Die Polizei sucht in Wassertrüdingen einen lädierten, blauen VW Polo, der irgendwo versteckt wurde – und findet nach einem Hilferuf an die Bevölkerung sogar zwei von der Sorte: Die Ermittlungen um das mysteriöse Gefährt im südlichen Landkreis Ansbach treiben immer kuriosere Blüten. Was steckt hinter dem rollenden Wrack?
Da ist sich Marcus Breiden, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Dinkelsbühl, auch noch nicht ganz sicher. Sein Team ermittelt weiterhin im Kontext eines VW Polo, der über Wochen immer wieder an anderen Stellen im Stadtgebiet Wassertrüdingen aufgetaucht war.
Das Problem: Das Fahrzeug hat keine Zulassung, wurde also offensichtlich verbotenerweise bewegt. Deshalb suchten die Beamten zunächst die unbekannte Person am Steuer des Autos. Als die Ermittler aber einen 18-Jährigen als mutmaßlichen Fahrer überführen konnten, fehlte wiederum von besagtem Polo jede Spur. Der 18-Jährige schwieg.
Die Polizei fragte also die Öffentlichkeit um Rat: Wer hat im Raum Wassertrüdingen einen solchen geparkten Wagen gesehen, dem äußerlich übel mitgespielt wurde?
Wer aber dachte, dass es im Gebiet nur einen beschädigten blauen VW Polo geben dürfte, der im Niemandsland abgestellt wurde, wurde eines Besseren belehrt. Tatsächlich habe die Polizei im Laufe des Wochenendes inzwischen zwei entsprechende Fahrzeuge gefunden, sagt Breiden. Beide sind VW Polos, beide blau, beide mit zerstörter Scheibe. Der eine abgestellt im Gestrüpp bei Unterschwaningen, der andere in Mönchsroth.
Miteinander zu tun haben die Fahrzeuge aber nichts, erklärt Breiden. Reiner Zufall. Der Wagen bei Mönchsroth gehöre einem Halter, der nun aufgefordert werde, sein Auto zu entfernen. Generell scheinen verwaiste Autos ein wiederkehrendes Problem zu sein: Erst kürzlich beschäftigte sich die Stadt Ansbach monatelang mit einem vor sich hin modernden Kleinwagen, um dessen Entsorgung sich der Besitzer nicht kümmern wollte. Das Modell? Natürlich ein VW Polo.
Der Polo in Unterschwaningen allerdings ist tatsächlich das von der Polizei gesuchte Gefährt. Wobei Wrack wohl eher zutrifft: „Der Zustand ist wirklich miserabel”, sagt Breiden. Laut ihm wurde der Polo mit Steinen beworfen. Die Zulassung ist längst erloschen, allerdings hätten nach derzeitigem Ermittlungsstand wohl mehrere Personen das Auto immer wieder unerlaubterweise bewegt. Das würden auch Überwachungsvideos nahelegen, die der Polizei inzwischen vorliegen.
Und offenbar gehört das Fahrzeug auch jenem 18-Jährigen, den die Polizei ohnehin als Fahrer im Visier hatte. Das habe sich aus den Ermittlungen zu den früheren Eigentumsverhältnissen ergeben. Was den jungen Mann und möglicherweise weitere Personen dazu verleitet hatte, den eigenen Kleinwagen zu demolieren? „Das dürfen Sie mich nicht fragen”, sagt Breiden lachend.
Um die Entsorgung des Autos werde sich nun die Gemeinde Unterschwaningen kümmern. Der 18-Jährige, der keinen Führerschein besitzt, muss mit den entsprechenden Kosten rechnen. Weitere strafrechtliche Ermittlungen laufen.