 Uhr in die Reihe stellen, um sich in der Praxis anzumelden. Denn wie der ärztliche Leiter Julian Zeilner betont, müssen alle neu angelegt werden, schließlich greife das AZU nicht auf einen bestehenden Patientenstamm zurück. Dieser müsse sich jetzt erst nach und nach aufbauen.

Zeilner kann aus eigener Erfahrung berichten, dass sich in der gesamten Metropolregion Nürnberg immer wieder Menschen mit leichteren Beschwerden in die Notaufnahme verirren, weil sie einfach keinen Hausarzt finden. Lampe nickt zustimmend. Auch er kennt viele Uffenheimer, die dieses Schicksal teilen. Die Odyssee für so manchen nach Ochsenfurt, Rothenburg oder Sugenheim endet nun.

„Wir haben jetzt auch eine gewisse Notfallversorgung vor Ort“, betont der ärztliche Leiter. Einem Labor und zahlreichen möglichen Testungen sei Dank. Da die Geräte geleast sind, könne man diese stets auf dem modernsten technischen Stand halten. Und auch so mancher Facharzt habe Interesse bekundet, womöglich mit dem AZU zu kooperieren. Beispiele nennt Zeilner aber noch nicht. Vorerst steht ihm Hausarzt Wolfgang Barz zur Seite, schließlich braucht ein MVZ immer zwei Mediziner. Eine Nachfolgerin steht schon in Aussicht.

Ja, es habe auch kritische Stimmen zum AZU gegeben, betont Lampe. „Aber 99,9 Prozent der Bürger stehen hinter dem Projekt.“ Pfarrer Frederik Heid zeigt sich irritiert von so mancher Äußerung. Es sei „beschämend“, dass in dieser Intensität um ein solch sinnvolles Vorhaben gestritten wurde. Heid und Kollege Florian Sassik erklären, dass der Mensch und dessen ärztliche Versorgung im Mittelpunkt stehen müssen – und keine Zeit für Nebenschauplätze verschwendet werden sollte.

Großes Engagement aller Beteiligten

Die kaufmännische AZU-Leiterin Gabriele Dostal dankt vor allem allen fleißigen Helfern im Hintergrund. Noch vor einiger Zeit habe sie die Räume leer gesehen. Was seitdem über Weihnachten und Silvester geleistet wurde, sei außergewöhnlich. „Wenn es so weitergeht, mache ich mir keine Sorgen ums MVZ.“ Landratsstellvertreterin Ruth Halbritter betont, wie wichtig die hausärztliche Versorgung als Standortfaktor sei – ein Stück „Daseinsvorsorge“.

Am Anfang könne es noch zu längeren Wartezeiten kommen, so Zeilner. Schließlich müsse sich alles erst einspielen, manches ergebe sich erst im laufenden Betrieb und müsse dann geheilt werden. Gestartet wird mit offenen Sprechstunden, ab Ende Januar „gehen wir dann in den Regelbetrieb“. Zum Wohle der Bürger.

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