Es waren 32 Schüler der Klassen 9a und 9b, die im Jahr 1965 ihre Abiturprüfung an der damaligen Oberrealschule ablegten. Viele von ihnen sind nicht mehr am Leben, doch immerhin elf Ehemalige kamen jetzt in Ansbach zusammen, um das 60. Jubiläum ihres Reifezeugnisses zu begehen.
Als die inzwischen ergrauten Herren die Oberrealschule besuchten, standen an der Bahnhofstraße nur die Altbauten A und B, und in den auf dem Gelände noch existierenden Resten des im Krieg zerstörten Zocha-Schlösschens wurde noch unterrichtet – im Winter beheizt von einem Kanonenofen.
Jetzt kamen immerhin elf Ehemalige in Ansbach zusammen, um ihr Abitur-Jubiläum zu feiern. Zunächst ließen sich die Jubilare „ihre Schule”, im Jahr ihres Abiturs in Platen-Gymnasium umbenannt, von Christian Enghardt aus der Schulleitung zeigen. Es sei ihm eine „große Ehre”, die Ehemaligen herumführen zu dürfen, sagte Enghardt. War die damalige Oberrealschule noch eine reine Knabenschule, so seien am Platen-Gymnasium inzwischen ein Drittel Schülerinnen. Und im Kollegium seien mit 40 Lehrerinnen und 25 Lehrern eindeutig die Frauen auf dem Vormarsch. Mit den Jahren seien die Gebäude C und D gebaut worden, so Enghardt, und zwischen ihnen die Mensa der Schule, die inzwischen für die offene Ganztagsbetreuung genutzt werde.
Der Studiendirektor führte die Jubilare im A-Bau in den ehemaligen Physiksaal, der inzwischen als Computerraum dient. Monitore, wohin man schaut – so sehen heutzutage die Räume für den Fachunterricht aus.
Die ersten Anekdoten wurden erzählt. Zum Beispiel, wie man im Chemieunterricht den Schlauch des Bunsenbrenners abgezogen habe und der Chemielehrer wegen der erlöschenden Flamme die Gaswerke beschimpfte. Oder wie einer der Sportlehrer während des Unterrichts genüsslich seine Zigarre paffte.
Andere Lehrer pflegten noch den militärischen Drill und ließen die Schüler in Reih und Glied antreten. Man erinnerte sich daran, dass der ehemalige Schulleiter nur noch als „normaler” Lehrer beschäftigt war. „Er war halt zur falschen Zeit Schulleiter gewesen”, verwiesen die Jubilare darauf, dass in den 1960er-Jahren die Nazi-Zeit noch nicht lange vorbei war.
Und sie erinnerten sich, dass ihr Abiturzeugnis speziell war. Der Ansbacher Dichter August Graf von Platen war im Jahr 1965 zum Namensgeber für die Oberrealschule und das spätere Gymnasium gemacht worden. Also hätte der Name „Platen Oberrealschule” die Zeugnisse zieren sollen. Doch einige Abiturienten protestierten, dass Platen, der homosexuell war, zum Namenspatron einer Knabenschule werden sollte. Tatsächlich wurde auf den Zeugnissen dann der Name Platen von einem Kunstlehrer durchgestrichen.