Für die einen ist es ein interessanter Blick hinter die Kulissen, für die anderen das zweithöchste Fest im Kalenderjahr: Das Landratsamt lud zur traditionellen „Schuttplatzkerwa“ in Dettendorf ein und gab dabei einen Überblick über die aktuellen Baumaßnahmen.
Die Endversiegelung zweier Abschnitte, der sogenannte „Deckel“, soll bis Ende nächsten Jahres „draufkommen“. Dadurch rückt zukünftig die Deponie in Uffenheim mehr in den Fokus der Anlieferer, betonten die Verantwortlichen. Auch der Wertstoffhof könnte bald verändert werden, hieß es.
Rund 80 Interessierte durfte Reinhard Streng, seines Zeichens stellvertretender Landrat, zum gemeinsamen Rundgang über die Energie- und Verwertungsanlage in Dettendorf begrüßen. „Unser lieber Christian muss bei seinem Heimspiel heute leider passen, er ist in Bad Windsheim für die Landesgartenschau unterwegs“, entschuldige Streng Landrat Dr. Christian von Dobschütz. „Wir feiern heute quasi den 52. Geburtstag dieser Deponie. Wir feiern jedoch nicht nur das hohe Alter, sondern wir evaluieren und passen die Deponie stetig an die wachsenden Ansprüche an. Das Team hier und im Landratsamt macht das wirklich ausgezeichnet“, lobte Streng die Arbeit der Fachleute.
Anschließend zog der Tross auf den höchsten Punkt der Deponie – allerdings nicht (nur), um einen herrlichen Panoramablick ins Aischtal zu genießen. Hier oben informierte Projektleiter Thomas Grewe über „Ulf“ und „Detlef“, die für ihn die komplizierten Umschreibungen „Uffenheimer Endlagerfläche“ und „Dettendorfer Endlagerfläche“ vereinfachen. „Wir haben bereits im Jahr 2019 von der Stadt Uffenheim die Deponie gekauft. In zwei Bauschritten haben wir diese erweitert und rekultivieren den alten Teil“, so der Abfallwirtschaftsexperte vom Landratsamt.
„Derzeit werden die Straßen noch saniert, die gesamte Maßnahme soll bis Ende des Jahres fertig sein.“ Doch was genau hat Uffenheim jetzt mit Dettendorf zu tun? „Ganz einfach. Die Deponie in Uffenheim hat ein Fassungsvolumen von rund 475.000 Kubikmetern, während wir in Dettendorf über 100.000 Kubikmeter reden. Die Anlage dort ist als Entlastung dieser hier zu verstehen.“ So sollen künftig vor allem Großbetriebe ihren Abfall nach Uffenheim fahren. Während in Uffenheim die Arbeiten laufen, um für die Zukunft gerüstet zu sein, kommt in Dettendorf „der Deckel drauf“, so Grewe.
Was die saloppe Formulierung konkret bedeutet, erklärten Julian Kramer vom ausführenden Planungsbüro und Bauleiterin Maria Haferstroh. „Aktuell haben wir nur eine temporäre Lösung. Das wird jetzt geändert, wir reden also über die Endversiegelung“, so Kramer. Konkret würden rund 15.000 Kubikmeter bewegt werden. „Die Böschungen sind steiler, als sie sein sollen. Und unter der alten Werkstatt liegt noch einiges an Müll, der dort zukünftig nicht mehr hingehört.“ Vorteilhaft sei, dass vieles an Material bereits auf der Anlage vorhanden sei und genutzt werden könne. „Neben der Endversiegelung der rückwärtigen Kassetten wird die Werkstatt abgerissen, und die Gasbrunnen werden erneuert.“
Doch warum ist diese Endversiegelung notwendig? „Damit verhindern wir, dass der Niederschlag in die Deponie eindringt, Schadstoffe ins Grundwasser bringt und damit die Umwelt verschmutzt“, betonte Bauleiterin Haferstroh. Konkret würden verschiedene Schichten dafür sorgen, dass der Müll auf lange Zeit geschützt sei und damit keinen Ärger verursache. „Wir reden dabei über einen Zeitrahmen von 100 Jahren, im besten Fall natürlich noch weit darüber hinaus.“
Nach dem Exkurs in die aktuellen Maßnahmen der Abfallwirtschaft im Kreis ging es zur zweiten Station in den Wertstoffhof. Dort informierte Andreas Horneber über Gedankenspiele für die Zukunft: Unter anderem werde derzeit darüber nachgedacht, ein kennzeichenbasiertes Bezahlsystem einzuführen.
„Wir haben auf den Karten schon manuell auf Kennzeichen umgestellt. Das große Problem ist nur, dass wir bei einer Vollautomatisierung die notwendigen Gegebenheiten schaffen müssten. Das ist im laufenden Betrieb allerdings sehr schwierig“, so Horneber. „Darüber hinaus überlegen wir aktuell, ob wir die Trennung zwischen kostenpflichtigem und kostenlosem Bereich nicht aufheben und so mehr Platz zur Verfügung haben.“
Florian Heiselbetz veranschaulichte nach Hornebers kurzem Zukunftsausflug die Verwendung der Grüngutanlieferung. „Hier hinter mir sehen Sie Blumenerde. Das ist nur eine der vielen Formen, die aus dem Grüngut entsteht“, so Heiselbetz. Gleichzeitig gab er den Zuhörerenden noch einen ungewöhnlichen Begriff mit auf den Weg: Endophon.
Was klinge wie ein Musikinstrument, sei der direkte Zusammenhang zwischen Abfall- und Müllwirtschaft. „Wer aufmerksam durch unsere Heimat fährt, der sieht wieder viel mehr Kühe auf den Wiesen. Das liegt daran, dass das Endophon – alle Lebewesen in der obersten Erdschicht – eine deutlich höhere Qualität als noch vor einigen Jahren besitzt.“
Nach dem umfangreichen Blick hinter die Kulissen ging es dann zum „feierlichen Teil“ über: Zwar ohne Musik, dafür aber bei Karpfen und Bratwürsten sowie Bier und Wein tauschten sich Experten und Anwohnerinnen und Anwohner über die Historie der Deponie und ihre eigenen Geschichten aus. So, wie es schon immer war – auf der Dettendorfer „Schuttplatzkerwa“.