Fast 40 Leute kamen zum Streuobst-Workshop in Weigenheim, der kleinsten der drei Landkreisgemeinden, die sich am Projekt „Mehr Baamaland für Frankens Mehrregion“ beteiligen. Hochzufrieden mit dieser Resonanz zeigte sich denn auch Anna Rühl, die Zuständige von Seiten des Landschaftspflegeverbandes.
Genau wie sie freuten sich Bürgermeister Rainer Mayer und der Weigenheimer Streuobst-Experte Richard Ittner über die Resonanz bei der Auftaktveranstaltung. Ziel ist es, dass Streuobstwiesen erhalten oder sogar ausgebaut werden. Es handelt sich nämlich um einen der artenreichsten Lebensräume, der das Landschaftsbild prägt und die Menschen mit gesundem und wohlschmeckendem Obst erfreut.
Anna Rühl stellte zunächst mit dem Streuobstberater des Landkreises Florian Kleinschroth das Projekt vor. Für die einzelnen Maßnahmen fließen beträchtliche Fördermittel.
„Es ist ein Mitmachprojekt“, betonte Anna Rühl gegenüber der Presse. Die Mitwirkenden waren großteils schon zuvor streuobst-begeistert, zum Beispiel die Mitglieder der Gartenbauvereine, aber auch die Mitarbeiter der Baumschule bei der Zellesmühle. Richard Ittner, ein profunder Kenner alter Sorten, bezeichnete der Bürgermeister schon zuvor als Grund dafür, dass Weigenheim „Baamaland“-Projektgemeinde wurde.
Rege wurde gleich über die ersten Ideen aus dem Publikum diskutiert. In sieben Arbeitsgruppen versuchte man, einzelne Themenbereiche über das Ideenstadium hinaus zu entwickeln. Eine der Gruppen beschäftigte sich so mit einer Streuobstbaumallee, die als prägendes Landschaftselement gedacht ist. Eine andere entwickelte den Gedanken eines „Sortenwanderwegs“ weiter, der an speziellen Bäumen, auf denen alte Sorten wachsen, vorbei führt. Ein Stichweg, an dem schon zu Bürgermeister Schneiders Zeiten mehr als 30 Bäume gepflanzt wurden, könnte dadurch zu einem Rundweg werden.
Ein Arbeitskreis befasste sich eingehender mit der Unternutzung, also der Bodenbewirtschaftung. Neben der üblichen Streuobstwiese sei auch ein Acker denkbar, erläuterte Rühl. In Weigenheim komme das aber kaum in Frage. Aber auch bei der Wiese gilt es, einige Fragen zu klären: Wie oft mäht man sie? Was geschieht mit der Mahd?
Eine weitere Gruppe vertiefte sich in die Sortenwahl. Welche Sorten kann man Allergikern empfehlen? Welche Äpfel reifen früh, welche spät? Welche Verwertung strebt man an? Und dann ist letztlich natürlich alles eine Geschmacksfrage . . .
Einige Leute beschäftigten sich mit den Kursen zur Pflege von Obstbäumen. Zwar bietet der Gartenbauverein schon einen solchen Kurs in Weigenheim an, doch es sei wichtig, auch Menschen mit geringen Vorkenntnissen die Scheu zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die vorhandenen Obstbäume besser gepflegt werden. In eine ähnliche Richtung gehen Konzepte für Baumpatenschaften, die ebenfalls zum Zustand der Bäume selbst und zum Wissensstand in Sachen Streuobst beitragen sollen.
Für die Pflege der Bäume und besonders für den Erhalt alter Sorten ist die Erfassung des Bestands der Bäume eine wichtige Voraussetzung. Eine Sorte zu bestimmen ist eine Wissenschaft für sich, für die es laut Ittner „drei Experten und fünf Bücher“ braucht.
Die letzte Arbeitsgruppe überlegte sich, ob die Gründung einer Gemeinschaft für den Anbau und die Vermarktung des geernteten Obstes sinnvoll sei. Schon jetzt gibt es, ebenfalls vom Gartenbauverein ein Event zum Saisonabschluss, bei dem gemeinsam das Obst der letzten Bäume aufgeklaubt und für den Einheimischen angeliefert wird.
Der Weigenheimer Auftaktworkshop war der dritte und letzte der drei Projektbeteiligten aus dem Landkreis. Neben Themen, die in allen Gemeinden wichtig sind wie die Pflege der vorhandenen Bäume, machte Rühl dabei auch spezielle Schwerpunkte aus: In Burghaslach lag demnach großes Augenmerk auf der Bestandserfassung, in Weigenheim spielten alte Sorten eine besondere Rolle. Burgbernheim ist mit dem Streuobstkompetenzzentrum schon am tiefsten in die Materie eingetaucht.
Bürgermeister Rainer Mayer bezeichnete die Auftaktveranstaltung als sehr gelungen. „Jeder ist sich bewusst, dass Streuobst extrem wertvoll ist – aber es wurde ins Bewusstsein gerückt, wie wichtig dieser Lebensraum für die Artenvielfalt und für das Landschaftsbild ist.“ Die Begeisterung der Anwesenden soll jetzt möglichst noch weitere Personenkreise infizieren: „Es wäre schade, wenn wir draußen Bioobst haben, das verrottet.“
Jetzt geht es darum, den Schwung aus der Auftaktveranstaltung in konkrete Projekte umzumünzen und verschiedene Verantwortliche zu benennen. Denn Arbeit gibt es, wir Richard Ittner betont, rund um das Streuobst jede Menge.