Abi-Prüfungen, Feiern oder Reisen: Dies fällt in diesem Jahr in Bayern vielerorts aus. Grund ist die Übergangsphase vom acht- zum neunjährigen Gymnasium (G8 und G9). Das Theresien-Gymnasium Ansbach ist eine von nur rund 100 Schulen im gesamten Freistaat, die dennoch einen Abiturjahrgang stellen. Wie erleben dies die jungen Menschen?
„Wir sind in der Region die einzige Schule“ mit einem Abiturjahrgang, schildert die neue Leiterin des Theresien-Gymnasiums, Andrea Pfeiffer. Auf dieses letzte G8-Abi arbeiteten 59 Schülerinnen und Schüler aus ganz Westmittelfranken sowie eine externe Abiturientin hin. Sie bereitet sich individuell vor und kommt bloß zu den Prüfungen.
Zu den Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr in Bayern trotz allem Abitur machen, zählen diejenigen, die eine der Einführungsklassen besuchten. Diese erleichtern Absolventinnen und Absolventen der Realschulen, der Wirtschaftsschulen und der Mittlere-Reife-Klassen der Mittelschulen den Übertritt aufs Gymnasium. Das ThG hat solche Einführungsklassen-Schülerinnen und -Schüler traditionell.
Ganze 40 des aktuellen Jahrgangs stammen aus der Einführungsklasse vor zwei Jahren. „Wir sind die Schule mit einer der größten und auch etabliertesten Einführungsklassen in der Region“, stellt die Chefin fest. Hinzugekommen seien einige junge Menschen, von wo auch immer, die zum Beispiel durchgefallen oder zugezogen waren.
Die ungefähr 100 Schulen bilden demnach ein „Auffangnetz“, wie es Bayerns Kultusministerium nennt. Wie die ThG-Leiterin erläutert, „waren von vorneherein diese Schulen im Visier, die zum Beispiel so eine Einführungsklasse haben“.
Emily Krauss aus Rothenburg und Manuel Manske aus Oberdachstetten (beide 19) kamen jeweils über die Einführungsklasse in den Jahrgang. Beide engagieren sich als Kurssprecherin und Kurssprecher. Emily Krauss absolvierte in ihrer Heimatstadt die Oskar-von-Miller-Realschule und Manuel Manske die Johann-Steingruber-Schule Ansbach (Staatliche Realschule).
Wie kam es dazu, dass sie das Abitur anstreben? „Mit zehn entscheidet man sich für die Realschule und weiß noch nicht wirklich, was es bedeutet, die mittlere Reife zu machen“, betont Emily Krauss. In der zehnten Klasse habe sie seinerzeit gemerkt, dass sie für ihre Zukunft gern mehr Entscheidungsmöglichkeiten hätte. Sie möchte Humanmedizin studieren.
Manuel Manskes Freunde gingen in die Realschule – und er eben auch. „Ab der Zehnten war ich einfach schulbegeistert“, erzählt er, „dann hat die Schule Spaß gemacht.“ Also ging es noch in Richtung Gymnasium, damit er studieren kann. Sein Ziel ist Maschinenbau.
Jetzt legen dieses Jahr kaum junge Menschen in Westmittelfranken das Abitur ab, erwerben also die allgemeine Hochschulreife. Voriges Jahr war es am Theresien-Gymnasium etwa die doppelte Zahl an Abiturientinnen und Abiturienten, wie Manuel Manske erinnert. „Das ist ein bisschen merkwürdig.“ Das Angebot an Kursen sei damit kleiner.
Die Auswahl an Seminaren war etwas eingegrenzt, aber dennoch sehr ausgewogen, wie es Emily Krauss bezeichnet. „Wenn sich nur eine Person für ein Seminar meldet, dann klappt das halt nicht.“
Als Exotin oder Exot fühlen sich beide nicht. „Eher so ein bisschen im Vorteil, wenn ich an die Studienplätze denke, vor allem bei mir in Medizin“ – mangels vieler Konkurrentinnen und Konkurrenten, legt Emily Krauss dar. Sie denkt nicht, dass sie sich „an die letzte Hoffnung klammern muss“, um genommen zu werden. Aber es sei schon ein „Boost“, ein zusätzlicher Schub.
Während viele andere Schulen gar keinen Abiturjahrgang haben, ist es auch fürs Theresien-Gymnasium eine ungewohnte Situation. So drückt es die Leiterin Andrea Pfeiffer aus. „Wir kennen so einen kleinen Abiturjahrgang eigentlich nicht.“ Trotzdem laufe vieles andere ganz normal nach den üblichen Verfahren.
Der diesjährige Jahrgang hat in den beiden kommenden Wochen noch zwei Kolloquien vor sich. Schülerinnen und Schüler, die die Abiturprüfung erstmals nicht bestehen, können sie nach Angaben des Ministeriums im Herbst komplett wiederholen.