Die Sprengung eines Geldautomaten in Lichtenau (Landkreis Ansbach) ist geklärt. Die Polizei hat neun Mitglieder einer Bande aus Holland verhaftet. Sie wird jedoch nicht für die Sprengung eines Automaten in Dombühl (Landkreis Ansbach) verantwortlich gemacht.
Der Bande werden mehr als 50 Straftaten in Deutschland mit einem Gesamtschaden von mehr als zehn Millionen Euro zur Last gelegt. Am Montag wanderten in den Niederlanden und in Belgien neun Männer in Haft. Drei Männer werden noch gesucht. Sie sollen 34 Geldautomaten in Bayern, 17 in Baden-Württemberg sowie einen Geldautomaten in Thüringen aufgesprengt haben, um an das Bargeld zu kommen.
Das bayerische Landeskriminalamt ist davon überzeugt, dass die Bande auch am 26. Januar 2022 in Lichtenau zuschlug. „Die Tat ist ihnen zuzurechnen”, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts gegenüber der FLZ. Nähere Auskünfte lehnte sie zum jetzigen Zeitpunkt ab.
Im Lichtenauer Ortszentrum hatte gegen 3.20 Uhr ein lauter Knall die Anwohner aus dem Schlaf gerissen. Im Erdgeschoß eines Wohnhauses war ein Geldautomat der VR-Bank explodiert. Weil zunächst unklar war, ob dafür Gas eingesetzt wurde, rückte die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an. Das Haus wurde evakuiert.
Die Täter hatten jedoch, wie sich herausstellte, festen Sprengstoff verwendet. Ihre Beute bezifferte die Staatsanwaltschaft auf mehrere Tausend Euro. Wesentlich höher war der Schaden in der Filiale. Sie musste für rund 250.000 Euro saniert werden.
Am 24. Dezember 2020 war ein Automat der VR-Bank in Dombühl gesprengt worden. Anwohner beobachteten drei oder vier Personen, die in der Nacht kurz vor 3 Uhr am Marktplatz einen Geldautomaten zur Explosion brachten. Dabei setzten sie ein fein dosiertes Gas-Luft-Gemisch ein, so dass das Bargeld in den Automaten nicht zerstört wurde. Die Höhe der Beute blieb unbekannt.
In Bayern haben die Automaten in den vergangenen Jahren mehrere Banden angelockt. Sie arbeiten alle nach dem selben Muster und nehmen Automaten in kleinen Orten in der Nähe einer Autobahnauffahrt ins Visier. Damit ist am frühen Morgen gegen 3 Uhr, der üblichen Tatzeit, ein schneller Fluchtweg garantiert. Automaten im Innenbereich von Filialen sind meist besser gesichert und videoüberwacht. Deshalb gehören Automaten, die von außen an einer Wand zugänglich sind oder sogar frei stehen, zu den bevorzugten Zielen.
Dombühl liegt wie Lichtenau nur wenige Kilometer von einer Autobahnauffahrt entfernt. Acht Tage vorher kam es zu einer ähnlichen Tat in Heroldsberg (Landkreis Erlangen-Höchstadt), vier Tage später in Hiltpoltstein im Landkreis Forchheim. Die Täter flüchteten jeweils mit einem dunklen Kombi der Marke BMW oder Audi.
Das Landeskriminalamt geht nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass die Sprengung in Dombühl nicht von der holländischen Bande verübt wurde. Ihr werden derzeit Taten erst ab November 2021 zur Last gelegt. Die Serie begann in Heimertingen im Unterallgäu und in Wolpertshausen (Landkreis Schwäbisch Hall). Im Unterallgäu war auch die letzte Sprengung. Eine Explosion in Erkheim am 19. Januar lieferte offenbar den Ermittlern die entscheidenden Hinweise.
Wie ein Sprecher des mittelfränkischen Polizeipräsidiums auf FLZ-Anfrage mitteilte, ist der Fall in Dombühl weiter offen. Die Ermittlungen brachten trotz mehrerer Zeugenhinweise bisher kein Ergebnis.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann wies am Donnerstag in München auf die starke Zunahme solcher Taten hin. Mit 37 Geldautomatensprengungen gab es im Jahr 2022 in Bayern einen Rekordwert. Im Jahr 2020 waren es 24 Sprengungen, im Jahr 2021 wurden 17 Sprengungen verzeichnet. Auch bundesweit gab es vergangenes Jahr einen Rekordstand mit 493 Taten. „Das müssen wir sehr ernst nehmen”, erklärte der Innenminister.
Während die Zahl der traditionellen Banküberfälle deutschlandweit von mehr als 1600 im Jahr 1993 auf 28 im Jahr 2021 stark gesunken ist, nimmt das Sprengen von Geldautomaten erheblich zu. Zwischen 2006 und 2021 hat sich die Zahl von 30 auf knapp 400 mehr als verzehnfacht.
Innenminister Joachim Herrmann hat die Banken zum Handeln aufgefordert, um Bargeld bei einer Sprengung zu zerstören. „Ein großes Potential sehe ich auch beim Einsatz von speziellen Einfärbe- und Klebesystemen, die die Geldnoten unbrauchbar machen”, sagte Herrmann weiter. „Dadurch würde sich eine Sprengung nicht mehr lohnen.” Das Landeskriminalamt hat dazu Gespräche mit den Bankenverbänden angekündigt.