Hinter 13 Mitgliedern des Neustädter Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks (THW) liegen heftige Stunden. Am Samstagabend wurden sie ins Katastrophengebiet nach Pfaffenhofen abkommandiert. Nach ereignisreichen 24 Stunden kehrten sie zurück. Ihr Einsatzgebiet war evakuiert worden, wegen eines Dammbruchs.
Der THW-Ortsbeauftragte Johannes Wagner ist froh, dass alle gesund zurückkehrten. „Die Lage in Süddeutschland ist sehr angespannt.“ Aus Neustadt machten sich deshalb drei Fahrzeuge auf den Weg nach Ingolstadt, zur THW-Sammelstelle. Von dort rollte die große Helferschar im Konvoi über die Autobahn. „Wenn wir abkommandiert werden, muss es immer sehr schnell gehen.“ Längere Planungsphasen gebe es da nicht.
In Pfaffenhofen hatten die Neustädter Hilfskräfte die Aufgabe, einen Deich zu sichern und Sandsäcke zu verbauen. Über Funk erhielten sie dann die Hiobsbotschaft: „Alle Kräfte evakuieren, Damm gebrochen.“ Die Neustädter waren mittendrin im Gefahrengebiet, erklärt Wagner. „Sie waren zwar nicht im sichtbaren Bereich, allerdings schon in unmittelbarer Nähe. Entsprechend mussten sie Hals über Kopf ihre Einsatzstelle verlassen.“ Die Flucht vor den Wassermassen sei dann aber geordnet vonstatten gegangen, „es ist glücklicherweise von den Rettungskräften niemandem etwas passiert“.
Ziemlich erschöpft erreichten die 13 Männer und Frauen am frühen Sonntagabend ihren Heimathafen Neustadt wieder. Wagner rechnet damit, dass das nicht der letzte Einsatz für die Neustädter THWler in den Hochwasser-Katastrophengebieten war. „Die nächste Anfrage kommt bestimmt noch diese Woche, so wie sich die Lage darstellt.“ Das jedenfalls sei sein Bauchgefühl, denn die Einheiten in den extremen Hochwassergebieten müssten regelmäßig abgelöst werden – dafür braucht es frische Kräfte, die dann übernehmen.
„Gott sei Dank haben wir ein ruhiges Wochenende im heimischen Bereich gehabt“, sagt Johannes Wagner und betont: Wäre das THW im hiesigen Landkreis wegen der Starkregen-Auswirkungen alarmiert worden, hätte man genügend Kräfte und Fahrzeuge gehabt, um auszurücken – der Ortsbeauftragte spricht von der „Rückfallebene für die Landkreissicherung“, die ganz wichtig sei.
Am Sonntagabend machten sich auch vier Mitglieder der BRK-Kreisbereitschaft Neustadt/Aisch-Bad Windsheim mit den Fahrzeugen aus Scheinfeld und Markt Erlbach auf den Weg in den Landessüden. Angefordert hatte der Bezirksverband demnach eine Einheit der Schnelleinsatzgruppe für den Transport – über das Kontingent Mittelfranken. Drei Stunden später brachen die Helferinnen und Helfer auf, mindestens 72 Stunden werden sie in Bayerns Hochwassergebieten im Einsatz sein. „Die erste Welle ist immer ein Chaos – ich habe in zwei Stunden 55 Telefonate geführt“, sagt Kreisbereitschaftsleiter Rainer Bullmer. Untergebracht sind die BRKler in der Ritterburg des Günzburger Legolandes.
Bereits jetzt wurde angefragt, ob die Neustädter BRK-Kreisgruppe die vier Kräfte ablösen könnte. Bullmer ist dabei, dies zu organisieren. Dann könnten die beiden Fahrzeuge einfach vor Ort bleiben, die bisherigen Sanitäter und Fahrer mit einem Shuttletransfer zurückkommen. All das sei gerade eine ziemliche Jonglage – denn am Wochenende finden im Landkreis einige größere Veranstaltungen statt, die das BRK begleiten muss, so Rainer Bullmer.
Und die Feuerwehren? Wie Sprecher Rainer Weiskirchen mitteilt, gibt es auch für sie ein Kontingent im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Am Sonntag habe eine entsprechende Sitzung im Landratsamt stattgefunden. Allerdings rechnet er nicht damit, dass Feuerwehrkräfte abgerufen werden, weil Wehren in anderen Landkreisen mehr auf Hochwasser spezialisiert seien. „Wir wären wahrscheinlich dabei, wenn es irgendwelche größeren Feuerwehr-Einsätze gäbe“, Brände oder Ähnliches. Ausschließen lasse sich aber nichts. Wenn frisches Personal gebraucht wird, könnte durchaus auch das Neustädter Kontingent dabei sein.
Darin sind Mitglieder verschiedener Feuerwehren aus dem Landkreis. Schließlich sei es wichtig, so Weiskirchen, dass jede Wehr trotz der überörtlichen Hilfsdienste auch selbst einsatzbereit bleibt. Und wer weiß: Vielleicht kommt der Anruf ja noch.
In Südbayern waren auch Rettungskräfte aus Stadt und Landkreis Ansbach vom Bezirksverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft im Einsatz.