Neues ICE-Werk rund um Nürnberg komplett gestrichen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.04.2023 15:16

Neues ICE-Werk rund um Nürnberg komplett gestrichen

Ein ICE im Werk Nürnberg: Die Deutsche Bahn hatte unter anderem um Heilsbronn nach einem Standort für die Instandhaltung der Schnellzüge gesucht. (Foto: Johannes Hirschlach)
Ein ICE im Werk Nürnberg: Die Deutsche Bahn hatte unter anderem um Heilsbronn nach einem Standort für die Instandhaltung der Schnellzüge gesucht. (Foto: Johannes Hirschlach)
Ein ICE im Werk Nürnberg: Die Deutsche Bahn hatte unter anderem um Heilsbronn nach einem Standort für die Instandhaltung der Schnellzüge gesucht. (Foto: Johannes Hirschlach)

Nach jahrelangen Vorplanungen und erheblichen Problemen bei der Standortsuche verzichtet die Deutsche Bahn auf den Bau eines neuen ICE-Werks im Raum Nürnberg. Das gab der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel, am Donnerstag in Nürnberg bekannt. In das neue Werk hätten rund 400 Millionen Euro investiert werden sollen. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Bemühungen einzustellen“, sagte Josel.

Es werde kein neues ICE-Instandhaltungswerk in Bayern geben, sagte er. Alternative Optionen würden jetzt geprüft. „Wir arbeiten mit Hochdruck an alternativen Lösungen für die ICE-Instandhaltung“. Die Bahn brauche ein zusätzliches ICE-Werk. Monatlich würden drei neue Garnituren des Schnellzuges ausgeliefert. Die Züge müssten gewartet, gereinigt und repariert werden.

Heilsbronn als Standort für ICE-Instandhaltung geprüft

Die Deutsche Bahn hatte nach Angaben von Josel in den vergangenen zweieinhalb Jahren über 100 Standorte im Raum Nürnberg erörtert. Auch ein Platz bei Heilsbronn sowie bei Müncherlbach im Landkreis Ansbach befanden sich in der engeren Auswahl - ebenso bei Raitersaich im Nachbarlandkreis Fürth.

Die Pläne waren unter Anwohnern auf heftigen Protest gestoßen, bis sich Anfang 2022 abzeichnete, dass keine der Flächen im Landkreis Ansbach geeignet schienen.

Nach dem Raumordnungsverfahren, in das drei andere Standortmöglichkeiten eingeflossen waren, blieb lediglich das Gelände eines ehemaligen Munitionslagers nahe der Stadt Feucht übrig. Dort hatte es unter anderem erhebliche Probleme bei der Beseitigung von Kampfmitteln gegeben. In der Bevölkerung hatte sich auch dort erheblicher Widerstand gegen die Umsetzung der Bahn-Pläne geregt. Am Ende kam die Bahn zu dem Schluss, dass es die riesigen Herausforderungen - etwa beim Beseitigen alter Kampfmittel - nicht wert sind.

Vergeudete Millionen durch Standort-Suche

Wie viel Geld nun durch die erfolglose Standortsuche in und um Nürnberg verloren ging, wollte die DB am Donnerstag nicht offenlegen - es dürfte ein zweistelliger Millionenbetrag sein.

In der Klemme stecken nun auch die Naturschützer. Sie hatten sich gegen die von der Bahn ins Spiel gebrachten Standorte gestellt, weil diese allesamt den Reichswald um Nürnberg in Mitleidenschaft gezogen hätten - mitsamt der Belastungen für das Grundwasser, der Lichtverschmutzung durch helle Scheinwerferbeleuchtung und der Lärmbelastung, etwa durch ständige Hup-Tests. Andererseits bedauern sie den Verzicht auch. Dass Hunderte Bäume nicht der Kettensäge zum Opfer fielen, bezeichnete der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Richard Mergner, als „Riesenerfolg“.

Andererseits hätten der Bund Naturschutz wie auch etwa die Grünen das ICE-Werk als Teil einer umweltverträglichen Verkehrswende von der Straße auf die Schiene gutgeheißen. Ein entsprechender Vorschlag, das Werk in den Nürnberger Binnenhafen zu verlegen, sei auch mangels Unterstützung von Stadtspitze und Staatsregierung nicht weiterverfolgt worden. „Für die Verkehrswende wäre ein ICE-Werk in der Region ein wichtiger Baustein gewesen, da er in der Zukunft zusätzliche Bahnverbindungen ermöglicht hätte“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sascha Müller.


Von hir/dpa
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